Habbrügge - Vielleicht schreiben Uwe und Elisabeth Westphal eines Tages ein Buch darüber, was sie mit ihrer Windmühle „De lütje Anja“ schon erlebt haben. Ein großes Kapitel könnten allein die Ereignisse rund um die standesamtlichen Trauungen füllen. Seit 25 Jahren gibt es ein Trauzimmer der Gemeinde Ganderkesee in der Mühle in Habbrügge. Dieses Jubiläum wurde am Dienstag mit Nachbarn, Freunden und Mitarbeitenden des Rathauses gefeiert.
Das erste Brautpaar
Auch Anne Hagestedt-Fischer und ihr Mann Jürgen Fischer waren dabei. Die beiden wurden am 9. April 1999 als erstes Paar von Standesbeamtin Marlies Lüschen in der Mühle getraut. Die Idee, dass sie dort heiraten könnten, sei damals von den Westphals ausgegangen, berichtete Jürgen Fischer. Als „Gegenleistung“ musste er dabei helfen, einen großen Schreibtisch ins Trauzimmer oben in der Mühle zu tragen. Die Eltern von zwei Kindern sind immer noch glücklich verheiratet. Und da sie in der Nähe wohnen und Flächen direkt gegenüber der Mühle bewirtschaften, haben sie im Blick, dass viele Paare ihrem Beispiel gefolgt sind.
2000 Hochzeitsbilder
Mehr als 2000 Trauungen hat es nach den Worten des Ersten Gemeinderats Matthias Meyer in den vergangenen 25 Jahren in der Windmühle gegeben. Der frühere Ganderkeseer Bürgermeister Gerold Sprung habe einen außergewöhnlichen Ort für Trauungen gesucht, berichtete Matthias Meyer. Da kam die Anfrage von Uwe und Elisabeth Westphal, ob in ihrer Windmühle standesamtliche Trauungen durchgeführt werden könnten, gerade recht.
Doch die Eigentümer hatten nicht mit einer derart großen Nachfrage gerechnet. Die Mühle in idyllischer Lage lockte nicht nur Hochzeitspaare aus der Umgebung an. „Ein Paar kam sogar aus Tel Aviv in Israel“, berichtete Matthias Meyer. „Das zeigt, dass hier ein toller und herausragender Ort gefunden wurde. Die Lütje Anja ist auf mehr als 2000 Hochzeitsbildern zu sehen.“
Und somit haben auch die Westphals eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Hochzeitsgesellschaften erlebt. „Manchmal kam das Brautpaar allein, manchmal gab es auch ein Riesen-Brimborium“, sagte Elisabeth Westphal. Viele frisch verheiratete Paare ließen sich von besonderen Fahrzeugen an der Mühle abholen: „Polizei- und Feuerwehrautos mit Blaulicht und Martinshorn, Trecker, Mähdrescher, Maishäcksler und eine ganze Postflotte“, zählte Elisabeth Westphal auf. Besonders eng sei es geworden, als ein Paar mit einem Tieflader abgeholt wurde.
Mühle fliegt durch Luft
Wie es dazu kam, dass das Mühlengebäude aus dem Jahr 1870 aus dem Landkreis Diepholz nach Habbrügge umzog, ist eine Geschichte für sich. „Es war ein Kindheitstraum von meinem Mann, eine Windmühle zu haben“, sagte Elisabeth Westphal. Das Gebäude fand der gebürtige Oldenburger in der Nähe von Sulingen.
Bei der Suche nach einem geeigneten Platz dafür kam den Westphals der Zufall zur Hilfe. Bei einem Fahrradausflug der jungen Familie, die damals in Ganderkesee wohnte, fiel dem kleinen Sohn der Schnuller aus dem Mund – ganz in der Nähe eines alten Heuerhauses des Hofes Wieting in Habbrügge.
Als der Eigentümer von den Plänen für den Aufbau einer 26 Meter hohen Windmühle erfahren habe, habe er dem Verkauf zugestimmt, berichtete Uwe Westphal.
Für den Transport der alten Mühle fand er eine unkonventionelle Lösung: „Am einfachsten wäre es durch die Luft“, überlegte Uwe Westphal damals. Er gewann die Bundeswehr, die die Windmühle in zwei Teilen mit ihrem größten Hubschrauber nach Habbrügge an ihren heutigen Platz transportierte.
