Am Dienstag wird in den USA ein neuer Präsident gewählt. DeAndre Pendergrass ist Amerikaner – aber auch froh, jetzt in Deutschland zu sein. Der 25-Jährige aus Philadelphia lernte in seiner Heimatstadt die Ganderkeseerin Pia Jesußek kennen, die dort als Au-Pair arbeitete, und siedelte mit ihr im August nach Schierbrok über. Mittlerweile ist das junge Paar verheiratet.

Haben Sie schon gewählt?

PendergrassJa.

Trump oder Biden?

PendergrassBiden.

Sie sind jetzt seit gut zwei Monaten in Deutschland. Empfinden Sie mit Blick auf die Lage in den USA auch so etwas wie Erleichterung darüber?

PendergrassJa, ich fühle mich wirklich sehr erleichtert – bei all dem, was in Amerika gerade los ist, fühlt man sich dort nicht mehr sicher. Erst recht nicht als schwarzer Mann.

Sie kommen aus Philadelphia, der Stadt der Unabhängigkeitserklärung. Denken die Menschen dort liberaler als in anderen Regionen?

PendergrassNein, Rassismus ist in den USA überall vertreten. Leider ist es nicht so, dass Philadelphia wegen der Unabhängigkeitserklärung weniger rassistische Menschen hat als andere Städte.

Rassismus, Hass, gesellschaftliche Spaltung: Woran liegt es, dass sich die Dinge in den USA so entwickelt haben?

PendergrassDas ist ja kein neues Phänomen. Das geht schon seit Hunderten von Jahren so. Nur jetzt, mit den neuen Medien und den sozialen Netzwerken, wird es vielschneller und weiter verbreitet. Die Leute können das alles einfacher sehen – und viele glauben es dann.

Welchen Stellenwert hat diese Wahl für die USA?

PendergrassEinen sehr hohen. Einmal wegen der Personen: Biden oder Trump. Aber auch generell: Menschen müssen Wahlen wieder mehr ernst nehmen, egal um welche Wahlen es sich handelt, ob es große oder kleine Wahlen sind. Weil jede Wahl etwas ausmacht, und wenn nicht für einen persönlich, dann aber für andere Leute, für neue Generationen, für die Zukunft.

Haben Sie Hoffnung, dass die politischen Lager und die zerstrittenen Teile der Gesellschaft nach der Wahl wieder aufeinander zugehen?

PendergrassNein, ich glaube nicht, dass es danach wieder besser werden wird. Es ist zu befürchten, dass die Spaltung eher noch stärker wird – egal wer gewinnt. Weil die Follower von Trump sauer sein werden, wenn er verliert, und die Anhänger von Biden sind sauer, wenn Trump wiedergewählt wird.

Wird Trump eine Niederlage akzeptieren?

PendergrassEr hat gar keine andere Wahl, als es hinzunehmen. Aber er wird die Schuld dafür bei anderen suchen.

Was erwarten Sie, wenn Biden gewinnt?

PendergrassIch denke, dass er Schritte in die richtige Richtung gehen wird, um wieder mehr Gleichheit zu schaffen für Frauen, Männer, Religion, Hautfarbe, Herkunft. Ich erwarte ja nicht, dass sich alles direkt auf den Punkt verändert. Ich hoffe aber, dass ein Prozess in Gang kommt, der das Image der Vereinigten Staaten wieder verbessert. Trump hat es ruiniert.

In einem Jahr finden in Deutschland Bundestags- und in Ganderkesee Kommunalwahlen statt. Würden Sie gern hier wählen?

PendergrassJa, ich wohne jetzt hier und würde dann schon gerne wählen dürfen.

Ihr Schwiegervater Carsten Jesußek ist Kommunalpolitiker: Haben Sie sich mit ihm schon über das politische System hierzulande unterhalten?

PendergrassJa, ein bisschen. Nur war es noch schwer für mich, die Zusammenhänge zu verstehen. Aber ich bleibe am Ball, das interessiert mich schon sehr.

Möchten Sie irgendwann zurück in die USA?

PendergrassSo wie es momentan aussieht: Nein!

Hergen Schelling
Hergen Schelling Redaktion für den Landkreis Oldenburg (Leitung)