Wer sich wie ich für die lokale Politik interessiert, dem ist Carsten Jesußek kein Unbekannter. Gerade als es nach der letzten Kommunalwahl um wichtige Ämter ging, fiel sein Name. Er sieht sich nach eigenen Angaben als „Ansprechpartner für alle Bürger“. In unserem Gespräch erlebe ich nicht nur einen sehr engagierten Kommunalpolitiker, sondern auch einen Menschen, der sich in vielen Ehrenämtern für seine Mitmenschen einsetzt.
Geboren wurde Carsten Jesußek 1968 in Minden, aber schon zwei Jahre später verlegte Familie Jesußek ihren Wohnsitz nach Delmenhorst. Sein Vater Helmut wurde Ein- und Verkaufsleiter beim Pharmazeutika Großhandel RUWA (heute GEHE). Die Schule war für Carsten nicht besonders wichtig. Sobald er aus der Schule kam, wurden die Fußballschuhe angezogen und es ging zum Kicken auf den Metzerplatz. Viele Jahre spielte er beim TV Jahn, später noch beim VfL Stenum. Fußball begleitet ihn bis heute.
Seine zweite Leidenschaft war eher etwas untypisch für Jungen in seinem Alter: Carsten ging gerne Angeln. Seinen größten Fang machte er mit neun Jahren, als er einen circa 50 Meter langen Karpfen an Land ziehen konnte. Das Mittagessen im Hause Jesußek war gerettet. Heute kommt er aber nur noch selten zum Angeln. Da ihm das Arbeiten mit Holz immer sehr viel Spaß gemacht hat, fing er nach dem Schulabschluss 1983 eine Tischlerlehre an. „Ich war zu der Zeit extrem dünn und das Tragen von schweren Möbelstücken fiel mir sehr schwer. Daher habe ich diese Lehre nach kurzer Zeit wieder abgebrochen“, erzählt mir Carsten.
Da in seinem Freundeskreis einige begeisterte Kfz-Mechaniker waren, entschied sich Carsten für diesen Beruf. Noch heute erinnert er sich gerne an seine Ausbildungszeit im Autohaus Schrand. Nach der bestandenen Ausbildungsprüfung ging es 1990 zur Bundeswehr. Carsten Jesußek verpflichtete sich für mehrere Jahre und brachte es bis zum Stabsunteroffizier. Er wäre vielleicht heute noch bei der Bundeswehr, aber Mitte der 90er Jahre bestand für ihn die Möglichkeit, dass er an Einsätzen im Ausland teilnehmen musste. „Ich habe in meinem Eid geschworen Deutschland zu verteidigen. Vor Ort ja, aber nicht im Ausland. Das konnte ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren“, gibt Carsten offen und ehrlich zu.
Ein zweiter Grund für das Ende bei der Bundeswehr war seine Frau Christina, die er 1995 geheiratet hatte. Zwei Jahre später wurde Pia, 2001 die zweite Tochter Anna geboren. Auf seiner Familie ist er sehr stolz, denn sie ist der Rückhalt in seinem Leben. In den letzten Jahren bei der Bundeswehr machte er seinen Realschulabschluss nach und zugleich eine Umschulung zum Kaufmann im Einzelhandel.
Seit mittlerweile 14 Jahren ist er Projektmanager bei einer Firma in Bremen. Fast genau solange wohnt er mit seiner Familie in Schierbrok. Carsten Jesußek hat sich schon immer gerne engagiert und mit angepackt. Vor zehn Jahren hatten Jugendliche an der Grundschule Schierbrok randaliert. Carsten suchte mit ihnen das Gespräch: „Was können wir für Euch tun?“, wollte er wissen. Die Jugendlichen fühlten sich in ihrer Freizeit nirgendwo aufgehoben und so stellte Carsten Jesußek ein Fußball-Projekt auf die Beine. Hierfür opferte er seinen Sommerurlaub. Neben der Schule in Schierbrok entstand ein Bolzplatz. Ein Beachvolleyballfeld kam später hinzu. „Für mich ist das ein selbstverständlicher Beitrag für unsere Jugend.“ Viele weitere Projekte hat Carsten angeschoben oder ist daran beteiligt. So hatte er im vergangenen Jahr die Idee, die Bahnhofsstraße in der Vorweihnachtszeit in eine (Weihnachtsbaum)-Allee zu verwandeln. Laternenpfähle wurden mit Fichten dekoriert, die anschließend geschmückt wurden. „2011 waren es 15 Weihnachtsbäume, in diesem Jahr werden es noch mehr werden“, ist er sicher.
Aktiv ist er auch bei der Ganderkeseer Ausgabestelle der Delmenhorster Tafel, um Bedürftigen zu helfen. Seit kurzem ist er stellvertretender Vorsitzender der CDU in Ganderkesee. Letzteres schien vor einigen Jahren noch undenkbar. 1998 lernte er den Bundestagsabgeordneten Holger Ortel kennen, der ihn ermutigte, für die SPD aktiv zu werden. Gesagt, getan. Gleich bei seinem ersten Versuch schaffte er es mit über 600 Stimmen direkt in den Gemeinderat. Schon ein Jahr später musste er feststellen, dass die SPD-Fraktion in vielen seiner Ansichten anderer Auffassung war. Daher wechselte Carsten Jesußek Ende 2007 zur CDU. „Dieser Schritt ist mir nicht leicht gefallen, aber ich lasse mich nicht verbiegen!“
Bei der letzten Wahl zum Gemeinderat 2011 konnte er seine Stimmenzahl noch einmal steigern. „Für mich ist Bürgernähe zu jeder Zeit und nicht nur vor Wahlen wichtig. Ich sehe mich als Bindeglied zwischen Bürgern und Gemeinderat.“
