Hude/Lintel - Bei den Schlötelburgs ist Theaterspielen Familiensache. In der Speelkoppel Lintel engagiert sich nicht nur Insa Pieper, sondern auch ihre Schwester Wiebke Schlötelburg und die gemeinsame Tante Doris Ahlers.
Familiäre Leidenschaft
Woher die drei diese Leidenschaft haben, weiß Insa Pieper gar nicht mehr so genau. „Ich habe früher beim Kindertheater mitgespielt und habe die ,Großen’ von der Speelkoppel bewundert“, kann sich die 31-Jährige noch gut erinnern. Nahtlos fügt sich ihre Theaterkarriere zusammen: Eines Tages gehörte sie dann selbst zu den „Großen“ und dachte nicht ans Aufhören.
Im Jahr 2010 hatte Insa Pieper ihren ersten Auftritt bei den Lintelern – und seitdem ist sie jedes Jahr mit Herzblut dabei. In zwei Saisons war sie nicht ganz allein: Töchterchen Ella spielte noch in Mamas Bauch einige Auftritte und auch während ihrer zweiten Schwangerschaft stand Insa Pieper noch auf der Bühne. „Beide Kinder sind im Juni geboren, das war wie abgepasst mit dem Theater“, sagt sie lachend, während Sohn Veit inzwischen schon krabbelnd die Küche unsicher macht.
Aber auch als Zweifach-Mama kann sie sich ein Leben ohne Theater nicht vorstellen. „Zu Beginn der Corona-Krise war ich fast erleichtert. Kein Stück aussuchen, nicht proben. Die Pause tat gut. Aber inzwischen? Nein. Mir fehlt es extrem.“ Gemeinsam mit ihrer Schwester Wiebke Schlötelburg hat sie in 2020 Stück für Stück die Leitung von dem langjährigen Oberhaupt der Speelkoppel Jens Ehler übernommen. Der ist immer noch mit im Team, das relativ jung aufgestellt ist. Das macht es den Lintelern zum Teil bei der Stück-Auswahl gar nicht so leicht. „Viele sind zugeschnitten auf eher ältere Darsteller“, weiß Insa Pieper. Apropos: Es dürften auch gern noch weitere Darstellerinnen und Darsteller dazukommen.
Gegründet wurde die Speelkoppel Lintel im Jahr 1979. Zuvor waren auf dem Linteler Schützenfest immer Gastvereine mit ihrem Programm aufgetreten. Helga Bisanz dachte sich dann eines Tages: „Wat de könnt, könnt wie ok.“
In jedem Jahr studierte die Gruppe ein niederdeutsches Theaterstück ein – außer im Corona-Jahr. In der Regel wird jedes Stück elfmal an verschiedenen Orten aufgeführt. Die Premiere spielen die Laien-Schauspieler immer beim Landgasthof Mehrings.
Heute sind neun Personen Mitglied in der Speelkoppel Lintel. Die Aufgaben sind auf alle Schultern verteilt. Alle bauen zusammen am Bühnenbild, das Stück wird gemeinsam ausgesucht und auch das Soufflieren wird in jedem Jahr neu verteilt.
Wie wichtig ist denn die Plattdeutsch-Erfahrung? „Ich selbst bin Zuhause ohne Platt aufgewachsen, habe es immer nur hin und wieder bei den Älteren gehört“, sagt Insa Pieper und ergänzt. „Aber ich finde es toll, ich würde gerne dazu beitragen, dass diese Sprache bewahrt wird.“ Ein Grund, weshalb auch ihre beiden Lütten schon in Teilen durch die Uroma mit dem Plattdeutschen in Berührung kommen.
Hoffnung auf 2021
Insa Pieper hofft fest, dass das nächste Jahr wieder eines mit Theater wird. „Dieses Gefühl, wenn die Premiere geglückt ist, das Publikum klatscht und man sich hinter der Bühne in den Armen liegt, das ist unbeschreiblich“, so die gelernte Industriekauffrau. Auch die „After-Show-Partys“ innerhalb der Speelkoppel seien legendär. „Wir essen immer noch im Landgasthof Mehrings. Und manchmal versacken wir auch und tanzen nur so für uns bis in den Morgen – egal ob alt oder jung“, schwelgt die 31-Jährige in Erinnerungen. Die Linteler sind schon ein richtig gutes Team. „Wenn ich zurück denke an alle unseren gemeinsamen Abende geht mir richtig das Herz auf. Die Theatergruppe ist wie meine zweite Familie.“
