Wardenburg/Hamburg - Auch mit 80 Jahren schnürt Klaus Fromme noch mehrmals in der Woche seine Laufschuhe. Nun hat sich sein hartes Training bezahlt gemacht: Beim Hamburg-Marathon am Sonntag erzielte der Wardenburger auf der Halbmarathon-Distanz von 21,1 Kilometern den ersten Platz in seiner Altersklasse mit einer Zeit von 01:53:36 Stunden – ein Schnitt von 5:23 Minuten pro Kilometer. Zwar startete Fromme als einziger Teilnehmer in der Klasse M80, doch lief er auch schneller als alle seine Konkurrenten in den Klassen M70 und M75.
Akribisch vorbereitet
Jeden Sonntag trainiert Fromme gemeinsamen mit einer Laufgruppe: „Wir treffen uns immer in Sandkrug auf dem Franzosenplatz und laufen dann dort im Wald.“ In der Gegend seien sie mittlerweile bekannt. Man nenne sie „die starke Truppe vom Franzosenplatz“, sagt Fromme. Nach dem Laufen trinke man auf dem Parkplatz gemeinsam Tee – gerne mal mit etwas Rum verfeinert. „Aber nicht in Massen, sondern mal einen Tropfen rein als Geschmacksverstärker“, sagt Fromme.
Aber für seine Spitzenzeit im Halbmarathon reiche dieses eine Training natürlich nicht aus, sagt Fromme. Seit Jahresbeginn hat er sich daher ein umfangreiches Programm auferlegt. Vier Läufe pro Woche: „Im Wochenschnitt um die 50 Kilometer“, sagt er. Doch damit nicht genug: „Parallel fahre ich noch Rad, um Grundlagenausdauer zu haben.“ Zweimal in der Woche sei er jeweils drei bis vier Stunden auf seinem E-Bike unterwegs. „Ich sage immer, unter zwei Stunden lohnt es sich nicht.“
Laufen ist Freiheit
Aber warum nimmt Fromme auf sich, was andere als Strapazen bezeichnen würden? „Ich bin ein Mensch, der sich bewegen möchte. Ich kann nicht herumsitzen“, erklärt er. Das Bewegen in der Natur verbinde er mit einem Freiheitsgefühl. Zudem sei Laufen die einfachste Sportart überhaupt: „Sie brauchen ein Paar Laufschuhe und können es bei jedem Wetter machen.“
Sein erster Kontakt mit dem Laufen liegt weit zurück: „Ich habe als Jugendlicher Leichtathletik gemacht.“ Vor allem wegen Beruf und Familie habe er dann aber eine lange Zeit ausgesetzt, erzählt der studierte Maschinenbauingenieur. „Von 1960 bis 1980 habe ich keinen Schritt gemacht.“ Erst mit einem Ortswechsel nach Hessen, wo Fromme eine Zeit lang beruflich tätig war, sei er wieder ins Lauftraining eingestiegen. Kollegen hätten ihn dort gefragt, ob er mit ihnen trainieren wolle. „Dann habe ich Gefallen daran gefunden.“ Kurze Zeit später lief Fromme seine persönlichen Bestzeiten auf der Marathon-Distanz von 42,2 Kilometern: In Frankfurt kam er 1985 nach 02:38:24 Stunden über die Ziellinie, ein Jahr später in Hamburg nach 02:39:19 Stunden.
Verletzungen
Völlig reibungslos liefen Training und Wettkämpfe jedoch nie: „Ich habe im Prinzip keine Saison ohne Verletzung hingekriegt.“ Nach dem Zehnmeilenlauf in Großenkneten vor rund drei Jahren habe er mit starken Knieproblemen zu kämpfen gehabt. Sein Arzt habe nicht mehr daran geglaubt, dass er das Lauftraining fortsetzen könne. Fromme musste sich umorientieren: „Ich habe im Prinzip zwei Jahre nur Radtraining und Nordic Walking gemacht.“ Die Knieprobleme wurden wider Erwarten besser. Im Herbst 2021 konnte er zurück ins Lauftraining einsteigen. Seinen ersten Wettkampf nach der Pause absolvierte er wenig später in Bremen. In seiner Altersklasse belegte er auf 10 Kilometern den ersten Platz. „Aber man darf das auch nicht überbewerten. Es wird sehr dünn. Man hat kaum Gegner in der M80.“
Nächster Wettkampf
Weitere Wettkämpfe hat Fromme für dieses Jahr bereits in Planung: „Mein nächstes Ziel sind am 22. Mai die Niedersächsischen Meisterschaften in Lingen über 10 Kilometer auf der Straße.“ Auch in Oldenburg will er am Halbmarathon teilnehmen.
Weiterlaufen will Fromme, so lange die Gelenke noch mitmachen. Aufhören kommt für ihn bis dahin nicht in Frage: „So lange wie es geht und ich Freude dran habe.“
