Hude - Vor kurzem war ich auf dem Wochenmarkt. In diesen Tagen ein echter Höhepunkt im Tagesablauf. Was für ein Glück für alle, dass dieser Lebensmittelverkauf im Freien noch erlaubt ist!
Ich habe mich auf meine frischen, zartrosa Matjesfilets gefreut. Die habe ich ganz in echt für einen Salat gebraucht, aber ein bisschen war das auch Alibi-Matjes. Denn ich wollte gerne mal sehen, wie die Stimmung so ist. Da wäre es ja etwas auffällig gewesen, gar nichts einzukaufen. Ich hatte damit gerechnet, dass die Menschen den Blick gesenkt haben, sich aus dem Weg gehen und schnell wieder nach Hause wollen. Weit gefehlt! Die Stimmung war geradezu fröhlich und ich glaube, das lag nicht nur am Sonnenschein.
Auf dem Pflaster war mit Kreide der einzuhaltende Abstand vor den Marktständen aufgemalt. Aber statt sich darüber zu ärgern, fanden es alle irgendwie total lustig, dass man kaum erkennen konnte, wer jetzt eigentlich wo ansteht. Durch die Verständigung darüber sind Menschen miteinander ins Gespräch gekommen, die sich gar nicht kannten. Hinter mir hat jemand laut gelacht. Einer der Händler gab seinen Kunden geschickt das Gefühl, jetzt besonders wichtig zu sein, indem er die verordnete Einzelbedienung kurzerhand zum VIP-Bereich erklärt hatte.
Der Huder Wochenmarkt findet diese Woche wegen der Osterfeiertage nicht wie gewohnt am Freitag sondern schon am Donnerstag auf dem Bahnhofsvorplatz in Hude statt. Die Öffnungszeiten von 14 bis 18 Uhr bleiben gleich.
Sich auf dem Wochenmarkt sehen können, ohne Einkaufswagenpflicht und Desinfektionsmittel, hatte trotz aller Auflagen und der fehlenden Blumen- und Klamottenhändler etwas Befreiendes. Offenbar sind jetzt an vielen Orten neue Kunden zu den Wochenmärkten gekommen. Ich gehöre auch dazu und möchte das „nach Corona“ beibehalten.
Noch ein schönes Erlebnis: Eine ältere Dame, von der ich angenommen hatte, dass sie jetzt den ganzen Tag traurig zu Hause sitze, weil niemand sie mehr besuchen kommt, klang am Telefon total ausgeglichen und zufrieden. Sie freute sich darüber, dass ich so lache. Dabei hatte ich nur aus Freude darüber gelacht, dass sie so gelacht hat.
Und wie interessant, dass in diesen Tagen ein Telefonat schon ein „Erlebnis“ ist. Vielleicht bleibt ja sogar das „nach Corona“ so. Ein Anruf kann zwar einen persönlichen Besuch nicht ersetzen. Aber telefonieren kann die Zeit ohne persönlichen Kontakt immerhin überbrücken. Wenn der Anruf überraschend kommt, ist die Freude umso größer.
Der Apostel Paulus rät: „Freut euch mit den Fröhlichen, weint mit den Weinenden“ (Römer 12,15) Wenn wir das selbst so halten, dann werden umgekehrt auch für uns Menschen da sein, wenn wir fröhlich sind oder weinen müssen. Nur: Ärgert euch nicht mit den Ärgerlichen. Wahrscheinlich lassen auch sie sich lieber von Lachen anstecken.
