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Umzug wegen Eigenbedarfs Trotz Rollstuhl – Ukrainische Familie muss aufs Land ziehen

<p>                Schöne Momente trotz vieler Sorgen:  Viktoriia Lynholit war mit ihren Söhnen Ivan, Andrii, Isaiia und ihrer Mutter Tetjana Zherdeva zum ersten Mal an der Nordsee.    </p>

Schöne Momente trotz vieler Sorgen: Viktoriia Lynholit war mit ihren Söhnen Ivan, Andrii, Isaiia und ihrer Mutter Tetjana Zherdeva zum ersten Mal an der Nordsee.

privat

Hude - Unbeschwerte Weihnachtsstimmung mag sich bei Familie Lynholit nicht einstellen. Zu groß sind die Sorge und die Unsicherheit, wo sie im neuen Jahr wohnen werden. Aus dem jetzigen Haus, das die Gemeinde Hude der ukrainischen Familie zur Verfügung gestellt hat, müssen die Mutter, Großmutter und vier Kinder im Alter von zwei bis zwölf Jahren definitiv ausziehen. Der Vermieter hat Eigenbedarf angemeldet. Nach einem Jahr Durchatmen heißt es nun also: Koffer packen. Mal wieder. Nach der Flucht aus der Ukraine waren Viktoriia Lynholit und ihre Kinder erst in einem Durchgangslager in Hannover untergebracht, kamen dann in die Gemeinde Hude. Nun sollen sie vom Ortszentrum in den Außenbereich ziehen, eine andere Wohnung kann die Gemeinde ihnen derzeit nicht anbieten. Das erschwert den Alltag der Familie, befürchtet nicht nur die Mutter, sondern auch Melanie Heine. Die Huderin unterstützt die Familie tatkräftig.

Ohne Nahverkehr

„Die Gemeinde hat der Familie jetzt eine Wohnung in der Lintelner Straße in der Nähe des Friedwalds zugewiesen – dort sind sie völlig abgeschnitten vom Leben im Ort“, befürchtet Melanie Heine. Zwar können die beiden älteren Kinder mit dem Schulbus fahren, ansonsten aber sind öffentliche Verkehrsmittel Fehlanzeige. Und das ist ein großes Problem, denn der fünfjährige Isaiia sitzt im Rollstuhl, braucht gezielte Förderung. Häufig hat die Mutter mit ihm Termine bei Fachärzten in Oldenburg. „Ich habe einen Fahrradanhänger, mit dem ich Isaiia über längere Strecken transportiere. Aber dann müssen wir den Rollstuhl zu Hause lassen – das funktioniert nicht, wenn wir mit der Bahn nach Oldenburg müssen. Wir sind darauf angewiesen, zentral zu wohnen“, macht Viktoriia Lynholit deutlich. Die zarte Frau lächelt zaghaft, ihr Blick aber verrät, dass ihr eigentlich eher nach Weinen zumute ist.

Große Ungewissheit

Melanie Heine und Viktoriia Lynholit haben sich durch die Kirche kennengelernt. Mit einer Mischung aus Deutsch und Englisch verständigen sich die beiden Frauen. „Und mit Händen und Füßen – das klappt gut“, lacht Melanie Heine. Nicht nur über die Sprache, auch über die Musik findet Viktoriia Lynholit Zugang zu den Menschen in Hude. Sie engagiert sich bei den Huder Gospel Singers, hat beim großen Martin-Luther-Musical in Oldenburg mitgewirkt. „Ich hatte einen Chor gesucht und bin sehr glücklich, diese Möglichkeit gefunden zu haben“, erzählt sie. Die Chormitglieder, sagt Melanie Heine, haben schon signalisiert zu helfen, wenn die Familie umziehen muss. „Wir hoffen sehr, dass wir doch noch eine zentralere Wohnung finden, in der wir dann auch langfristig bleiben können. Diese Ungewissheit im Moment ist schwer zu ertragen“, erzählt Viktoriia Lynholit.

Stabile Mietverhältnisse

Wie in vielen Gemeinden sei es auch in Hude derzeit schwierig, mit kleinem Geldbeutel bezahlbaren Wohnraum zu finden, sagt Sozialamtsleiterin Ramona Dahms. „Wir haben es bisher gut geschafft, Wohnungen zu vermitteln. Dabei sind wir auf möglichst stabile Mietverhältnisse bedacht, um häufige Umzüge zu vermeiden.“ Allerdings könne die Gemeinde nicht immer eine optimale Unterbringung bieten. Auch Eigeninitiative der Wohnungssuchenden sei erwünscht – sie seien dabei nicht auf die Gemeinde festgelegt, sondern könnten auch in anderen Orten und Landkreisen suchen, betont die Amtsleiterin. Im Hinblick auf die schwierige Transportfähigkeit des kleinen Isaiia weist sie darauf hin, dass es möglich sei, sich für Arzttermine unter bestimmten Umständen einen Krankentransportschein des Arztes ausstellen zu lassen. Das bedeutet: In diesem Fall wäre die Familie Lynholit nicht auf Bus und Bahn angewiesen, sondern könnte Facharzttermine per Taxi absolvieren.

Weihnachtsbaum aufstellen

Bis vor Kurzem wusste Viktoriia Lynholit nicht genau, wann der Umzug ansteht. Nun aber steht fest: Es wird erst im neuen Jahr sein. So kann die Familie zumindest noch einen Christbaum aufstellen. „Dann können die Kinder wenigstens auch ein bisschen Weihnachten feiern“, sagt sie. Und vielleicht wird ihr größter Wunsch nach einem verlässlichen neuen Zuhause ja auch noch wahr.

Anke Brockmeyer
Anke Brockmeyer Reportage-Redaktion
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