Hude - Was würde Jesus eigentlich machen, wenn er auf einer Corona-Demonstration wäre? Für Pastor Reiner Backenköhler aus Hude ist das eine klare Angelegenheit: „Er würde sagen, lasst euch impfen.“ Das sagte der Pfarrer am Montagabend auf einer Demonstration für „Demokratie und Zusammenhalt“ auf dem Bahnhofsvorplatz in Hude. Etwa 70 Menschen kamen gegen 17.30 Uhr zusammen, um gemeinsam ein Zeichen zu setzen.
Mit Zulauf zufrieden
Organisiert und angemeldet wurde die Demonstration von zwei neuen Ratsmitgliedern aus der Gemeinde: Christian Suhr (Die Linke) und Sarah Czychowski (Bündnis 90/Die Grünen). Die Huder Ratsfrau war mit dem Zulauf zufrieden: „Ich habe gehofft, dass so viele kommen. Damit gerechnet aber nicht unbedingt“, sagte sie. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt gab es drei kurze Redebeiträge, anschließend wurde noch etwas ausgeharrt. Pastor Backenköhler sagte, dass Hude für ihn ein vielfältiger Ort sei, den es zu schützen gelte. Er sei häufig darauf angesprochen worden, was Jesus wohl zu der aktuellen Situation sagen würde. Backenköhler schätzt, dass Jesus gesagt hätte, dass die „Alten“ und „Schwachen“ besonders geschützt werden müssten. Für den Spruch „Jesus hätte gesagt, lasst euch impfen“, erntete Backenköhler Applaus. Außer dem Pfarrer sprach auch ein Sprecher des sogenannten „Bündnis für solidarische Intervention“ aus Oldenburg. Der Redner nennt sich Ole, wollte seinen kompletten Namen auf Nachfrage jedoch nicht mitteilen. Er zog vor allem über die sogenannten Querdenker her. Diese Bewegung sei beispielsweise unterlaufen von Reichsbürgern und Neonazis. Antisemitische Verschwörungstheorien vereinten die unterschiedlichen Gruppen, so der Bündnis-Sprecher. Er sagte auch, dass es bei einem Spaziergang von Corona-Gegnern einen Angriff auf einen Freien Journalisten gegeben haben soll. Er forderte: „Raus auf die Straße und Querdenken zurückweisen.“
Erneute Demo
Die 70 Demonstranten auf dem Bahnhofsvorplatz in Hude blieben friedlich. Das wurde auch von Sarah Czychowski mehrfach eingefordert. Es sollte sich um einen gewaltfreien Protest handeln. Und dieser wird auf alle Fälle wiederholt. Wie die Grünen-Politikerin der NWZ mitteilte, soll für den kommenden Montag erneut eine Demonstration in Hude angemeldet werden.
Impfhelfer bedroht
Bei der Demonstration wurde auch darüber gesprochen, dass ein Impfhelfer in Hude offenbar massiv bedroht worden ist. Das Opfer erstattete Anzeige bei der Polizei, bestätigte die Sprecherin Ricarda von Seggern auf Anfrage. Genauere Informationen nannte sie nicht, teilte aber mit, dass die Polizei ermittelt. Es soll sich um eine Morddrohung gegen einen Impfhelfer handeln, wie die NWZ aus mehreren Quellen erfuhr.
