Harpstedt/Landkreis - Die Diskussion über die Fortschreibung des Landschaftsrahmenplans (LRP) sachlich zu führen, darum bittet der ehemalige ehrenamtliche Landrat Hermann Bokelmann die Mitglieder des Kreistages und der Räte im Landkreis Oldenburg.
Die Fortschreibung des Landschaftsrahmenplans ist beim Landkreis Oldenburg einsehbar. Inhaltliche Fehler sollten gemeldet werden. Der LRP ist ein unverbindliches Fachgutachten, das keine Drittwirkung entfaltet.
Der Altlandrat mahnt in seiner Stellungnahme, doch zunächst das Positive zu beachten: „Ich verfolge die Presseberichte über die heutige Diskussion über den LRP und wundere mich darüber, dass statt sich über die vielen schützenswerten Bereiche im Landkreis zu freuen und diese positiv herauszustellen, auch heute vielfach wieder die gleichen negativen Stellungnahmen abgegeben werden wie 1994/95 bei der ersten Aufstellung des LRP. Dass der LRP keine rechtliche Bindung besitzt, wird meist verschwiegen.“
Keine weiten Eingriffe
Dieser Hinweis sollte mehr beachtet werden, meint Bokelmann und betont: „In den 25 Jahren nach 1995 habe ich nie gehört, dass der LRP die Aufstellung eines Flächennutzungs- oder Bebauungsplans in den Gemeinden verhinderte oder die Entwicklung der Landwirtschaft behinderte. Ich habe kein Verständnis dafür, dass heute wieder behauptet wird, dass der LRP sehr weite Eingriffe in die landwirtschaftlichen Betriebe bedeute und dann 48 Prozent des Landkreises unter Naturschutz stünden. Wie soll der ,Niedersächsische Weg für Arten-, Natur- und Gewässerschutz’ im Landtag gelingen, wenn an der Basis solche Gegenstimmung gemacht wird?“
Besonders bedauert der Altlandrat, dass heute ein FDP-Landtagsabgeordneter solche Aussagen unterstützt. 1994/95 habe der Liberale Eilert Tantzen in 15 Sitzungen für einen sachlichen LRP gekämpft, und dessen Parteifreund Ernst-August Bode ließ im Protokoll des Kreistags dokumentieren: „Die Existenz und Entwicklung landwirtschaftlicher Betriebe wird durch den Landschaftsrahmenplan nicht eingeschränkt.“
Bokelmann lobt die umfangreiche Arbeit der Planer und Mitarbeiter des Amtes für Naturschutz und Landschaftspflege und hofft, dass andere das auch anerkennen. Nicht wie 1994, als die Wildeshauser MIT die Planer als „Schreibtischtäter“ diffamiert habe. Gleichzeitig meint er, dass sachgerechte Anregungen und Hinweise vom Amt sicherlich aufgenommen würden. Dazu gehöre eine sachliche Diskussion, „die wir Harpstedter Sozialdemokraten mit den Betroffenen 1994 erfolgreich durchgeführt haben“.
Der Altlandrat hat nicht nur den LRP im Archiv, er hat auch einen ganzen Stapel von Presseberichten und Briefen mit Vorwürfen eingeordnet. In Ippener befürchtete man damals, dass Maßnahmen am Dünsener Bachtal die Existenz von Milchwirtschaftsbetrieben zerstören würden, genauso auch in Beckeln zum südlichen Tal der Delme.
In Natur nichts verändert
Bokelmann weist auf Veränderungen in den vergangenen 25 Jahren hin und stellt dazu fest: „Der Dünsener Bach und die Delme fließen wie eh und je. In den Wiesen kann das Gras wachsen, aber die Milchbetriebe gibt es nicht mehr, obwohl sich durch den LRP in der Natur nichts verändert hat.“
Obwohl der Umbruch von Grünland nicht befürwortet wurde, kritisiert er den enormen Zuwachs von Maisfeldern: „ Ich sehe auf vielen Flächen, die früher als Milch- und Jungviehweiden genutzt wurden, nur noch Maisfelder. (...) Ich meine, dass darüber auch nachgedacht werden sollte, und hoffe auf Zustimmung zur Aktualisierung des Landschaftsrahmenplanes.“
