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Metropolregion wie Tiefwasserhafen bergen Chancen für die Region. Das meinte Henning Scherf, langjähriger Bremer Bürgermeister, beim Besuch in Ganderkesee.
Von Markus minten
Frage:
Herr Scherf, Sie gelten als Streiter für die Metropolregion Oldenburg/Bremen. Was können Gemeinden wie Ganderkesee davon erwarten?
Scherf:
Die Metropolregion ist eine gemeinsame Perspektive, auch wenn man in Ganderkesee nicht sofort auf die Idee kommt, die Gemeinde könnte eine Metropole sein. Im Gegensatz zu anderen Metropolen gibt es hier ein reizvolles Neben- und Miteinander von Stadt und Land.
Es muss gelingen, gegenwärtige Strukturen zu verstärken, damit die Menschen merken, dass es viel Platz zum Siedeln gibt, Leute, die Arbeit suchen und eine richtig klasse Ausbildung haben, nicht nur an Universitäten und Fachhochschulen.
Frage:
Mit welchem Pfund können Kommunen im Landkreis Oldenburg innerhalb einer Metropolregion wuchern?
Scherf:
Das verbesserte Infrastrukturnetz ist eine große Stärke. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass ich heute mit der Nordwestbahn gekommen bin. Mit der Metropolregion können wir Menschen anlocken: Die können in Ganderkesee wohnen, in Oldenburg ins Horst-Janssen-Museum gehen und in Bremen Werder-Spiele gucken. Das ist doch viel reizvoller als immer nur zu sagen „bei uns“.
Frage:
Es kann für die Kommunen aber nicht ausreichen, dass die Menschen dort nur wohnen und in den Zentren arbeiten.
Scherf:
Jeder muss sich neu aufstellen und sich fragen, was kann ich dazu beitragen. Nur wohnen reicht sicher nicht. Die Kommunen müssen eigene Beschäftiger, eigene Ausbilder locken. Sie müssen eigene Schwerpunkte setzen. Wir müssen den Menschen klar machen: „Ihr lebt nicht am Rande, Ihr lebt in der Mitte.“
Frage:
Je weiter man sich von Bremen entfernt, desto weniger können die Menschen mit einer Metropolregion etwas anfangen. Wie kann man die Sache Bürgern in Großenkneten und Wildeshausen schmackhaft machen?
Scherf:
Wenn es eine solche Zweisichtlage gibt, muss man für beide Antworten finden. Das Interesse der Menschen ist immer Ausschlag gebend. Da muss der Landkreis Oldenburg den Spagat zu beiden Seiten intelligent hinkriegen.
Frage:
Auch der Tiefwasserhafen liegt Ihnen sehr am Herzen. Wie kann Ganderkesee vom weit entfernten Standort Wilhelmshaven profitieren?
Scherf:
Da müssen wir gucken, wie der Hafen Rotterdam aufgebaut ist. Dessen Ausdehnung ist größer als die Entfernung von Wilhelmshaven nach Bremen oder Ganderkesee. Da hat sich eine fantastische Infrastruktur entwickelt. Große und mittelständische Firmen haben Lager und Distributionszentren aufgebaut. In denen wird mehr Wert geschöpft als beim Umschlag im Hafen selber.