Hude - Schon seit dem Jahr 2018 arbeitet Dr. Joest Leopold, Religionslehrer an der Peter-Ustinov-Oberschule in Hude, mit Schülerinnen und Schülern der jeweils neunten und zehnten Jahrgänge an Erinnerungsprojekten, insbesondere auch zu Themen nationalsozialistischer Gräueltaten. Es geht dabei nicht um Referate, sondern zahlreiche bleibende künstlerische Installationen sind entstanden.
Eines dieser Projekte sorgt jetzt für besonderes Aufsehen und hat sogar seinen Weg nach Kiew gefunden. Es geht um die Arbeit der Projektgruppe im vergangenen Jahr zum schrecklichen Verbrechen in der Schlucht von Babyn Jar in der Ukraine. Vor 80 Jahren wurden 33771 Menschen in einem der größten Einzelmassaker von der SS hingemetzelt. Es waren jüdische Kinder, Frauen und Männer, die innerhalb von nur zwei Tagen erschossen wurden.
26 000 Namen
Die Schülerinnen und Schüler hatten zur Erinnerung die circa 26 000 bekannten Namen der Opfer auf 22 Tafeln handschriftlich in würdevoller Form geschrieben. Zur Präsentation war auch Zeitzeugin Babara Brix aus Hamburg nach Hude gekommen. Sie sprach mit den Schülern über ihren Vater, Arzt der SS-Einsatzgruppe C. Brix hatte erst nach dem Tod ihres Vaters seine Beteiligung an dem Massaker herausgefunden.
Aufklärungsarbeit
Sie ist seitdem europaweit unterwegs, um Aufklärungsarbeit zu leisten gegen Extremismus und Rassenwahn.
Über Barbara Brix kam der Kontakt zum Berliner Dokumentartheater zustande. Das junge Ensemble ist zum 80. Jahrestag des Massakers in diesem September mit seinem Stück „Requiem zu Babyn Jar“ nach Kiew gereist und hat dort in Kooperation mit einem ukrainischen Theater das Stück gezeigt. Die Leiterin des Berliner Theaters nahm dazu die Namenstafeln aus Hude mit nach Kiew, wo sie am Ort des Massakers, an der Schlucht von Babyn Jar, niedergelegt wurden. Die Tafeln aus Hude sollen einen Platz im dortigen „Memorial Center“ finden.
Beeindruckend
„Derartige Erinnerungsprojekte sind für die Aufarbeitung der Geschichte und für die Völkerverständigung von überragender Bedeutung“, heißt es in einem Schreiben der Theaterleitung an die Huder Schule.
Auch das Auswärtige Amt in Berlin lobt die Arbeit der Huder Schule zu Babyn Jar: „Die deutsche Erinnerungskultur lebt davon, dass sich nicht nur staatliche Stellen, sondern auch Bürgerinnen und Bürger dafür einsetzen, an die Verbrechen, die Deutsche im Zweiten Weltkrieg begangen haben, zu erinnern“, schreibt die Botschafterin und Sonderbeauftragte Michaela Küchler.
Das Huder Projekt mit den Namenstafeln sei durch die Erinnerung an jeden einzelnen Menschen, der damals ermordet worden sei, ein sehr beeindruckendes Zeichen für Menschlichkeit, Respekt und Toleranz, betont sie in ihrem Schreiben.
