Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Medizinische Versorgung in Ganderkesee Schierbroker Hausärztin schließt Praxis – Das sind die Folgen für Patienten in der Gemeinde

Hat lange versucht, eine Nachfolgeregelung zu finden: Dr. Nadezda Jesswein wird bald ihre Praxis am Brookweg in Schierbrok schließen.

Hat lange versucht, eine Nachfolgeregelung zu finden: Dr. Nadezda Jesswein wird bald ihre Praxis am Brookweg in Schierbrok schließen.

Thorsten Konkel

Schierbrok - Wer in Schierbrok zum Hausarzt will, wird bald längere Wege in Kauf nehmen müssen. Grund: Die Schierbroker Hausärztin und Fachärztin für Innere Medizin und Notfallmedizin, Dr. Nadezda Jesswein, gibt zum Jahresende ihre Praxis am Brookweg auf. Allen Patientinnen und Patienten, die von ihr weiterhin hausärztlich begleitet werden möchten, bietet Dr. Jesswein auf ihrer Internetseite aber an, ihr zum Januar 2024 nach Oldenburg in eine Gemeinschaftspraxis zu folgen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt werde es in Schierbrok aller Voraussicht nach keine Nachfolge geben.

So viele Hausärzte fehlen in der Region

Kurz vor Jahresende gibt es 18 freie Sitze im Hausärztlichen Planbereich (HPB) Delmenhorst (Stadt Delmenhorst, Ganderkesee, Stuhr und Weyhe) der Kassenärztliche Vereinigung (KVN), berichtet die Geschäftsführerin der KVN-Bezirksstelle Oldenburg, Dr. Sainab Egloffstein. Der Nachwuchsmangel an Hausärzten werde sich verschärfen: „Es gibt zu wenige junge Ärzte, die nachkommen“, sagt die KVN-Geschäftsführerin.

Gewarnt davor hatte schon 2021 Dr. Nadezda Jesswein. Anlass war ihre Wahl in die 2021 gewählte Kammerversammlung der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN).

Zu Jessweins Zielen gehörte es beim Eintritt in den ÄKN-Ausschuss „Sektorübergreifende Versorgung“, Frauen zu fördern sowie dem ärztlichen Nachwuchs, vor allem den künftigen Ärztinnen, zu besseren Arbeitsbedingungen zu verhelfen. Junge Menschen sollten weiterhin den Beruf des Hausarztes wählen, sich niederlassen und Anerkennung bekommen.

Die Sicherung der medizinischen Versorgung lässt sich der Landkreis Oldenburg einiges kosten. Der Kreistag hat beschlossen, die Niederlassung von Ärzten und Psychotherapeuten mit fast einer Viertelmillion Euro im Jahr zu fördern, weitere 10 000 Euro fließen in Hospitanzen und Praktika von Medizinstudierenden.

Vielleicht entscheidet sich doch noch ein Mediziner oder eine Medizinerin für eine Nachfolge in Schierbrok: Die aktuelle Ausschreibung der KVN für einen Hausarzt-Sitz im Planbereich Delmenhorst endet am 30. November.

Die Medizinerin hatte 2016 vom damals erkrankten Arzt Dr. Thomas Gröne dessen Praxis in Schierbrok übernommen. „Meine Patienten und meine Mitarbeiter sollen sich hier wohlfühlen“, lautete seitdem ihr Ziel. Das hat sie auch erreicht – und viel mehr noch: „Ich hatte eine unheimlich hohe Lernkurve, durfte als Hausärztin dauerhafte Begleiterin vieler Menschen werden. Ja, es ist der schönste Beruf überhaupt“, blickt sie zurück.

Zu viele Hürden

Doch die Bürokratie mit ihren Auflagen, dazu Personalmangel und erhebliche Kostensteigerungen hätten über die Jahre zu Belastungen geführt, die sie als Einzelpraxisbetreiberin nicht mehr hinnehmen könne. Jesswein: „Jetzt haben sich die Kosten teils verdoppelt.“ Und Medizinische Fachangestellte (MFA) in Arztpraxen würden von noch besser zahlenden Kliniken abgeworben.

