Frau Bahr, Frau Lebedinzew, das Hospizbüro hat seinen Betrieb vor gut drei Wochen wieder aufgenommen, während Trauergruppen und -cafés noch pausieren müssen. Wie können Sie Menschen, die einen geliebten Angehörigen verloren haben, trotzdem helfen?

LebedinzewEs findet auch weiterhin Trauerbegleitung statt, nur nicht in der Gruppe, sondern als Einzelbegleitung. Dabei richten wir uns ganz nach den Wünschen und auch Ängsten der Trauernden. Treffen finden – natürlich unter Corona-Bedingungen – bei uns im Hospizbüro oder auch zu Hause statt. Auch Trauerspaziergänge mit einzelnen Personen sind möglich.

BahrWir hatten gleich zu Beginn der Corona-Krise alle ehrenamtlichen Begleiter gebeten, aufs Telefon und auf Videotelefonie umzusteigen. Inzwischen sind einige wieder zur persönlichen Begleitung übergegangen. Grundsätzlich liegt es im Ermessen des Begleiters und der Trauernden, wie der Kontakt gestaltet wird.

LebedinzewÄngste sind auch seitens der Begleiteten vorhanden. Ich hatte beispielsweise einen Erstkontakt mit einer Familie, bei dem ich während des Gesprächs in der Einfahrt stand, während mein Gegenüber in der geöffneten Haustür stand.

BahrUnd trotz aller Einschränkungen und körperlicher Distanz sind die Menschen froh, dass überhaupt etwas stattfindet.

Auch das Team der ehrenamtlichen Begleiter darf sich derzeit nicht treffen. Wie wird dort Kontakt gehalten?

LebedinzewWir haben in verschiedenen Projektgruppen über ein Videokonferenz-Programm zusammengearbeitet. Das wollen wir jetzt auch für die Gruppentreffen nutzen. Aus praktischen Gründen werden wir es auf zwei Abende aufteilen. Man spürt, dass die Ehrenamtlichen wieder richtig loslegen wollen. Für mich fühlt es sich gerade an wie ein Schiff, das am Hafen liegt. Wir wünschen uns, dass alle wieder an Bord kommen und wir volle Fahrt aufnehmen können. Wir hoffen, dass im Juni vielleicht schon Treffen im Freien möglich sind.

BahrWir drei Koordinatorinnen haben uns seit Beginn der Krise mit allen intensiv ausgetauscht und auch die ganze Zeit über Gespräche angeboten. Uns ist wichtig, zu zeigen, dass sie in uns jederzeit Ansprechpartner haben. Dadurch, dass wir Koordinatorinnen etwas mehr Zeit hatten, hat sogar etwas mehr Beziehungspflege stattgefunden als sonst.

Begleiten Sie jetzt eigentlich weniger Menschen als üblich?

BahrJa. 2019 haben wir 54 Menschen begleitet, in diesem Jahr werden es vielleicht am Ende 30 sein. Das hat Auswirkungen auf die Förderung, die wir von den Krankenkassen erhalten. Auch bei den Spenden, auf die wir ja ebenfalls angewiesen sind, merken wir einen deutlichen Rückgang – was aber in der momentanen Situation völlig verständlich ist. Um den Verein nicht zu gefährden, haben wir für uns Koordinatorinnen vom 1. März bis Ende September Kurzarbeit angemeldet. Aber die gute Nachricht ist: Wir wissen, dass der Hospizkreis dieses Jahr sicher übersteht.

Auch Ihre Öffentlichkeitsarbeit hat nicht in der gewohnten Form stattfinden können. . .

LebedinzewWir hoffen sehr, dass wir im September endlich wieder ein offenes Hospizangebot machen können. In diesem Jahr hatten wir bislang nur einen Vortrag zum „digitalen Nachlass“.

BahrEs ist sehr bedauerlich, dass unser Kurs „Letzte Hilfe am Lebensende“ im Mai nicht stattfinden konnte. Wenn es im September wieder möglich ist, würden wir ihn eventuell im November wiederholen. Aber kontaktfrei geht das nicht, denn es sollte möglich sein, zum Beispiel eine Handmassage oder die Mundpflege zeigen zu können.

LebedinzewWir Koordinatorinnen haben die Corona-Zeit unter anderem dafür genutzt, aus den Kursinhalten eine Broschüre zu erstellen. Sie ist zum Selbstkostenpreis von 2 Euro bei uns erhältlich.

Für Januar bis Juni 2021 planen Sie den Start eines neuen Vorbereitungskurses für Hospizbegleiterinnen und -begleiter. Haben Sie zu wenige Ehrenamtliche?

BahrEs geht nicht darum, dass der Hospizkreis wachsen will. Dennoch brauchen wie zusätzliche Begleiter, weil von den 54 Ehrenamtlichen, die die Qualifikation besitzen, nur gut die Hälfte aktuell für Begleitungen bereitsteht. Es kommt immer wieder vor, dass jemand aus Altersgründen nicht mehr eingeplant werden möchte oder weil es gerade aus privaten Gründen nicht möglich ist.

Welche Voraussetzungen müssen Teilnehmer mitbringen? Und wie hoch sind die Kosten?

LebedinzewSie müssen volljährig sein und vor allem Interesse an Menschen und Mitgefühl haben. Wer sich für die Ausbildung interessiert, kann jederzeit mit uns einen Termin für ein Infogespräch vereinbaren.

BahrDer Eigenanteil beträgt 100 Euro, aber uns kostet der Kurs pro Person 1200 Euro. Daher erwarten wir eine mindestens zweijährige Mitarbeit im Hospizkreis.

Karoline Schulz
Karoline Schulz Redaktion Ganderkesee