Harpstedt - „Nichts kann den Menschen mehr stärken als das Vertrauen, das man ihm entgegenbringt.“ Mit diesem Zitat von Adolf von Harnack beginnt Alice Gerken, Kreisvorsitzende des Städte- und Gemeindebundes, am Donnerstagabend in der Wasserburg in Harpstedt ihre Rede zur Ehrung verdienter Mitglieder des Samtgemeinderats und der Räte der Gemeinden. Sie freue sich aus zweierlei Gründen, vor Ort sein zu dürfen: Zum einen sei sie immer gern in den Gemeinden, zum anderen sei dies ihre letzte Amtshandlung, da sie – wie auch ihr Kollege Herwig Wöbse, der mit ihr die Ehrungen vornahm – aufhöre. „Bis zur letzten Stunde lieben und leben wir unser Amt“, sagt sie.
Vertrauen und Verantwortung
Gerken wiederholt das Eingangszitat, spricht von dem Vertrauen, dass einem die Bürgerinnen und Bürger zu Beginn der Ratstätigkeit vor vielen Jahren entgegengebracht hätten. „Konnten sie sich damals vorstellen, so lange die Ratstätigkeit wahrzunehmen?“ Allgemeines Kopfschütteln. „Das ist ähnlich wie beim Heiraten“, kommt ein Einwurf. Gerken stimmt lachend zu: Auch das habe mit Vertrauen zu tun.
Vielleicht habe man damals noch gar nicht einschätzen können, was das Amt bedeute, fährt sie fort. Manchmal komme das Gefühl auf, dass es gut und wichtig sei, was man mache – und dann trete man noch einmal an. Das könne sie aus eigener Erfahrung sagen.
15 Jahre Mitgliedschaft im Rat und eine Ehrennadel in Bronze – in Abwesenheit: Marco Roreger (Samtgemeinde Harpstedt) und Bianca Harries (Prinzhöfte).
20 Jahre Mitgliedschaft im Rat und eine Ehrennadel in Silber: Anne Wilkens-Lindemann (Colnrade, 15 Jahre Bürgermeisterin), Klaus Budzin (Flecken Harpstedt), Hermann Schnakenberg (Flecken Harpstedt), Klaus-Dieter Westphal (Flecken Harpstedt), Thomas Hacke (Prinzhöfte), Günter Wöbse (20 Jahre Beckeln, 15 Jahre Samtgemeinde Harpstedt) und Stefan Wachholder (Samtgemeinde Harpstedt). In Abwesenheit: Bernd Meyer (Kirchseelte) und Hans-Hermann Lehmkuhl (Prinzhöfte).
25 Jahre Mitgliedschaft im Rat und eine Ehrennadel in Gold: Heiner Thöle (Beckeln), Heinrich Dittmer-Hohnholz (Dünsen), Andrea Schadwinkel (Dünsen), Horst Bokelmann (Flecken Harpstedt), Birgit Zypress (Kirchseelte), Werner Lange (Prinzhöfte), Michael Müller-Hjortskov (Winkelsett) und Jens-Uwe Wöhler (Winkelsett).
30 Jahre Mitgliedschaft im Rat und eine Ehrenmedaille als „Zeichen ehrenhafter Anerkennung und besonders hervorragender Dienste um Gemeinde und Rat“: Christian Nagler (Dünsen), Horst Hackfeld (Harpstedt), Willi Beneke (Winkelsett) und Hartmut Post (Dünsen und Samtgemeinde Harpstedt).
35 Jahre Mitgliedschaft im Rat und eine Ehrenmedaille: Cord Remke (Beckeln) und Heinz-Jürgen Greszik (Harpstedt).
Die Gemeinde Groß Ippener ehrt bei ihrer konstituierenden Ratssitzung am 18. November weitere sieben langjährige Ratsmitglieder.
Am Ende ehrte Alice Gerken auch noch den scheidenden Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse für 20 Jahre Mitgliedschaft im Rat sowie seine siebenjährige Tätigkeit als Bürgermeister der Samtgemeinde Harpstedt und dankte ihm für die Zusammenarbeit: Er habe sich immer in allen Themen auch in der Tiefe ausgekannt, sei eine sichere Bank gewesen und werde in der Runde der Bürgermeister sicherlich fehlen, so Gerken, die ihm zusätzlich einen kleinen Schutzengel überreichte. Im Gegenzug bedankte sich auch Wöbse bei Gerken für die Zusammenarbeit und ihren Einsatz beim Städte- und Gemeindebund mit einem Blumenstrauß.
Dennoch: Zu Beginn der Tätigkeit sei sicherlich vieles fremd gewesen, erinnert sie. Plötzlich sei man angesprochen worden, im Supermarkt am Fleischertresen, beispielsweise: Wie sei es mit diesem Ausbau? Gebe es noch Baumaßnahmen in jenem Ortsteil? Entstehe ein neues Baugebiet? Natürlich habe man ein Basiswissen, könne antworten, sagt Gerken. Die meisten Bürgerinnen und Bürger würden das auch erwarten. Wenn nicht, mache man sich schlau und stehe im Wort, anzurufen. So gehe das, 24 Stunden, sieben Tage die Woche. Diese Verantwortung und Verpflichtung sei man mit Beginn der Ratstätigkeit eingegangen.
Generell sei das Leben durch die Rats- und Bürgermeistertätigkeit erheblich geprägt worden. Ein Beispiel: Das Grüßen. Spätestens im Wahlkampf nehme man Blickkontakt auf, suche das Gespräch – und grüße. Das bleibe einem auch nach der Ratstätigkeit erhalten, meint sie. Selbst im Urlaub habe sie Menschen getroffen, die sie erkannt hätten. „Das wird Ihnen sicherlich ähnlich ergehen – Sie sind bekannt“, sagt sie. Da dürfe man sich keine großen Fehltritte erlauben, werde leicht zum Ortsgespräch.
Dank an Familien und Partner
„Das alles funktioniert nur, wenn die Familien dahinter stehen und mitziehen“, betont Gerken. Oft sitze man in Sitzungen und hätte eigentlich auf einem Geburtstag, einer Familienfeier oder vielleicht einfach nur mal zu Hause sein wollen. Wenn es dann noch zusätzlichen Druck von Daheim gebe, mache das Amt „keine Freude“, sagt sie. Dann halte man nicht lange durch. Darum sei es wichtig, dass Partner und Familien das Amt mittragen, sagt sie und dankt im Namen des Kreisverbands den Familien, Partnern und Ehepartnern. Die Blumen seien für sie.
„Ehrenamtliches Engagement im politischen Raum wird nicht einfacher“, schließt Gerken ihre Rede. Gespräche mit Bürgern würden schwieriger, anspruchsvoller. Es werde mehr nachgefragt. Oft werde gegoogelt, ob das, was man sage, richtig sei. Politiker würden sehr kritisch gesehen, so Gerken: „Deswegen verdient Ihre politische und ehrenamtliche Arbeit großen Respekt und Anerkennung.“
