Am 31. Oktober endet die Amtszeit von Herwig Wöbse als Bürgermeister der Samtgemeinde Harpstedt. Nach sieben Jahren übergibt er dann die Aufgaben an seinen Nachfolger Yves Nagel. Wie fühlt sich der 55-Jährige bei diesem Gedanken? Ein Gespräch.

Herr Wöbse, wie fühlen Sie sich aktuell?

WöbseVorherrschend ist noch immer eine gewisse Wehmut. Ich habe das Amt immer mit großer Überzeugung und Motivation ausgeübt und hätte es gern weitere fünf Jahre nach bestem Wissen und Gewissen ausgefüllt. Mittlerweile habe ich mich auf die Situation eingestellt. Für mich zählt der Wählerwille – und die Wähler haben sich mehrheitlich für meinen Mitbewerber entschieden. Ich blicke bereits dankbar zurück. Das Amt sieben Jahre ausfüllen zu dürfen, ist mir eine Ehre gewesen.

Jetzt bin ich dabei, aufzuräumen und eine saubere Übergabe vorzubereiten. Die verbleibende, kurze Zeit wird sicher wie im Fluge vergehen.

Denken Sie bereits an die Zeit danach?

WöbseAb November möchte ich zur Ruhe kommen und erst einmal Abstand gewinnen. Wenn eine Amtszeit zu Ende geht, ist eine gewisse Zurückhaltung stimmiger. Es gibt dann einen neuen Rat und einen neuen Bürgermeister, die dann am Zuge sind. Generell werden viele Kontakte, etwa mit Mitarbeitern, nicht mehr stattfinden. Das ist ein ziemlich großer Bruch. Aber diese Herausforderung hat jeder, der seine Arbeit wechselt.

Zur Person

Herwig Wöbse, 55 Jahre, lebt in Harpstedt. Der CDU-Politiker scheidet am 31. Oktober aus dem Amt des Bürgermeisters der Samtgemeinde Harpstedt aus. Dieses hatte er bei der letzten Wahl vor sieben Jahren in der Stichwahl mit 64,2 Prozent (2651 Stimmen) gegen Klaus Budzin (SPD, 35,8 Prozent/1425 Stimmen) erreicht. Damals waren fünf Kandidaten angetreten.

Neuer Bürgermeister der Samtgemeinde Harpstedt ist ab 1. November Yves Nagel. Der von Grünen und SPD unterstützte parteilose Politiker hatte sich am 12. September mit 51,28 Prozent gegen Wöbse (48,72) durchgesetzt.

Sie sprachen neulich von „persönlichen Freiheiten“, die Sie nun wieder mehr hätten. Was meinen Sie damit?

WöbseWenn man Bürgermeister ist, arbeitet man nicht nur 40 Stunden pro Woche, sondern deutlich mehr. Termine finden oft abends oder am Wochenende statt. Künftig wird es wieder deutlich mehr Luft geben für private Kontakte, die Pflege von Freundschaften, für Familie, Hobbys und andere Dinge. Mit Sicherheit werde ich mich wieder mehr sportlich betätigen – auch das ist zu kurz gekommen. Auch meine ehrenamtlichen Tätigkeiten werden wieder zunehmen.

Haben Sie bereits Zukunftspläne?

WöbseDas lasse ich erst einmal auf mich zukommen. Im Moment stecke ich noch tief in der täglichen Arbeit, da habe ich noch keinen Kopf für derartige Überlegungen. Und es drängt nichts. Nach sieben Jahren im Amt folgt nun eine innere Einkehr und Neuorientierung. Diese Zeit und Ruhe zu haben, wird bestimmt eine angenehme Erfahrung.

Worauf sind Sie in Ihrer Amtszeit stolz?

WöbseEin Beispiel ist die Bewältigung der Flüchtlingskrise. Damals hat sich viel ehrenamtliches Engagement von ganz allein gefunden. Als Gemeinschaftsaufgabe haben wir alle – Ehrenamtliche, Kirche, Gemeinde, Vereine und auch Landkreis – das gut begleitet. Nur selten kann man allein etwas erreichen, sondern braucht immer das Zusammenspiel aller Beteiligten. Ein persönliches Steckenpferd ist der Breitbandausbau gewesen, den ich als Mittler intensiv begleitet und vorangebracht habe. Aber auch für Familien und Kinder gibt es hier viele gute Angebote mit 110 neuen Betreuungsplätzen, Ausbau der Digitalisierung der Grund- und Oberschule und auch der Jugendpflege. Wir haben hier gute Wohn- und Lebensverhältnisse – das freut mich.

Was hat Sie überrascht?

WöbseMein Blick auf die Verwaltung hat sich geändert. Manchmal fragt man sich als Außenstehender, warum ein Ablauf so lange dauert und manches nicht so umsetzbar ist, wie gern gewünscht. Es wird teilweise unterstellt, langsam oder unflexibel zu sein. Doch für viele Verzögerungen gibt es einen Grund. Anfangs hätte ich auch lieber mehr Einzelfallentscheidungen getroffen, aber die Mitarbeiter brauchen eine klare Linie, um objektiv und sachgerecht entscheiden zu können.

Gibt es eine Entscheidung, die Sie heute anders treffen würden?

WöbseDie großen Entscheidungen würde ich genauso wieder treffen, wie ich sie getroffen habe. Bei kleineren Dingen hätte ich das ein oder andere Mal anders handeln können. Vom Naturell her blicke ich aber nicht nach hinten, sondern lerne aus den Erfahrungen für künftige Entscheidungen.

Wird es Ihnen schwerfallen, loszulassen?

WöbseIch werde sicher bis zum letzten Wochenende im Oktober noch vor Ort sein, um alles sauber zu hinterlassen und die letzten persönlichen Gegenstände mitzunehmen. Das war bei meinem Vorgänger auch so, dass sich das bis zum letzten Tag hinzieht.