Haschenbrok - Am Mittwochnachmittag hat Torsten Deye eine Whatsapp-Nachricht von einem anderen Landwirt erhalten, dass er doch am Abend unbedingt in sein Mailfach schauen solle. Da sei eine Nachricht, die ihm Freude bereiten werde, machte der Schreiber es spannend. Genauso war es denn auch: Kerstin und Torsten Deye aus Haschenbrok haben sich für den „Ceres-Award“ qualifiziert. Damit zählen die Schweinehalter mit ihrem „Gourmetfleisch-Konzept aus dem Offenstall“ schon jetzt zu den besten 30 Landwirten und Landwirtinnen in ganz Deutschland.
In der Endauswahl
Es handelt sich um einen Wettbewerb, der vom Deutschen Landwirtschaftsverlag veranstaltet wird. „Wir waren absolut überrascht“, freute sich Torsten Deye über die frohe Kunde.
Vor drei Jahren haben Kerstin und Torsten Deye ihren konventionellen Schweinezucht- und Mastbetrieb in Haschenbrok komplett umgebaut. Das Ziel: den Sauen, Ferkeln und Mastschweinen ein hohes Maß an Tierwohl zu bieten. Die 80 Zuchtsauen, 700 Mastschweine und 500 Ferkel stehen im Offenstall, in dem es für die Tiere Außenklimareize, eingestreute Liegeflächen und ein größeres Platzangebot gibt. Vermarktet werden die „Haschenbroker Landschweine“ als Gourmetfleisch.
Für den Direktverkauf in Haschenbrok haben die Deyes einen kleinen Hofladen sowie seit Ende April auch einen „Regiomat“ parat. Damit kann das Fleisch dort rund um die Uhr gekauft werden. „Das läuft supergut. Wir hätten gar nicht gedacht, dass so viele Leute das nutzen“, berichtete Torsten Deye von der großen Nachfrage, gerade jetzt in der Grillsaison. Neben dem Direktverkauf hat der 48-jährige Landwirt mit dem regionalen Metzgerbetrieb „Bauer & Metzger“ einen Partner gefunden, der ihm den Mehraufwand fürs Tierwohl honoriert.
Vor einiger Zeit waren die Haschenbroker angesprochen worden, dass sie sich doch an dem Wettbewerb beteiligen sollten. Deyes reichten daraufhin die Bewerbung mit allen Fakten zum Betrieb ein. „Dann haben wir uns weiter keine großen Gedenken mehr gemacht“, so Torsten Deye. Entsprechend groß war die Begeisterung, dass sie es bei 180 Bewerbungen überhaupt schon unter die besten 30 geschafft haben.
Der mit 10 000 Euro dotierte Ceres-Award gilt als die höchste Auszeichnung in der Landwirtschaft und wird 2021 zum 9. Mal verliehen. Deye berichtete, dass als nächster Schritt der Termin für den Besuch der fachkundigen Jury abgestimmt werde, die sich dann vor Ort ein Bild vom Hof machen werde – wie bei allen weiteren 29 ausgewählten Betrieben.
Gala in Berlin
Im November wird bei einer feierlichen Gala in Berlin (Deye: „wie bei den Oscars“) der Titel „Landwirt des Jahres“ verliehen, so die derzeitige Planung. Zudem werden die Sieger in den einzelnen Kategorien gekürt. Deyes haben bei den Schweinehaltern zwei Mitbewerber. Einen kennen sie bereits: Tim Friedrichs aus Hilgermissen/Landkreis Nienburg. Er war ebenfalls beim Innovationspreis Tierwohl 2020 dabei gewesen. Da hatten Deyes für ihr Stallsystem für das Tierwohl von der Sauenhaltung bis zur Mast den dritten Preis, 5000 Euro und viel Lob erhalten.
