Hude - Jahrelang hatte sich niemand mehr so wirklich darum gekümmert. Es machte einen vernachlässigten Eindruck. Das Zwangsarbeitergrab auf dem Friedhof in Hude. Die Namen auf dem Grabstein waren kaum noch zu lesen. Dabei ist auch dieses Grab ein Erinnerungspunkt an die schlimme Zeit des Zweiten Weltkrieges und sollte eine Mahnung sein dass so etwas hoffentlich nie wieder passiert. Das jedenfalls finden die Huder Lutz und Mechthild Walk.
Es war beim Osterspaziergang in diesem Jahr, der das Ehepaar Walk auch zum Zwangsarbeitergrab führte. Alljährlich am Volkstrauertag findet auch dort zwar ein kurzes Gedenken statt. Doch offenbar fühlte sich keiner zuständig für die Pflege.
Private Initiative
Dem Ehepaar Walk kam die spontane Idee, das Beet auf eigene Faust in Ordnung zu bringen. Walks besorgten Hornveilchen, Geranien, Nelken und Margeriten. Und sie beschlossen, die Pflege in Absprache mit der Friedhofsverwaltung zu übernehmen. Die kaum noch lesbare Inschrift mit den Namen der hier bestatteten Menschen wollte Lutz Walk zunächst mit einer Bürste säubern. Er fragte einen Maler, ob man die Buchstaben nachzeichnen könne. Davon riet der Fachmann ab.
Schließlich sagte die Friedhofsverwaltung zu, eine Restaurierung des Grabsteines durch den Steinmetzbetrieb Cordes aus Wüsting zu organisieren. Das ist laut Lutz Walk im Juni geschehen.
Alle Namen der Menschen aus Polen und der Ukraine, darunter auch zwei Kinder, die hier bestattet wurden, sind nun wieder gut lesbar.
Brutale Nazis
Die Zwangsarbeiter waren im Zweiten Weltkrieg vor allem auf den Höfen eingesetzt, um die Familien zu unterstützen, deren Väter und Söhne in den Krieg geschickt wurden. Das Verhältnis der Bauern und der Zwangsarbeiter untereinander war oft sehr gut. Die Obrigkeit hingegen ahndete jeden Verstoß auf brutale Weise. Lutz Walk verweist auf eine Geschichte im „3. Huder Lesebuch“, wo (aufgezeichnet von Rolf Stelljes) von den brutalen Erziehungsmethoden eines „pflichtbewussten“ Huder Gendarms und Nazis zu lesen ist, der schon mal gerne einen wehrlosen Zwangsarbeiter mit seinem Gummiknüppel in aller Öffentlichkeit verprügelte, um „dem Ausländer eine spürbare Lektion zu erteilen, wie er sich in Hitlers Deutschland zu benehmen hat“.
Erinnerung wach halten
Solche Zeiten dürfen nicht wiederkommen, sagt Lutz Walk. Es sei wichtig, die Erinnerung wach zu halten. Er könnte sich zum Beispiel auch ein Schulprojekt vorstellen, das sich mit dem Schicksal der Zwangsarbeiter beschäftigt. Walk regt auch ein Projekt an, zum Beispiel in Zusammenarbeit von Kulturhof und regioVHS, um historische Zusammenhänge vor Ort darzustellen. Am Ende könnte vielleicht ein Flyer herauskommen, auf dem kurz und knapp zum Beispiel die Geschichte hinter dieses besonderen und jetzt wieder in einen würdigen Zustand versetzen Zwangsarbeiter-Grabes in Hude geschildert wird.
Ordentliche Grabstelle
Laut Walk hat der als sehr konservativ bekannte Huder Pastor Claas Hinrich dafür gesorgt, dass das Zwangsarbeiter-Sammelgrab eingerichtet wurde. Weil es dem Pastor, der von 1926 bis 1961 in Hude arbeitete, zuwider war, dass die Zwangsarbeiter, die auch Christen waren, oftmals kein ordentliches Grab bekamen.
So lange sie es können, wollen Lutz und Mechthild Walk jetzt jedenfalls das Grab pflegen und regelmäßig zum Gießen vorbeischauen. „Und wenn wir im Urlaub sind, haben sich schon Freunde bereiterklärt, das zu übernehmen“, sagt Lutz Walk.