Doch es sind nicht nur diese Arten von Belastungen, die den Betrieb einer Einzelpraxis zunehmend unattraktiv machten. „Ich kann hart und viel arbeiten, bin dadurch sogar gut über die Pandemie hinweggekommen“, betont die Hausärztin. Irgendwann sei aber eine Grenze erreicht, um neben dem Wohl der Patienten und der Erfüllung aller Auflagen auch noch die Familie im Blick zu behalten. „Ich will nicht Patienten durchschleusen, sondern sie versorgen“, nennt Jesswein ihren Anspruch.

Hinein in ihre Entscheidung spiele auch ein aktuelles Urteil des Bundessozialgerichts. Die Einzelfallentscheidung besagt, dass sogenannte „Pool-Ärzte“, die keine Kassenzulassung haben, aber nach Feierabend und an den Wochenenden den Ärztlichen Bereitschaftsdienst leisten, sozialversicherungspflichtig sind.

Belastung wächst

Dadurch werde die Dienstbelastung für niedergelassene Ärzte steigen. Zusatzdienste seien zu übernehmen. Aktuell würden diese Fahrdienste in ihrem Bedarfsplanungsbereich zwar von den Johannitern übernommen. „Man weiß aber nicht, wie lange dieses Projekt läuft. Wenn diese Unterstützung wegfällt, dann wird die Belastung deutlich höher werden“, so Jesswein.

Rückblickend sei die Entscheidung, 2016 die Praxis in Schierbrok zu übernehmen, damals richtig gewesen. „Für mich persönlich ist jetzt aber der Zeitpunkt gekommen, in eine Gemeinschaftspraxis zu gehen“, betont Dr. Nadezda Jesswein. Um eine Nachfolgeregelung habe sie sich sehr bemüht: „Ich habe intensive Gespräche geführt, leider ergebnislos“, bedauert sie. Zum 31. Dezember wird sie ihre Zulassung für Schierbrok zurückgeben. „Ab 1. Januar bin ich dann in Oldenburg in der Gemeinschaftspraxis Haase/Jesswein. Meine Auszubildende und eine Arzthelferin nehme ich mit.“ Termine können bereits ab Dezember unter der Nummer der Gemeinschaftspraxis 0441/73738 gemacht werden.

Thorsten Konkel
Thorsten Konkel Redaktion Ganderkesee
Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Haben das Demokratiefest am 11. Mai in Schortens aus Sicherheitsgründen abgesagt: die Veranstalter (von links) Detlef Kasig, Axel Homfeldt und Wolfgang Ottens.

SICHERHEITSGRÜNDE Veranstalter sagen Fest für Demokratie in Schortens ab

Jever
Da hofften sie noch auf ein buntes Familienfest (von links): die Initiatoren von „Rock durch die Mitte“ Detlef Kasig (SPD), Axel Homfeldt (CDU) und Wolfgang Ottens (Grüne).

DEMOKRATIE-FEST IN SCHORTENS ABGESAGT Initiatoren sehen Sicherheit am 11. Mai gefährdet

Jeversches Wochenblatt
Schortens
Mit der Legalisierung von Cannabis für Erwachsene wird auch Jugendlichen suggeriert, dass Kiffen in Ordnung ist.

DROGENKONSUM BEI JUGENDLICHEN Die Reifung von Hirn und Emotionen bleibt beim Kiffen auf der Strecke

Anja Biewald
Oldenburg
Die Baskets Oldenburg um Alen Pjanic (links) können in der Tabelle klettern. Vechta und Wes Iwundu fehlen noch ein Sieg im Playoff-Rennen.

ZWEI SPIELTAGE VOR ENDE DER HAUPTRUNDE Das ist für Baskets Oldenburg und Rasta Vechta noch drin

Niklas Benter
Oldenburg
Der Herr der Zahlen bei Kickers Emden: Steuerberater und Vorsitzender Hendrik Poppinga.

WEGWEISENDE VERSAMMLUNG Wichtiges Zukunfts-Votum bei Kickers Emden – Mitglieder kommen Ende Mai zusammen

Lars Möller
Emden