Hoyerswege - „Wo ist die Zeit geblieben?!“, fragt sich Heike Bremermann. Seit mehr als 60 Jahren ist sie in der plattdeutschen Theatergruppe „Speelkoppel Hoyerswege“ aktiv und hätte dieses Jubiläum im vergangenen Jahr eigentlich groß gefeiert. Dann kam die Corona-Pandemie dazwischen. Mit unserer Redaktion hat sie über ihre Lieblingsrollen, Lampenfieber und mehr als ein halbes Jahrhundert auf und vor der Bühne gesprochen.
Gegründet wurde die „Speelkoppel Hoyerswege“ 1957 von Gerd Frerichs. Seitdem sind in 63 Jahren insgesamt 69 Stücke in der Wintersaison und zehn Stücke in der Sommersaison aufgeführt worden. Im Winter gibt es im Schnitt 15 Aufführungstermine, im Sommer sind es immer sechs Termine für das Freilichttheater.
Aktuell zählt die Speelkoppel 170 Mitglieder. Zu den rund 30 Schauspielern kommen unter anderem ein Techniker, zwei Souffleusen und ein 13-köpfiges Bühnenbauteam unter der Leitung von Volker Abel hinzu. Seit 2007 steht auch die Nachwuchsgruppe „De Koppelkinner“ regelmäßig auf der Bühne.
Alles begann im Jahr 1960: „Meine Eltern waren mit dem damaligen Speelbas der Speelkoppel Hoyerswege befreundet“, erinnert sich die 79-Jährige. Dieser Speelbas – Lehrer Gerd Frerichs – hatte sich 1957 an die Volksschule Hoyerswege versetzen lassen und die Speelkoppel ins Leben gerufen, um die plattdeutsche Sprache zu pflegen und zu erhalten. „Er hat mich dann gefragt, ob ich nicht mitmachen will“, erzählt Bremermann. Und sie wollte.
Der Neu-Holzkamperin gefiel das Theaterspielen so gut, dass sie bis 1988 als Schauspielerin auf der Bühne stand. Dann gab es einen Wechsel. Denn parallel zu ihrem Berufsleben standen auch die vielen Proben und Auftritte an. „Mit meiner Arbeit wurde mir alles zu viel“, erzählt Bremermann. Ab dann war sie als „Topustersche“, Souffleuse, tätig.
„Als Schauspielerin hatte ich jedes Mal Lampenfieber, bis es losging“, erinnert sich die 79-Jährige. Zur Sicherheit habe sie dann bis kurz vor dem Auftritt immer das Textbuch in der Hand gehabt. Und als Souffleuse? „Ich muss immer aufpassen und den Text genau verfolgen“, so Bremermann. „Manchmal vertun sich die Spieler und springen im Text einige Seiten weiter.“ Deshalb müsse sie alle Szenen im Stück gut kennen.
Die Speelkoppel Hoyerswege sei in der glücklichen Position, die verschiedenen Rollen aufgrund der Vielfalt an Mitspielern auch altersgerecht besetzen zu können. „Deshalb habe ich früher oft ein junges Mädchen gespielt. Oder auch die Magd oder Mutter“, erinnert sich die Neu-Holzkamperin. Haupt- und Nebenrollen hätten sich dabei abgewechselt. „Dabei machen die Nebenrollen wie die Magd am meisten Spaß“, sagt sie.
„Jeder hat mitgebaut“
Noch gut kann sich Bremermann daran erinnern, wie die Darsteller früher mit an der Bühne gebaut und tapeziert hätten. „Jeder hat mitgebaut. Möbel und Bilder zusammengesucht oder selbst gemalt“, erzählt sie. Heute gibt es ein Bühnenbauteam.
Dass in 60 Jahren Theater nicht alles glatt läuft, kann Bremermann bestätigen. Einer der Schauspieler habe sich einmal bei den Proben nur über seine Mitspieler beschwert – obwohl er bei seinem eigenen Text selbst nicht aufgepasst habe. „Ich habe als Topustersche irgendwann mein Buch weggeworfen und bin gegangen“, erinnert sie sich. Dieser Ausbruch habe ihr später leidgetan, in dem Moment habe es ihr aber einfach gereicht.
Aber auch viele lustige Ereignisse habe es in den 60 Jahren gegeben. „Einmal haben die Bühnenbauer das Bühnenbild spiegelverkehrt aufgebaut“, berichtet die 79-Jährige und lächelt.
Jetzt, da wegen der Corona-Pandemie die Schauspiel-Saison ausfällt, vermisst sie vor allem die Geselligkeit in der Gruppe. „Man sieht sich jetzt nicht mehr. Wir haben immer viel Spaß zusammen und ich freue mich, dabei zu sein und gebraucht zu werden“, fasst die Topustersche zusammen.
Nette Tradition
Und es gebe bei der Speelkoppel eine nette Tradition: Wenn eine Aufführung auf ihren Geburtstag fiel, hätten Publikum und Mitspieler zum Schluss ein Ständchen für sie gesungen. „Darüber freut man sich natürlich sehr.“
