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Bericht von Leiterin der DRK-Schwesternstation Situation in der Pflege in Harpstedt spitzt sich zu

Ellen Dückers
Berichtet bei der Delegiertenversammlung des Seniorenbeirats offen von der schwierigen Situation in der Pflege: Schwester Elke Lükermann. Im Anschluss gab es Blumen vom nun ehemaligen Vorsitzenden Heinfried Sander.

Berichtet bei der Delegiertenversammlung des Seniorenbeirats offen von der schwierigen Situation in der Pflege: Schwester Elke Lükermann. Im Anschluss gab es Blumen vom nun ehemaligen Vorsitzenden Heinfried Sander.

Harpstedt - 15400 Pflegeheime, 14700 ambulante Pflegestationen, 4,1 Millionen pflegebedürftige Menschen. Mit diesen Zahlen, die für ganz Deutschland im Jahr 2020 gelten, beginnt Schwester Elke Lükermann, Pflegedienstleiterin der Gemeindeschwesternstation Harpstedt des Deutschen Roten Kreuzes, am Dienstagnachmittag ihren Vortrag. Sie war Gastrednerin bei der Delegiertenversammlung des Seniorenbeirats Harpstedt. Ihr Thema: die Pflege.

„Von den 4,1 Millionen sind 55 Prozent älter als 80 Jahre“, sagt Lükermann. Ein Fünftel werde vollständig in Heimen, vier Fünftel zu Hause gepflegt. Rund 692000 Menschen würden von Pflegediensten betreut. „Ab 65 Jahre leben noch zwei Drittel der Menschen mit einem Partner, bei den über 85-Jährigen sind 50 Prozent allein“, berichtet sie. Die Familienstruktur nehme mit dem Alter immer mehr ab. Die Tendenz: „Bis zum Jahr 2030 werden wir sechs Millionen Pflegebedürftige haben“, sagt sie. „Man sagt auch, 2030 werden 500000 Pflegekräfte fehlen.“ Stille im Raum.

Wenig Bewerbungen

Als sie 1996 mit der Leitung der Schwesternstation in Harpstedt begonnen habe, sei ihre Schublade voll mit Bewerbungen gewesen, erzählt Lükermann. „Heute findet man keine Leute mehr – die Schublade ist fast immer leer.“ Zumindest eine Bewerbung sei aktuell eingetrudelt, per E-Mail. Es gebe ein Problem beim Nachwuchs, fasst sie zusammen.

Die Situation in ihrer Station sei schwierig. Im Moment gebe es in Harpstedt 34 Mitarbeitende: zehn examinierte Kräfte, neun Pflegehelfer, zehn Reinigungskräfte, zwei Betreuungskräfte, zwei Verwaltungskräfte sowie einen Auszubildenden. „Ich könnte überall zwei mehr besetzen“, sagt Lükermann. Insgesamt 220 Menschen werden betreut. In den nächsten fünf Jahren würden 16 Mitarbeitende in Rente gehen, sagt sie. Schon jetzt müsse sie oft Patienten ablehnen, weil es kein Personal gebe. „Das ist traurig, vor allem, wenn es sich um palliative Pflege handelt und die Menschen zu Hause sonst nicht betreut werden können“, sagt sie. Insbesondere während der Corona-Pandemie sei oft auch die Kurzzeitpflege weggefallen. Natürlich habe die Politik das Problem erkannt, so Lükermann, dennoch bleibe die Lage prekär. Die stationäre Einrichtung habe eine Warteliste. „Wie sehen die Wege aus der Misere aus?“, fragt sie in den Raum. Eine zufriedenstellende Antwort bleibt aus.

Empathie wichtig

Sie kommt zum Thema Nachwuchs. „Viele bleiben im Krankenhaus“, sagt Lükermann. Natürlich gebe es mittlerweile in den Heimen Praktika und Fördermittel, auch Quer- und Wiedereinsteiger müssen nach Meinung der Expertin gefördert werden. „Die Anforderungen steigen, spezielle Ausbildungen werden wichtiger“, weiß sie. Von einer Zwangsverpflichtung oder gar Robotern in der Pflege hält sie indes wenig. „Im Heimbereich sind über 80 Prozent der Menschen dementiell erkrankt – da braucht es viel Empathie“, sagt sie und fügt hinzu: „Es geht um menschliche Wärme und Nähe – die Vorstellung einer Waschstraße in Altenheimen macht mich skeptisch.“

Bereits vor Corona hätten gegenseitige Besuche mit der Real- und Hauptschule Wildeshausen stattgefunden, das Projekt habe sogar einen Preis gewonnen, erzählt sie. Der Beruf sei krisensicher, systemrelevant – und dankbar, sagt Lükermann. „Ganz schlimm gedacht, gibt es irgendwann keinen ambulanten Dienst mehr.“ Stille. Dieses Szenario mag sich niemand im Raum vorstellen.

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