Hollen - Die Kinder umringen die Apfelpresse und warten auf ihren Einsatz. Gerade haben sie auf dem Gelände des Regionalen Umweltzentrums (RUZ) Hollen Äpfel aufgesammelt. Nun wollen sie ihren eigenen Apfelsaft herstellen. Allerdings gelten für die Verarbeitung des Obstes klare Regeln: Alle Kinder müssen eine Maske tragen, während sie mit Lebensmitteln arbeiten.
Der Hygieneplan des RUZ wurde von Praktikantin Aileen Geiger und zwei Kolleginnen erstellt. Die 26-Jährige stammt aus Schwaben und studiert in Fulda Diätetik. Für ein Praktikum im Bereich der Oecotrophologie hat es sie nach Norddeutschland verschlagen. „Es gefällt mir super“, sagt die Studentin.
Die Praktikanten im RUZ kommen aus ganz Deutschland. Leiterin Marina Becker-Kückens sieht sie als große Bereicherung an: „Sie bringen viele Anregungen und Ideen mit.“ Seit Kurzem können vier junge Leute auch auf dem RUZ-Gelände wohnen. Eine Wohnung, in der früher Asylbewerber gelebt hätten, sei in der Corona-Zeit komplett renoviert und eingerichtet worden.
Das Umweltzentrum hat viele Anfragen von Studierenden für ein Praktikum im Ernährungsbereich. Darüber hinaus arbeiten dort drei Absolventen des Freiwilligen Ökologischen Jahrs (FÖJ) und zwei junge Männer, die den Bundesfreiwilligendienst im Garten des RUZ absolvieren.
Nach mehr als fünf Monaten sind auf dem Gelände des RUZ wieder Schulkinder anzutreffen: „Seit dem 1. September haben wir wieder Schulklassen hier“, sagt Leiterin Marina Becker-Kückens. Das Umweltzentrum in Hollen ist ihren Angaben nach das erste in der Region, das nach dem Corona-Lockdown wieder Angebote für Schulklassen macht. „Ich habe noch von keinem gehört, das wieder gestartet ist.“
Möglich ist das durch ein umfassendes Hygiene-Konzept. Zurzeit laufen die Angebote für Schulklassen fast ausschließlich draußen. Damit das in Schulen geltende Kohorten–Prinzip eingehalten werden kann, nutzen die Klassen unterschiedliche Bereiche auf dem Gelände des RUZ. „Die Kinder aus unterschiedlichen Klassen begegnen sich nicht, selbst wenn sie zur Toilette gehen“, erläutert Marina Becker-Kückens. Auch fürs Händewaschen, das während des Vormittags mehrfach vorgeschrieben ist, gibt es eine Lösung. Ein Maurerkübel, ein Schlauch und Seife sorgen dafür, dass die Hand-Hygiene auch draußen eingehalten werden kann.
Zurzeit dreht sich im RUZ alles um die Ernte und Verarbeitung von Äpfeln und Kartoffeln. Auch dabei stehen die Hygieneregeln obenan. „Die Kinder sollen Masken aufsetzen, wenn sie mit Lebensmitteln arbeiten und zum Beispiel schneiden“, erläutert Marina Becker-Kückens. Das Einhalten der Regeln klappe sehr gut: „Die Kinder sind extrem diszipliniert. Für sie ist es nichts Neues, mit Maske herumzulaufen.“ Häufig wollten die Kinder sogar öfter Hände waschen als vorgegeben sei, sagt Praktikantin Aileen Geiger.
Viele Termine waren bereits vor der Corona-Zeit gebucht. Wegen der Hygieneregeln können zurzeit allerdings nur zwei statt drei Schulklassen gleichzeitig auf dem RUZ-Gelände unterwegs sein. Einige Schulen hätten auch noch Bedenken, sagt die Leiterin.
Bis zu den Herbstferien sollen die Angebote nach Möglichkeit im Freien laufen. „Nach den Ferien müssen wir wieder neu denken.“ Doch Marina Becker-Kückens ist optimistisch, dass auch für Lern-Angebote in den Seminarräumen des RUZ eine Lösung gefunden wird.
Die Schüler jedenfalls freuen sich, dass sie den außerschulischen Lernort wieder besuchen dürfen: „Ich glaube, die Kinder sind einfach glücklich, dass sie wieder hier sein können“, sagt die Leiterin.
