Hollen - Eigentlich, so berichtet Marina Becker-Kückens, wäre das Haus in der vorigen Woche noch einmal ausgebucht gewesen. Doch auch für das Regionale Umweltbildungszentrum (RUZ) Hollen war 2020 alles anders. Statt 900 Veranstaltungen wie 2019 haben in Hollen und ausgehend vom Außenstandort Huntlosen nur knapp 400 stattgefunden – immerhin. Geschlossen, wie manch anderes RUZ im Bundesgebiet, war die Einrichtung trotz der Kontaktbeschränkungen nie, wie die Geschäftsführerin betont.
Garten nimmt Form an
Es gibt schließlich eine Menge zu tun im RUZ Hollen, auch wenn gerade mal keine Schulklassen ins Haus kommen können. Mitten im Corona-Jahr hatte sich die Einrichtung das größte Projekt ihrer 25-jährigen Geschichte gesichert – die Insektenschutz-Akademie (INSA), für deren Einrichtung fast 900 000 Euro, größtenteils Bundesmittel, angesetzt sind. Deren Kernstück, ein großer Schaugarten, nimmt bereits auf dem weitläufigen Außengelände am Holler Weg Gestalt an.
Künftig mehr Platz
Auch im so genannten Akademiehaus geht es gut voran. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten soll das Gebäude Angebote zum Natur- und Insektenschutz beherbergen, während die Ernährungsthemen weiterhin im Hauptgebäude behandelt werden. Ab März 2021 plant das RUZ-Team mit den zusätzlichen Kapazitäten. Zwei Seminarräume im Erdgeschoss sowie ein Raum, der Vereinen und Verbänden zur Verfügung stehen soll, und Büros im Obergeschoss entstehen dort derzeit. Ab Mai möchte das RUZ dort in Kooperation mit der regioVHS erstmals auch Bildungsurlaube anbieten.
„Wir als Team sind gut damit zurecht gekommen“, sagt Marina Becker-Kückens über die Monate seit dem ersten Corona-Lockdown im Frühjahr. So sei die Zeit unter anderem für Fortbildungen im digitalen Bereich genutzt worden. Auch neue Formen der Wissensvermittlung mussten aufgrund der Pandemie gefunden werden. Weil beispielsweise die Energiesparchecker-Ausbildung in Kindertagesstätten nicht stattfinden konnte, hat das RUZ-Team die Kinder angeschrieben und sie auf spielerische Weise in Form einer Geschichte fürs Energiesparen sensibilisiert.
Würdigung der Unesco
Ausgeweitet wurde zudem das Online-Angebot des RUZ: Zu vielen Themenkomplexen, etwa Lebensmittelverschwendung, entstanden Filmbeiträge. Auch einen eigenen Podcast hat das RUZ auf den Weg gebracht und Profile in den sozialen Medien. „Das wollen wir auch nach Corona nicht wieder aufgeben“, betont Martin Brinkmann, stellvertretender Leiter des RUZ.
Mit seinem neuen Digitalangebot hat das Umweltzentrum, wie schon mit so manchem Projekt, sogar wieder Modellcharakter erlangt: „Über uns wurde ein Film gedreht, der 2021 bei der Unesco-Weltkonferenz in Berlin gezeigt wird.“ Präsentiert wird das RUZ Hollen dort als „Best Practice“-Beispiel im Bereich der Digitalisierung.
Mittel fließen weiter
Auch in finanzieller Hinsicht hat das RUZ die Corona-Krise gut weggesteckt: Sowohl die Förderung der Kommunen als auch Projektmittel flossen weiter. „Dass uns unsere Fördermittelgeber weiter unterstützt haben, wertschätzen wir sehr“, so Martin Brinkmann. Trotzdem hoffen er und RUZ-Leiterin Marina Becker-Kückens, 2021 bald wieder durchstarten zu können: Bis zum Ende des Schuljahres 2020/21 ist das Haus, sofern Veranstaltungen erlaubt sind, restlos ausgebucht.
