Hude/Hurrel - Die 35-jährige Liudmyla und ihr achtjähriger Sohn Nazar haben es geschafft. Sie sind dem schrecklichen Krieg in der Ukraine entkommen und haben Zuflucht in der Gemeinde Hude gefunden. Die Gedanken sind bei dem Ehemann und Vater. Er hat seine Familie mit dem Auto aus der ukrainischen Millionenstadt Dnipropetrovsk an die Grenze zu Polen gefahren und musste umkehren. Er durfte das Land nicht verlassen.
Zweite Flucht
Für Liudmyla ist es die zweite Flucht, nachdem sie vor Jahren schon mit ihrem Mann vor den Repressionen der Separatisten in Donzek ins Landesinnere floh. In Dnipropetrovsk hatte sich die Familie eine neue Existenz aufgebaut. Er arbeitet in der IT-Branche, sie ist gelernte Steuerberaterin und Kosmetikerin. Nur ein Beispiel von Millionen Menschen, deren Zukunft durch den Krieg zerstört wird.
Liudmyla und Nazar sind mit Helfern aus der Gemeinde Hude nach Deutschland gekommen. Diese hatten eine Hilfslieferung mit Spenden aus der Klostergemeinde in die ukrainische Stadt Sambir hinter der polnischen Grenze gebracht. Drei Frauen aus Charkiw (Tochter, Mutter und die 85-jährige Großmutter) und deren Hund nahmen die Huder ebenfalls mit zurück und brachten sie nach Bremen, von wo sie zu Verwandten nach Düsseldorf weiterreisten.
Die Huder tun nun erst einmal alles, damit Liudmyla und ihr Sohn Nazar sich gut einleben. Kontakte wurden geknüpft, denn Liudmyla möchte so schnell wie möglich Arbeit finden. Wenn alle Formalitäten erledigt sind, kann der achtjährige Nazar vielleicht schon nächste Woche eine Huder Grundschule besuchen. Nachdem die beiden zunächst bei Monika Kallisch eine Unterkunft fanden, steht auf Vermittlung von Peter Katzmarczyk nun eine Wohnung in Hude bereit. Svitlana Wilkens ereilen ständig weitere Hilferufe über ihre ukrainischen Kontakte. Unterkünfte werden gesucht. Ein weiterer Hilfstransport ist geplant. In Kürze soll dafür ein Spendenkonto eingerichtet werden. Familie Wilkens ist zu erreichen unter Tel. 0177/ 2734089.
Es waren noch mehr Plätze in den Fahrzeugen aus Hude auf dem Rückweg frei. „Mehr Flüchtlinge konnten wir aber nicht mitbringen, weil sie von den polnischen Behörden und Soldaten abgeschirmt wurden“, bedauern Udo und Svitlana Wilkens aus Hurrel.
Svitlana Wilkens stammt aus der Ukraine und hatte die private Hilfsaktion und Spendensammlung mit Unterstützung des Huder Apothekers Axel Schwirtz initiiert. Sie ist überwältigt von der großen Hilfsbereitschaft. „Danke an alle“, sagt sie. Die vielen Menschen, die spendeten, die Freunde und Nachbarn, die beim Sortieren und Packen halfen. Die Autohäuser Rüdebusch aus Hude und Lampe aus Berne, die Transporter zur Verfügung stellten.
Spontan mitgefahren
Peter Katzmarczyk aus Hude meldete sich spontan und fuhr mit Pkw und Anhänger mit. Tochter Luybov Wilkens und Boris Rosenberg waren dabei. Am Ende waren es drei Transporter und zwei Pkw (plus Anhänger), die sich auf den Weg gemacht hatten. Ziel war es, die Hilfsgüter nicht vor der polnisch-ukrainischen Grenze abzuladen, sondern direkt zu den Menschen in der Ukraine zu bringen, zu einer Sammelstelle im Ort Sambir.
Svitlana Wilkens gelang es, aufgrund guter Kontakte zur ukrainischen Seite, dass der Hilfskonvoi die polnische Grenze überqueren durfte und am Ende die Spenden aus Hude ihr Ziel in Sambir erreichten, wo sie zur Weiterverteilung ins Landesinnere abgeladen wurden.
Es war eine abenteuerliche Tour, die trotz aller Widrigkeiten erfolgreich verlief. „Man muss einfach helfen“, sagt Svitlana Wilkens angesichts der Bilder aus ihrer Heimat. Sie möchte am liebsten schon morgen wieder losfahren.
