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Immer wieder Hoffnung spenden

Lea Bernsmann

Oldenburg/Hude - „Schalt’ mal RTL 2 an. Da läuft jetzt der Trödeltrupp.“ Auf dem großen Bildschirm wühlt sich gerade ein Rentner durch sein Messi-Mekka. Mike Haye lässt sich ins Polster plumpsen. Gleich gibts Schnittchen: mit Schinken und Ei. Danach: Kuchen. „Mein Spezialteller“, sagt er. Die geschmierten Stullen schmecken auch zum 300. Mal. „Allein darum komm’ ich wieder“, sagt er. Dann schiebt die Schwester Nadeln in seine Arme. Erst rechts. Dann links.

Entspannte Ehrensache

Es surrt. Dunkelrot rinnt sein Blut durch die Schläuche. Mike Haye kennt das: Alle zwei Wochen kommt der Huder ins Oldenburger Institut des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und spendet Thrombozyten. „Heute brauchst du 40 Minuten“, sagt die Schwester und guckt auf den Bildschirm – den kleinen, wo kein Trödeltrupp unterwegs ist, sondern Zahlen in hübsch geordneten Kästen aufploppen und anzeigen, wie viel Milliliter Blut durch die Zentrifuge neben der gepolsterten Liege laufen. Was Krebspatienten und Säuglinge nicht brauchen, bekommt Mike Haye zurück.

Während die Maschine Thrombozyten aus dem Blut des 26-Jährigen filtert, schaut er meistens TV-Sendungen, plaudert mit der Schwester, manchmal nutzt er die Zeit für ein Nickerchen. „Wenn ich Nachtschicht hatte, schlafe ich ein“, sagt der Huder.

Heute nicht. Heute gibts was zu feiern: die 300. Thrombozytenspende fließt aus seinen Venen. Auf ihn wartet ein Präsentkorb – samt Urkunde. Und eine Anstecknadel. Noch eine. „Davon habe ich die ganze Schublade voll“, sagt Mike Haye und guckt auf den Fernseher. Die Maschine piept. Er knetet das Gummiherz in seiner Rechten: „Pumpen, damits läuft – dass ist wie wenn man an einem Strohhalm saugt und es kommt kein Saft durch“, sagt er.

Helfen als Hobby

Selbstverständlich ist das Ganze für den 26-Jährigen längst. Wichtig nur für andere. „Die, die es brauchen, sollen mein Blut bekommen“, sagt er. „Wer, ist egal. Darüber denke ich nicht nach.“ Versorgt mit Mike Hayes Thrombozyten werden Menschen im gesamten Nordwesten. Die meisten Spender kommen, wie er, regelmäßig ins Oldenburger Institut neben dem Kreyenbrücker Klinikum. „Gebrauchen können wir aber immer noch mehr Freiwillige“, sagt die Schwester und wirft einen Blick auf den Monitor: Läuft alles.

Wenn Mike Haye nicht Trödeltrupp-guckend mit Kanülen im Arm hier sitzt, arbeitet er als Fleischer bei Rügenwalder oder ist im Einsatz für die Freiwillige Feuerwehr in Wüsting. Ein bisschen Zeit bleibt noch für Sport – und natürlich die Freundin, mit der er später die Leckereien aus dem Präsentkorb vernaschen wird. Nachschub gibt es bestimmt: „Bis 69 kann man spenden – so lange will ich das machen“, sagt er und rechnet aus, dass er dann, am Ende, 1000 Mal mit seinen Thrombozyten helfen könnte.

Vollgas hat der Huder mit knapp 20 gegeben. Angefangen hat alles mit den ersten Fahrstunden: „Wenn ich den Führerschein bestehe, geh’ ich zur Blutspende, hab’ ich zu meiner Mutter gesagt. Ich hab’ bestanden – und dann musste ich Blut spenden. Ganz einfach“, sagt er. „Jetzt ist das mein Hobby.“

Wenn die Schwester später Nadeln aus Mike Hayes Armen zieht und mit Pflastern verklebt, sind seine vernarbten Venen nicht zu sehen. Er selbst nimmt sie ohnehin nicht mehr wahr: „Das gehört zu mir – und ist für’n guten Zweck“, sagt er. Dann schwelgt er in Vorfreude auf seinen Schnittchenteller. Geld verdienen Blutspender nicht. Anerkennung schon. Mike Hayes Kumpel wissen, wo er alle zwei Wochen nach Feierabend Fernsehen guckt – begleitet hat ihn noch keiner von ihnen. Egal. Dann hat er die fürsorglichen Schwestern ganz für sich alleine.

Fortsetzung folgt

Manchmal juckt die Nase während sein Blut in die Zentrifuge geschleust wird, dann muss eine Schwester kommen und kratzen. Es gibt Schlimmeres. Er schielt auf den ratternden Monitor, blickt zum Fernseher, wo der vertrödelte Rentner sein Messi-Mekka gewinnbringend beseitigt hat: Mission erfüllt.

Mike Haye wird noch weiter gebraucht: Übernächste Woche, kommenden Monat – immer wieder wird er Leben retten und Schnittchen essen. Gründe gibt es genug.

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