Hasbruch - Vom tiefen Gras am Wegesrand bis weit hinauf in die Bäume: In sattem Grün erstrahlt nach regenreicher Zeit gerade jetzt der Hasbruch. Alles so, wie immer im Frühjahr/Sommer, so scheint es. Doch blicken Spaziergänger im Wald zwischen Hude und Ganderkesee genauer hin, sehen sie in den Kronen der Eichen viele lichte Stellen durchblitzen. Das hat einen Grund, der Revierförster Jens Meier sorgenvoll blicken lässt. „Nach extrem trockenen Jahren ist der Wald noch lange nicht über den Berg.“
Wie ist die Ausgangslage im Hasbruch ?
2018, 19 und 20 – drei Jahre hintereinander hat die in der Vegetationszeit anhaltende Dürre zum vorzeitigen Abfallen der Blätter geführt. Die Folge: „Die Eichen sind jetzt trotz eines kühlen und feuchten Frühjahrs weiter im Überlebensmodus“, sagt Meier. Bei Fichten begünstigte der extreme Wassermangel der letzten Jahre zudem eine Massenvermehrung von Borkenkäfern.
Wie steht es Anfang 2021 um die Bodenfeuchte ?
„Gegenwärtig sind die ersten 60 bis 70 Zentimeter Boden gut durchfeuchtet, das gibt uns Anlass zur Hoffnung“, so Meier. Die „Wasserpumpe“ der Bäume funktioniere, das sei beim Austreiben sichtbar geworden. Auch das üppig am Wegesrand sprießende Grün sei ein Zeichen für Feuchte.
Noch sei aber fraglich, ob die Bäume auch eine vierte Trockenperiode überstehen können. Der Grund: „Die Schichten bis in zwei Metern Tiefe sind immer noch nicht feucht genug. Um das Bodenwasser genügend aufzufüllen, müssen wir Niederschläge über dem langjährigen Mittel haben.“ Das sei in den letzten Monaten aber trotz Starkregens längst noch nicht erreicht, stellt der Waldexperte fest.
Droht dem Wald eine neue Schädlingsplage ?
Generell starteten die Bäume etwas vitaler in die Vegetationsperiode. Meier: „Auch die Kühle hat dazu beigetragen – etwa bei den von Käfern geplagten Fichten.“ Für den Borkenkäfer sei es in den letzten Wochen zum Schlüpfen zu kalt gewesen. „Wir hoffen auf eine verkürzte Brutperiode.“ Nachdem befallene Bäume im Hasbruch bereits gefällt und an die Wegesränder gelegt worden sind, werden die Stämme in dieser Woche mit Gift behandelt, um dem Massenschlüpfen bei steigenden Temperaturen vorzubeugen. Meier: „Überstanden ist die Käferplage noch lange nicht, die große Katastrophe ist aber wohl vorbei.“
Welche Eichenarten sind besonders gefährdet ?
Bei der Eiche gibt Meier sich vorsichtig optimistisch. „Ich sehe mittelfristig eine Erholung der Bestände, aber nicht vor 2023.“ In dem an die „Eichenkontinuität“ gebundenen Schutzgebiet sollen verstärkt Traubeneichen anstelle von Stieleichen gepflanzt werden. Auf trockenen Standorten könne die Traubeneiche besser bestehen. Eine Versuchspflanzung soll Anfang 2022 erfolgen.
Haben Buchen und Kiefern die Dürre gemeistert ?
An einer geringeren Belaubung der Buche als zuvor sieht der Förster, dass diese Art den Trockenstress nicht überwunden hat. „2020 hat sie Anfang August ihre Blätter als Verdunstungsschutz abgeworfen.“ Eine Erholung in größerem Maße sei nicht eingetreten. Die genügsame Kiefer sei besser weggekommen.
Wie wirkt sich der Stressfaktor „Mensch“ aus ?
Nicht nur in der Corona-Zeit leiden Flora und Fauna unter Besuchermassen. Zuletzt 2019 hatte es ein Massensterben von Feuersalamandern gegeben. Neben Wassermangel lag das auch an rücksichtslosen Ausflüglern. Lurche wurden auf Wegen zertreten oder von Radlern überrollt. Amphibiengewässer werden nun eingezäunt.
