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Hilfstransport aus Ganderkesee Brot aus Ganderkesee geht ins Kriegsgebiet

Uwe Korthe (von links), Torsten Schreiber, Nico Hemmelskamp und Heiko Posegga sind am Dienstag mit einem Lebensmittel-Hilfstransport nach Polen gestartet.

Uwe Korthe (von links), Torsten Schreiber, Nico Hemmelskamp und Heiko Posegga sind am Dienstag mit einem Lebensmittel-Hilfstransport nach Polen gestartet.

Antje Rickmeier

Ganderkesee - Torsten Schreiber hat das Bild genau vor Augen: In einem Flüchtlingslager in Polen sind in einem früheren Möbelhaus Tausende Menschen aus der Ukraine untergebracht. „Die Matratzen liegen dicht an dicht, Babys schreien, Frauen telefonieren mit ihren Männern und weinen“, schildert Schreiber die Situation. In der vergangenen Woche hat der Gerüstbau-Unternehmer aus Ganderkesee Hilfsgüter ins polnische Prömsel /Przemysl nahe der Grenze zur Ukraine gebracht. Und schon kurz nach der anstrengenden Reise stand für ihn fest: „Egal, du fährst nochmal hin.“

Nur Lebensmittel

Am Dienstagnachmittag haben sich Torsten Schreiber und sein Mitarbeiter Uwe Korthe erneut auf den rund 1300 Kilometer langen Weg gemacht. Begleitet werden sie von zwei Hudern: Zimmerei-Inhaber Heiko Posegga und Nico Hemmelskamp, Ratsherr und Inhaber der Kfz–Werkstatt NH-Service, steuern ein weiteres Fahrzeug. In einem Lkw der Bäckerei Tönjes und einem Transporter mit Anhänger bringen die vier Helfer ausschließlich Lebensmittel an die polnisch-ukrainische Grenze. Sie sollen den Soldaten und der Bevölkerung im Kriegsgebiet zugute kommen. Dass das Brot aus Ganderkesee von der polnischen Grenze aus gleich weiter in die Ukraine gebracht wurde, konnte Torsten Schreiber bei seinem ersten Transport beobachten. Im Flüchtlingslager gebe es eine Laderampe, wo das Schwarzbrot aus Ganderkesee in kleine ukrainische Schnelltransporter umgeladen worden sei. „Sie bringen die Sachen sofort über die Grenze.“

Viele Spenden

Wenn alles nach Plan läuft, sollen die Lebensmittel am Mittwochmorgen um 6 Uhr beim Flüchtlingslager in Polen ankommen und den ukrainischen Fahrern übergeben werden. Torsten Schreiber wurde erneut großzügig mit Spenden bedacht: In den Bäckereien Tönjes und Meyer Mönchhof sei am frühen Morgen eigens Brot für den Transport gebacken worden, sagt er. 800 Graubrote sollen schon am Dienstagnachmittag bei den Soldaten in der Ukraine sein. Auch die Bäckerei Krützkamp spendete Brot. Ferner gingen Butterkuchen, Obst sowie Power-Riegel und Energy-Getränke von der Firma Vitaminpunkt mit auf die Reise. Geld, mit dem Schreiber weitere Lebensmittel wie Aufschnitt und Käse kaufte, wurde ebenfalls gespendet – unter anderem von Garms Baustoffe in Schierbrok und Unternehmer Thorsten Hagstedt. Auch Verbandsmaterial und Medikamente hat der Transport aus Ganderkesee dabei. Kurzfristig kam außerdem noch eine Spende von Marcel Mantau aus der Nachbarschaft der Gerüstbau-Firma: Er steuerte 250 frisch gebackene Berliner bei.

Helfer aus Hude

Da die Menge an Spenden die Platzkapazitäten überstieg, sprang Heiko Posegga aus Hude mit seinem Transporter ein. Der Inhaber einer Zimmerei in Vielstedt hatte beim Packen des ersten Transports geholfen. Der Entschluss, mitzufahren, sei spontan gefallen, berichtet der Huder: „Ich habe alle Termine abgesagt.“ Bei seinen Kunden und Geschäftspartnern sei das Verständnis groß gewesen. „Viele haben gefragt, ob sie etwas tun oder mitgeben können.“ Diese Hilfsbereitschaft habe ihn sehr beeindruckt. Nur wenige Minuten für die Entscheidung brauchte Nico Hemmelskamp: Eigentlich sollte er Poseggas Transporter vor dem Start noch einmal kurz durchchecken, wurde dann aber als Mitfahrer verpflichtet.

Anstrengende Tour

Für die vier Helfer aus dem Landkreis Oldenburg wird es eine anstrengende Tour. In Polen ein Hotelzimmer für eine Übernachtung zu finden, sei schwierig, weil überall Geflüchtete untergekommen seien, sagt Torsten Schreiber. Auch der Plan, Menschen aus der Ukraine auf der Rückfahrt mit in die Gemeinde Ganderkesee zu bringen, wird voraussichtlich nicht weiterverfolgt. Keiner wolle nach Deutschland, erläutert der Unternehmer. „Sie hoffen, dass der Krieg bald zu Ende ist, sie in ihr Land zurückkehren und ihre Häuser wieder aufbauen können.“

Antje Rickmeier
Antje Rickmeier Redaktion Ganderkesee
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