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Jobcenter-Projekt in Sandkrug Werkstatt für Langzeitarbeitslose eine Erfolgsgeschichte

Robin Hurka (hinten, Mitte) und sein Team tüfteln aktuell am Bau von Weihnachtskrippen herum. Vor der Kreuzkirche steht bereits der Beweis, was sie alles können.

Robin Hurka (hinten, Mitte) und sein Team tüfteln aktuell am Bau von Weihnachtskrippen herum. Vor der Kreuzkirche steht bereits der Beweis, was sie alles können.

Werner Fademrecht

Sandkrug - Die Schublade wird lang und immer länger. Nicht ohne Stolz präsentiert Uwe Weinrich, was das Lager des Werkstattprojektes Sandkrug so zu bieten hat – unter anderem einen Schrank mit unendlich vielen Schubladen, den Apotheker Norbert Tenkhoff der Einrichtung überlassen hat. Nur, dass jetzt statt Medikamenten Schrauben und anderes Baumaterial hier ordentlich sortiert liegen.

Weinrich ist Vorarbeiter der Holzwerkstatt, die zu einem der Schwerpunkte des von der Ländlichen Erwachsenenbildung betreuten Projektes gehört. Die im nächsten Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feiernde Einrichtung an der Bümmersteder Straße in Sandkrug bietet aktuell für 40 Menschen sogenannte „Arbeitsgelegenheiten“, AGH wie es im Behördensprachgebrauch heißt. Gefördert wird das Ganze durch das Jobcenter des Landkreises. Ziel ist es, Menschen nach vielen Jahren der Arbeitslosigkeit wieder an ein geregeltes Berufsleben heranzuführen.

Letztes Projekt

Ursprünglich gab es mal drei AGH-Projekte im Landkreis, mittlerweile ist die Sandkruger Werkstatt noch das einzige verbliebene. Die Warteliste ist lang, wie auch die Gründe für lange Arbeitslosigkeit: lange Krankheit, Traumata oder auch Migration. Mindestens sechs Monate, maximal drei Jahre bleiben die Menschen hier. „Wir sind sehr froh, dass es die Werkstatt gibt und wie gut die Arbeit im Ort integriert ist“, sagt Anke Thies, Projektleiterin beim Jobcenter. Da ist zum Beispiel die Fahrradwerkstatt, in der Patricia Schurmann anleitet. Gemeinsam mit Andreas Dansel und ein paar weiteren Männern schraubt sie so lange, bis aus alten Fundrädern und Spenden wieder richtig gute, verkehrstüchtige Fahrräder werden.

60 Tonnen Kleidung

Für die Weißrusslandhilfe der Malteser sind im vergangenen Jahr allein 60 Tonnen an Kleidung sortiert und verpackt worden. Die Nähwerkstatt unterstützt die Wardenburger Speisekammer mit dem Herstellen von Einkaufsbeuteln. In der Metallwerkstatt kümmern sich die Mitarbeiter z. B. um schwere Haushaltsgeräte, die bei Wohnungsauflösungen übrigbleiben. Was nicht repariert werden kann, wird zerlegt und weiterverkauft.

Adventsbasar

Am Samstag, 19. November, laden die Mitarbeiter und Teilnehmer des Sandkruger Werkstattprojektes alle Menschen zu einem Adventsbasar ein. Von 11 bis 16 Uhr gibt es Kaffee, Tee, Kuchen und Bratwürste. Angeboten werden auf dem Grundstück an der Bümmersteder Straße 39 viele selbstgebaute Dinge: Vogelkästen, Futterhäuser, Weihnachtswichtel, Advents- und Weihnachtsdekorationen.

Die Holzwerkstatt hatte erst vor kurzem die Chance, ihr Können öffentlich unter Beweis zu stellen. Anleiter Robin Hurka zimmerte mit seinem Team ein neues 3,5 Meter großes Kreuz für die evangelische Kirche an der Bahnhofstraße in Sandkrug. Zurzeit sägen, hämmern und kleben die Männer an kleineren Werkstücken. Für den Adventsbasar der AGH-Werkstatt im November läuft die Krippenmanufaktur auf Hochtouren. Das gleiche Ziel hat auch die „Kreativabteilung“ eine Etage darüber vor Augen. „Hier probieren wir einfach mal Dinge aus“, sagt die stellvertretende Projektleiterin Carola Hilbers (LEB). Radfelgen, die zu schicken Adventskränzen umgestaltet werden, oder auch beleuchtete Gläser mit weihnachtlichen Dekorationen stehen für den Basar bereit.

Erst Schutt, jetzt Garten

Sämtliche Abteilungen sind in einer alten Kfz-Werkstatt an der Bümmersteder Straße, direkt neben der Raiffeisen-Warengenossenschaft untergebracht. Doch daran erinnert nur noch der alte, verschlossene Schacht im Hallenboden. Es ist beeindruckend, was Teilnehmer des Projektes hier in den zurückliegenden Jahren in viel Eigenarbeit erbaut haben. Zwei Holztreppen führen in ein nachträglich errichtetes Obergeschoss, das u. a. Platz für Büros, Lager und Werkräume bieten. Die größte Veränderung entdecken Besucher allerdings hinter der Halle. Dort, wo vor Jahren nur ein großer Schuttberg lag, blühen mittlerweile Blumen, wachsen Kräuter, Kartoffeln, Erdbeeren und Tomaten, tummeln sich Goldfische in einem kleinen Teich. „Heavensplace“ steht auf einem großen Holzschild. Ein himmlischer Platz? Der Name könnte passen.

Werner Fademrecht
Werner Fademrecht Redaktion Hatten
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