Harpstedt - Knapp 22 Jahre hat Elke Lischkowitz die Samtgemeindebücherei Harpstedt geleitet – nun hört sie zum 30. November altersbedingt auf und übergibt die Führung an Cornelia Geerken. Damit der Übergang reibungslos verläuft, arbeiten die beiden bereits seit Anfang Oktober parallel in der Bibliothek, die direkt neben dem Schulzentrum liegt. „Ich hätte gern weitergemacht“, sagt Lischkowitz, 65 Jahre. Dennoch ist die Colnraderin sicher, mit Geerken eine „sehr tolle Kraft“ gefunden zu haben: „Ich habe ein gutes Gefühl.“
Erfahrung in Branche
Ihre Nachfolgerin hat seit 15 Jahren Erfahrung in der Branche, arbeitete erst zehn Jahre im Bücherlädchen und danach fünf Jahre beim Isenseeverlag in Oldenburg. Sie habe Elke Lischkowitz, Mitarbeiterin Hilke Harms und die Bücherei bereits gekannt, sagt die 50-Jährige, die in Dünsen lebt. „Die Bücherei hat oft Bücher im Lädchen bestellt“, erzählt sie. „Ich kannte viele Abläufe schon und wusste, was mich erwartet.“ Positiver Nebeneffekt: Ihr Arbeitsweg sei nun angenehmer, sagt Geerken. „Bei gutem Wetter fahre ich gern auch mit dem Rad.“
Der Hauptgrund für den Wechsel sei jedoch ein anderer gewesen: „Mir hat der Kundenkontakt gefehlt“, sagt sie. „Ich arbeite gern mit Kindern und Erwachsenen und berate gern – das ist, was die Arbeit hier ausmacht.“
Im Jahr 1992 begann Elke Lischkowitz, die Bücherei Colnrade ehrenamtlich zu leiten, die Ende 2013 geschlossen wurde. Am 1. Januar 2000 übernahm sie die Leitung in Harpstedt, nun als Hauptamt. Damals habe es noch Karteikarten zur Ausleihe gegeben, erzählt die 65-Jährige. Erst Anfang 2002 wurde EDV eingeführt. Mittlerweile verfügt die Bücherei über 11000 Medien, vor der Corona-Pandemie gab es jährlich rund 42000 Ausleihen, etwa 3000 davon waren digital.
Zunächst war die Bücherei Harpstedt in einem kleinen Raum oberhalb der alten Turnhalle zu finden, im September 2002 fand übergangsweise der Umzug in die Delmeschule statt, bis im Mai 2004 die heutige Bibliothek eingeweiht wurde. Viele Aktionen – Lese-Circus, Lesenächte und Veranstaltungen für Kinder und Erwachsene des DRK-Ortsvereins Harpstedt – schlossen sich an. Auch am Leseförderungsprogramm für erste und zweite Klassen mit „Leo Lesepilot“ nahm die Bücherei teil. Und: Seit Mai 2017 ist die Bücherei Mitglied im niedersächsischen Online-Verbund, es gibt also auch E-Books. Neueste Errungenschaft sind übrigens Tonies – ein Audiosystem, das speziell für Kinder konzipiert wurde.
In der Bibliothek Harpstedt arbeiten zwei Hauptamtliche und vier ehrenamtliche Mitarbeiterinnen. Die Bücherei, Schulstraße 10-12, ist dienstags und donnerstags jeweils von 8 bis 12 und 16 bis 18.30 Uhr geöffnet.
Liest die neue Leiterin selbst gern Bücher? „Ja, tue ich“, sagt Geerken mit einem Lachen. „Sonst könnte man den Job auch nicht ausfüllen.“ Schließlich kämen häufig Menschen, die nach einem persönlichen Rat fragen würden. Aktuell lese sie „Der Sucher“ von Tana French. „Ich mag Krimis sehr gern und bin in den letzten Zügen“, sagt sie. Natürlich stammt das Buch aus der Bücherei – wie mittlerweile fast alle. Früher habe sie immer alle Bücher gekauft und im Schrank gehabt. Mittlerweile gebe es dort ein Platzproblem und sie habe festgestellt, dass sie Bücher nie zweimal lese, erzählt Geerken. „Also verschenke ich Bücher, nachdem ich sie gelesen habe, oder leihe sie aus – ich habe keine riesigen Bücherschränke zu Hause.“ Und noch eine Veränderung habe sie durchlaufen: „Früher mochte ich keine Sachbücher – heute kann ich ihnen durchaus etwas abgewinnen“, sagt Geerken lachend.
Freundlicher Umgang
Ab dem 1. Dezember wird dann auch Elke Lischkowitz als „normale Besucherin“, wie sie es beschreibt, in die Bücherei kommen. „Ich freue mich auch darauf, dass ich herkommen kann, ohne dass eine Pflicht besteht“, sagt sie und erinnert sich an ihre Zeit als Büchereileiterin. Alle Besucher seien immer zufrieden gewesen. Der Umgangston sei immer nett und freundlich gewesen, sagt sie. Eine Herausforderung sei gewesen, Bücher wieder aus dem Angebot zu nehmen, um „neue Bücher kaufen zu können“. Diese Aufgabe übernimmt in Zukunft dann ihre Nachfolgerin.
