Ganderkesee - Wer auf Pflege angewiesen ist, möchte jederzeit schnell Unterstützung erhalten können – gleichzeitig aber sein selbstbestimmtes Leben nicht gänzlich aufgeben. Dass er eine Wunsch den anderen nicht ausschließt, beweist eine Wohnform, die in Ganderkesee seit mehreren Jahren praktiziert wird: ambulant betreute Pflege in Wohngemeinschaften.

„Haus Fehmarn“ und „Haus Helgoland“ heißen die beiden Intensivpflege-WGs, die im Januar vom Ebereschenweg in einen Neubau auf dem Gelände des Wohnparks am Fuchsberg umgezogen sind. Von Pflegeheim-Atmosphäre ist in den lichtdurchfluteten und farbenfroh ausgestatten Räumen wenig zu spüren. „Das Konzept ,Warm, sauber, satt’ hat ausgedient“, ist Pflegedienstleiter Christian Migge überzeugt.

Wer wird in den Wohngemeinschaften betreut

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Bis zu zwölf Patienten kann jede der beiden Intensivpflege-WGs aufnehmen. Ein Großteil ist beatmungspflichtig. Viele der Bewohner sind an COPD erkrankt oder haben mit schwerwiegenden Unfallfolgen zu kämpfen. Die Altersspanne reiche von Ende 40 bis in die 80er, berichtet Stefanie Kramer, ebenfalls Pflegedienstleiterin.

Tag der offenen Tür am 2. September – Anmeldung erforderlich

Seit 2016 bietet der Bremer Pflegedienst Adlatus in Ganderkesee Menschen, die auf 24-Stunden-Pflege angewiesen sind, in Ganderkesee die Möglichkeit, in Wohngemeinschaften zu leben. Seit dem 1. Januar 2019 gehört das Unternehmen zur Bonitas Holding mit Sitz in Herford, unter deren Dach zahlreiche Pflegedienste vereint sind.

Bis Mitte Januar dieses Jahres betrieb Adlatus zwei Intensivpflege-Wohngemeinschaften am Ebereschenweg in Ganderkesee, dann zogen die Wohngemeinschaften „Haus Fehmarn“ und „Haus Helgoland“ auf das Gelände des Wohnparks am Fuchsberg in einen Neubau an der Adelheider Straße 15.

Im Oktober werden am gleichen Standort zwei weitere Wohngemeinschaften mit ebenfalls je zwölf Plätzen eröffnet: Beim „Haus Theo“ und „Haus Kuno“ handelt es sich um ambulant betreute Pflege-WGs, in denen Menschen mit Hilfebedarf die nötige Unterstützung erhalten.

Am Mittwoch, 2. September, haben Interessierte Gelegenheit, sich bei einem Tag der offenen Tür ein Bild vom neuen Pflege- und Wohnkonzept in Ganderkesee zu machen. Nicht nur zukünftige Bewohner und Angehörige sind dann willkommen, sich die Räume anzusehen, sondern auch Pflegefachkräfte und Reinigungskräfte, die sich für eine Tätigkeit dort interessieren. Wegen der Corona-Schutzmaßnahmen ist vorab eine Anmeldung unter t   04222/94 77 22 50 erforderlich.

Im Oktober wird Adlatus in Ganderkesee zwei weitere Wohngemeinschaften mit je zwölf Plätzen eröffnen: für Menschen mit Hilfebedarf, also einem Pflegegrad, die aber keine Intensivpflege benötigen. „Haus Kuno“ und „Haus Theo“ werden derzeit im Erdgeschoss, direkt unter den bereits bestehenden WGs, eingerichtet. Auch der weitläufige Garten werde noch nach dem Konzept der Trägergesellschaft umgestaltet, erklärt Christian Migge – „das Motto ist: ,Alles blüht’“.

Wie ist die Betreuung der Bewohner geregelt

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57 Adlatus-Mitarbeiter betreuen die beiden Intensivpflege-WGs umschichtig rund um die Uhr; 19 zusätzliche Vollzeitstellen entstehen in den Pflege-WGs. Die Stellen für Pflegehelfer und in der Hauswirtschaft seien allein durch Empfehlungen schnell besetzt gewesen, berichtet Christian Migge. Bedarf bestehe noch an Pflegefachkräften und Reinigungspersonal.

Während in den Intensivpflege-WGs jede Fachkraft für drei Patienten verantwortlich ist, beträgt der Schlüssel in den Pflege-WGs 1:6. Obwohl eine 24-Stunden-Betreuung gewährleistet ist, wird über Kranken- und Pflegekassen eine ambulante Pflege abgerechnet. Seine Wohnung – vier unterschiedliche Größen stehen zur Wahl – mietet jeder Bewohner selbst an, hinzu kommt eine monatliche Pauschale für Wäsche und Essen.

Was unterscheidet die WGs vom Pflegeheim

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„Jeder Patient soll seinen Wünschen und Bedürfnissen entsprechend versorgt werden“, beschreibt Christian Migge das Konzept. Dazu gehöre, dass jeder Bewohner nicht nur seinen eigenen Hausstand mitbringe, sondern auch dann aufstehe, zu Bett gehe oder Körperpflege erhalte, wenn er es möchte. Auch Besuch könne – aktuell entsprechend der Corona-Schutzmaßnahmen – jederzeit empfangen werden.

„Uns ist wichtig, dass sich die Bewohner hier zuhause fühlen“, ergänzt Stefanie Kramer. Dazu gehöre auch, in der Gemeinschaftsküche oder im Garten helfen zu dürfen, wenn gewünscht.

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie aus

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In der Hochphase der Pandemie durften fast drei Monate lang keine Besucher ins Haus kommen. Zumindest Sichtkontakt war aber möglich: „Einige Bewohner haben über die Balkone mit ihren Partnern kommuniziert“, berichtet Christian Migge. Die strikten Maßnahmen seien aber bei allen auf Verständnis gestoßen. „Inzwischen sind Besuche mit telefonischer Anmeldung ohne Zeitbegrenzung wieder möglich.“

Karoline Schulz
Karoline Schulz Redaktion Ganderkesee