Hatterwüsting - 5.42 Uhr, es liegt noch leichter Dunst über dem Gras. Schon bald werden hier große landwirtschaftliche Maschinen übers Feld rollen. Höchste Gefahr für die Tiere, die für den Menschen unsichtbar im Gras liegen. Vor allem Rehkitze sind gefährdet, weil sie im Falle einer Gefahr nicht weglaufen, sondern instinktiv regungslos verharren.

Der Hatter Hegering hat dank Unterstützung durch die Bingo-Umweltstiftung und erheblicher eigener Investitionen seit einer Woche eine Drohne mit Wärmebildkamera im Einsatz, die Leben retten soll. Und es funktioniert, berichtet der Drohnenbeauftragte Jannis Weihe. In den ersten drei Tagen seien mehr als 100 Hektar aus der Luft abgesucht worden. „Wir haben fünfmal Kitze rechtzeitig entdeckt und retten können“, bestätigt Hegeringleiter Gerno Köhrmann. Das Wiederzusammenführen von Ricke und Kitzen funktioniere problemlos. Weiter als 30 Meter entferne sich das Muttertier nicht vom Feld.

Und so funktioniert die Technik: Über das Steuergerät markiert der Pilot noch vor dem Start der Flugdrohne, welches Gebiet sie überfliegen soll. Ein Monitor zeigt wahlweise ein herkömmliches Kamerabild oder ein Wärmebild an. Je heller ein Punkt, desto größer ist die Wärme, die dort abgestrahlt wird. Mensch und Reh strahlen etwa 25 Grad Celsius aus. Doch nicht jeder Leuchtpunkt ist auch ein Lebewesen, haben die Jäger gelernt. „Es reicht schon, wenn der Boden stellenweise dunkler ist“, erzählt Renke Backhus. Ideal sei deshalb ein Sucheinsatz am frühen Morgen, bevor die Sonne die Erde zu sehr erwärme. Dann gibt es da auch noch den Fall, dass es sich zwar um ein Tier handelt, aber kein Kitz. Als sich eine Sucherin des Drohnenteams der Fundstelle nähert, kommt Bewegung in den Punkt. Eine Sekunde später ist er auch mit bloßem Auge am Feldrand zu sehen: ein Haken schlagender Hase.

Einmal hat das Drohnenteam schon Pech gehabt. Weil die Zeit zwischen Suche und dem eigentlichen Mähen zu lang war, hatte eine Ricke ihren frischen Nachwuchs im Feld abgelegt. Entdeckt wurde er erst, als es zu spät war. Umso mehr freut sich der Hegering, dass das Interesse der Landwirte groß an dem neuen Angebot ist. Wer den Service nutzen will, sollte sich – möglichst mit einer gewissen Vorlaufzeit, denn alle Beteiligten machen das ehrenamtlich – an die Revierpächter wenden, so die Bitte.

Werner Fademrecht
Werner Fademrecht Redaktion Hatten