Sandkrug - Die erste Kundin steht plötzlich im Laden, bevor das Team mit seinen Vorbereitungen fertig geworden ist. „Einen kleinen Moment dauert es noch. Keine Angst, sie haben doch eine feste Nummer“, sagt Ingrid Stapel und führt die ältere Dame freundlich, aber bestimmt, noch einmal vor die Tür. Etwa fünf Minuten später ist es dann soweit. Die ersten beiden Kunden, eine junge Frau mit Kind und die ungeduldige Seniorin, können sich im Laden des Hatter Büfetts mit frischen Lebensmitteln und haltbaren Produkten eindecken.
Alle tragen FFP2-Masken, wie vorgeschrieben, dennoch herrscht ein vertrauter Umgangston. Man kennt sich – und das mitunter schon seit Jahren. „Einige kommen schon seit zehn Jahren zu uns“, erzählt eine der Ehrenamtlichen.
Wichtige Stütze
Das Hatter Büfett ist seit zwölf Jahren eine wichtige Stütze für Menschen, die sich den regelmäßigen Einkauf in Supermärkten nicht leisten können, und die Situation ist seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie nicht besser geworden. Im Gegenteil: Nachdem die Zahl der Nutzer in den Jahren nach 2015 erst anstieg und später wieder abnahm, wächst in jüngster Zeit wieder die Nachfrage bei der Einrichtung in der Ludwig-Erhard-Straße 2 im Sandkruger Gewerbegebiet.
Mittlerweile liegt der Anteil der älteren Menschen oder auch Alleinerziehenden bei etwa 50 Prozent. „Insgesamt haben wir derzeit etwa 50 Kunden“, erzählt Ludger Haare. Zu den Aufgaben des im Vorjahr neu gewählten 1. Vorsitzenden gehört auch, dass jeder aus dem Ehrenamtlichen-Team nicht zu lange auf seinen Einsatz warten muss. Alle drei Wochen sind die etwa 25 aktiven Helfer an der Reihe. Noch seltener wäre auch nicht gut, ahnt Haare. „Unsere Ehrenamtlichen sind motiviert und wollen etwas tun“, sagt er. Ihm zur Seite stehen 2. Vorsitzender Reinhard Fänger, Kassenwartin Hildburg Hinrichs und Schriftführer Thomas Freese.
Jeden Freitag, dem üblichen Öffnungstag, der nur wegen Weihnachten und Silvester vorverlegt wurde, treffen sich um 7.15 Uhr die Fahrer des Vereins. Auf ihrer Route über Huntlosen (Kornkraft), Westerburg (Kartoffelhof Dannemann), Sandkrug (Bruno und Edeka Uphoff), Hatterwüsting (Kiosk Lüning) bis Kirchhatten (Edeka Uphoff) holen sie die gespendeten Lebensmittel ab. Ab etwa 8.30 Uhr beginnt dann das Einsortieren aus dem Lager in die Regale. Alles lose kommt in Tüten, leicht verderbliche Lebensmittel verbleiben bis kurz vorm Verkauf in den Kühlschränken.
Ausgabe ohne Gedränge
Um 13.30 Uhr übernimmt dann die Nachmittagsgruppe. Zwei bis drei Frauen kümmern sich ab 14 Uhr um die Warenausgabe. Ein Nummernsystem sorgt dafür, dass es während der nächsten zweieinhalb Stunden geregelt und ohne Gedränge zugeht. Eine Glasscheibe hält die Kundschaft zumindest ein wenig auf Abstand und soll die Ansteckungsgefahr minimieren. Wer an der Kasse sitzt, wie jetzt das ehemalige Vorstandsmitglied Ingrid Stapel, sorgt nicht nur dafür, dass sich keiner vordrängelt. Dadurch, dass das Hatter Büfett keine Lebensmittel verschenkt, sondern einen, wenn auch kleinen Obolus verlangt, gibt es ihnen einen Wert. Hier werden keine Almosen verschenkt, lautet die Botschaft.
Als Dankeschön lud der Vorstand die Helfer im Sommer zum Grillen ein, vor Weihnachten gab es als kleine Überraschung süße Tüten für jeden. Um zupackende Hände muss sich der Verein nicht sorgen. Ein neuer Fahrer ist eingearbeitet worden, etwa acht weitere Interessenten stehen noch auf der Warteliste. „Sobald Corona es zulässt, werden wir sie einarbeiten“, verspricht Ludger Haare.
