Hude/Holle - Landwirt Andre Heinemann kommt richtig in Fahrt, wenn er über die Folgen des Landschaftsrahmenplanes berichtet. Sein landwirtschaftlicher Betrieb liegt in Wüsting-Holle und ist zu 80 Prozent von den geplanten Maßnahmen des Landkreises betroffen. Heinemann hält Milchkühe und bewirtschaftet Grünland und Acker für die Erzeugung von hochwertigem Futter. Er sieht die Existenz seines Hofes bedroht.
Der Einspruch von Andre Heinemann umfasst vier Seiten. Er hat seine Stellungnahme beim Landkreis eingereicht. Noch bis 12. Dezember besteht die Möglichkeit, Einwände geltend zu machen. Rund 50 Stellungnahmen liegen vor.
Der Landschaftsrahmenplan sei nicht für Entscheidungen bindend, sondern nur eine Grundlage und Hilfe für Planungen, heißt es vonseiten des Amtes für Naturschutz und Landschaftspflege. Der Plan zeige die Potenziale für die Biotopvernetzung auf. Die Landwirte sehen das anders und befürchten, dass die Behörde über ihren Grund und Boden entscheiden will.
Massive Fehler
Im Landschaftsrahmenplan wird die letzte Fassung von 1995 fortgeschrieben. „Der aktuelle Entwurf enthält massive Fehler. Es wurden veraltete Kartengrundlagen herangezogen und nicht die aktuelle Situation bewertet“, sagt Heinemann. Das Gebiet, in dem er hauptsächlich wirtschafte, sei bereits vor mehr als 50 Jahren von den Bodenstrukturen her verändert worden. „Mit ausdrücklich behördlicher Zustimmung wurde damals das Moor entwässert, zum Teil tiefgepflügt oder übersandet. Unsere Vorfahren haben die Landwirtschaft hier erst möglich gemacht.“ Heinemann kritisiert, dass diese Veränderungen der Bodenstruktur nicht ausreichend in den Karten berücksichtigt sind. „Vielfach ist dort, wo auf der Karte Moor eingezeichnet ist, schon lange kein Moor mehr und kann auch nicht als solches behandelt, geschweige denn entwickelt werden“, erklärt er.
Er befürchtet massive Einschränkungen in der Bewirtschaftung seiner Flächen, wenn diese „zum Teil überbordenden Gedanken“ zur Entwicklung von Landschaftsschutzgebieten weiter verfolgt werden. „Meine Flächen wären nach einer Ausweisung eines Schutzgebietes nur noch die Hälfte wert, weil sie dann mit vielen Auflagen behaftet sind. Und wer weiß, was anschließend noch folgen wird.“
Fehlende Kommunikation
Er sieht das Planwerk als Einstieg in neue Verordnungen, die ihm zukünftig das Wirtschaften erheblich erschweren. Heinemann bemängelt ebenfalls, dass vorher keine Kommunikation stattgefunden hat. „Die Leute vor Ort wissen doch, welche Flächen sich wie und warum verändert haben. Darüber hätte man vorher gerne sprechen können. So hätte manche wertvolle Information schon weit im Vorfeld zum Ausräumen von falschen Annahmen geführt “, so Heinemann.
Ihm fehle auch die klare Zielsetzung des Landschaftsrahmenplanes. „Wir haben hier bereits eine zunehmend steigende Biodiversität. Zugvögel, Wiesenbrüter, Amphibien und viele weitere Tiere haben sich positiv entwickelt. So falsch kann unsere jetzige Bewirtschaftung doch nicht sein. Warum muss man da noch eins draufsetzen?“
Den Erhalt der Kulturlandschaft und der gewachsenen Strukturen kann er nachvollziehen. Aber gerade diese seien durch die Landwirtschaft entstanden und könnten auch nur mit der Landwirtschaft erhalten werden. „Wir Landwirte sind bereit, beim Landschaftsschutz mitzuwirken. Der Eingriff in das Eigentum kann aber nicht einfach von oben angeordnet werden.“ Er fordert die Bearbeitung mit aktuellen Karten und das Einbeziehen der örtlichen Bevölkerung in die Planungen.
