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nordwest-zeitung

Urwald leidet unter Coronastress Zufluchtsort Hasbruch von Großstädtern überrannt

Hasbruch - Noch rücksichtsloser als im Frühjahr – mit noch weiterreichenden Folgen für die Natur im Urwald Hasbruch: So beschreibt Revierförster Jens Meier das rüde Verhalten vieler Spaziergänger in dem Naturschutzgebiet am vergangenen Sonntag. Denn im Teil-Lockdown des Monats November, der erneut mit Einschränkungen und Kontaktverboten verbunden ist, wird der Hasbruch für viele Bürger wieder zum selben Sehnsuchtsort wie schon beim ersten Lockdown im Frühjahr.

Chaotische Zustände

Das hat jedoch Schattenseiten: Um die Corona-Pandemie für ein paar Stunden zu vergessen, drängten am Sonntag so viele Besucher in den Forst zwischen Ganderkesee und Hude, dass Spaziergängern anstelle eines erholsamen Waldbads nur das ganz und gar nicht coronakonforme Bad in der Menge blieb. Eine Folge: Vandalismus im Wald. Den Bürgern geht offenbar die Geduld aus.

„Die erneuten Einschränkungen wirken sich auf den Hasbruch jetzt noch heftiger aus als der Lockdown im Frühjahr“, sagt Meier und gibt für das Zustandekommen des unheilvollen Massenandrangs auch Fernsehberichten eine Mitschuld. „In der letzten Woche war ein TV-Team hier, am Sonntag zogen Unmengen an Bremern durch den Wald“, so der Revierförster. Mit waldunkundigen und zudem noch uneinsichtigen Großstädtern steht Jens Meier auf Kriegsfuß: Um den Auswärtigen zu zeigen, welche Bereiche im Naturschutzgebiet nicht betreten werden dürfen, hatte der Revierförster schon im Frühjahr entsprechende Areale mit Absperrband kenntlich gemacht. Auch wurde der Urwald schon damals zum „Schilderwald“: Gebote und Verbote wurden auf Tafeln an vielen Wegkreuzungen vermittelt.

Gefruchtet haben die gut gemeinten Hinweise aber auch diesmal nicht. Familien verließen am Sonntag wieder die Wege, zogen durchs Unterholz, und selbst massive Äste oder Stämme wurden zu Tipis oder Wegsperren aufgetürmt. Meier: „Was Kindern Spaß macht, raubt Insekten oder Amphibien die Überwinterungsmöglichkeit.“ So seien besonders die wenigen Salamander davon betroffen, die nach einem Massensterben im Frühjahr noch übrig sind.

Auch Radwege zugeparkt

Auch auf den Straßen um den Hasbruch wurde es voll: „Alle Parkplätze und sogar die Radwege waren dichtgeparkt“, berichtet der Revierförster.

Nach Fällen von Vandalismus durch rücksichtslose Waldgäste rund um den Maifeiertag waren von Naturschützern Forderungen nach einem begrenzten Betretungsverbot für den Wald sowie regelmäßigen Corona-Kontrollen laut geworden. Gegen eine Sperrung des Waldes für Spaziergänger spricht sich aber auch weiterhin die Kreisverwaltung in ihrer Funktion als Untere Naturschutzbehörde aus: „Der Wald dient gerade auch in der Pandemie als Ort der Erholung“, betont Kreissprecher Oliver Galeotti. Allerdings sei auf das Wegegebot in dem Naturschutzgebiet zu achten und es dürften auch keine Waldbestandteile entfernt werden.

Kontrollen angekündigt

Weil Appelle allein nicht mehr nützen, seien jetzt im Hasbruch Kontrollen zusammen mit der Polizei geplant, auch in Bezug auf die Einhaltung der Corona-Regeln.

Thorsten Konkel
Thorsten Konkel Redaktion Ganderkesee
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