Hundsmühlen - Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht: Mechthild Otting aus Hundsmühlen hat einen großen Garten. Und in dem steht offenbar eine Sensation – oder ist die Erklärung ganz einfach? Pflanzenexperten jedenfalls aus Wardenburg und Dötlingen sind sich einig: Eine Pflaume, an dessen Ast Walnüsse wachsen, kann es nicht geben.
Besondere Entdeckung
Aber von vorn. Die Hundsmühlerin wollte jüngst in ihrem Garten die letzten Pflaumen pflücken. So weit, so normal. Die 80-Jährige lebt seit rund 40 Jahren auf dem Grundstück, die zwei Pflaumenbäume sind etwa 20 Jahre alt. Daneben stehen zwei etwa gleich alte Walnuss-Bäume. „In all den Jahren haben die Pflaumenbäume nie genug Früchte getragen, als dass ich davon mal einen Kuchen hätte backen können“, berichtet Otting mit einem Lachen. Aber sie gab die Hoffnung nie auf und suchte und pflückte und zupfte. Bei ihrem Bemühen in 2021, dem Baum möglichst viele violette Früchte zu entlocken, machte sie eine irritierende Entdeckung. An einem Ast des Pflaumenbaums hingen zwei Walnüsse. Einfach so – zwischen den typischen Pflaumenblättern. „Zuerst dachte ich, dass ich mich versehen habe, ich bin ja nicht mehr die Jüngste“, gibt die 80-Jährige zu, während sie noch einmal unter dem Obstbaum steht und den Zweig in den Händen hält. „Aber nein, ich habe den Ast bis zurück zum Stamm verfolgt. Da hängen wirklich Walnüsse neben Pflaumen.“
Auf Spurensuche
Sie kenne Veredlung von Bäumen, das Aufpfropfen beispielsweise von einer Kultur-Apfelsorte auf einen wilden Apfelbaum. „Aber sowas? Das habe ich noch nie gesehen!“ In ihrem Garten sei „alles nur Natur“. Es werde nicht gedüngt, nichts beschnitten. Der „Misch-Baum“ muss sich also von allein gebildet haben.
Wie das geht? „Eigentlich geht das überhaupt nicht“, konstatiert lachend auf Nachfrage Uta zu Jeddeloh, Baumschulkauffrau von der Baumschule zu Jeddeloh in Wardenburg. „Man kann Walnüsse nicht auf Pflaumen veredeln, weil das verschiedene Familien sind.“ Genau das bestätigt auch Remmer Akkermann von der Biologischen Schutzgemeinschaft Hunte Weser-Ems (BSH) in Wardenburg. „Eine notwendige verwandtschaftliche, also auch zellbiologische Nähe, besteht nicht. Pflaumen (Prunus domestica) sind variantenreich mit vielen abweichenden Merkmalen und unterliegen der Insektenbestäubung, Walnussgewächse werden dagegen windbestäubt.“
Plausible Erklärung
Udo Schachtschneider, Baumexperte aus Dötlingen, spezifiziert noch: „Prunus ist eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Walnüsse hingegen sind Ölgewächse und eine Pflanzengattung aus der Familie der Walnussgewächse (Juglandaceae).“ Eine Verbindung funktioniere deshalb nicht. Schachtschneider vermutet eher, dass ein Trieb der nebenan stehenden Walnuss am Stamm der Pflaume hoch gewachsen sein muss. Jedenfalls ist er sicher: „Es muss einen plausiblen Grund geben. Einfach so können Walnüsse nicht aus Pflaumenbäumen entspringen.“
Dasselbe bestätigt Jürgen Warnken vom Pflanzencenter Warnken in Wardenburg. Uta zu Jeddeloh hat aber noch eine Idee: „Vielleicht hat eine Walnuss in einer Astgabel perfekte Bedingungen vorgefunden. Etwas zersetzte Blätter, also Humus, und Feuchtigkeit und hat sich von dort aus ausgekeimt.“
All das glaubt Mechthild Otting nicht, denn es finden sich keine Triebe an dem Stamm des Pflaumenbaums. „Sei’s drum“, sagt sie, „ich warte das nächste Jahr ab. Vielleicht breitet sich das Phänomen ja in meinem Garten noch aus. Dann ist die Sensation perfekt.“
