Ahlhorn - „Es war unser großer Traum“, sagen Rüdiger und Brigitte Abend. Sie haben ihn in die Tat umgesetzt. Doch nach vier Jahren schließt das Ehepaar am Jahresende das Kasinowald-Café in Ahlhorn. Durch die Corona-Pandemie seien die Umsätze derart stark zurückgegangen, dass das Café nicht mehr rentabel zu führen sei. Ihr Mietvertrag läuft noch bis März.
Und dann kam Corona
79 Plätze gibt es im 250 Quadratmeter großen Café im einstigen Offizierskasino der Bundeswehr, das unter Denkmalschutz steht. Weitere 80 Plätze befinden sich draußen auf zwei Terrassen. „Im ersten Jahr haben wir unser Café bekannt gemacht“, sagt Rüdiger Abend. Viele Gäste seien aus Vechta, Emstek und Cloppenburg gekommen; denn das Kasinowald-Café sei ein Ausflugslokal, das man bewusst ansteuere.
„Im April 2020 war unser Auftragsbuch voll. Doch dann schlug das Coronavirus zu und es hagelte eine Absage nach der anderen“, erklärt der 59-jährige Gastronom. Durch die Lockdowns sei eine Planung kaum noch möglich gewesen. Der gelernte Bäckermeister kreierte weniger Torten, seine Frau, eine gelernte Bäckereifachverkäuferin, reduzierte den Umfang des sonntäglichen Frühstücksbüfetts. „Die Corona-Zeit hat uns zermürbt“, gesteht die 59-Jährige.
Nachfolger gesucht
Ohne die Pandemie wäre es anders gelaufen, ist sie überzeugt. Gern hätten sie mit dem Café ihre Zukunft gestaltet. „Ich bin gern mit Menschen zusammen und freue mich, wenn die Gäste gut gelaunt sind und zufrieden das Haus verlassen“, sagt Brigitte Abend. Doch auch jetzt, wo Corona quasi zu Ende ist, gehe es nicht wieder aufwärts. Selbst Stammgäste, die anfangs regelmäßig ins Café gekommen seien, würden nicht wiederkommen. Dazu zählten unter anderem Karten- und Knobelgruppen. Die Corona-Pandemie habe viel Menschen verunsichert, glaubt Brigitte Abend. Zudem sei klar, dass die Bürger angesichts der Energiekrise mit den gestiegenen Kosten jeden Euro zweimal umdrehen müssten.
Wie die Zukunft des Ehepaares Abend aussieht, steht in den Sternen. Zunächst wird ein Nachfolger für das Café gesucht. Wie Wilfried Müller als Eigentümer der Immobilie bestätigt, soll im ehemaligen Offizierskasino auch in Zukunft ein Café betrieben werden. Brigitte und Rüdiger Abend würden gern ihre Café-Einrichtung sowie die Terrassenbestuhlung an den künftigen Betreiber weitergeben.
Eigentümer dementiert
Dass das gesamte Gebäude zum Verkauf steht, dementiert Wilfried Müller. Er habe keinen Auftrag erteilt. Bei Ebay-Kleinanzeigen inseriert eine Immobilienfirma das Gebäude, in dem es auch zwölf Wohnungen gibt, für knapp drei Millionen Euro. Das Offizierskasino der kaiserlichen Marine des Luftschiffhafens Ahlhorn wurde 1916 gebaut. Im Laufe der Jahrzehnte wurde das Gebäude unter anderem als Lungenheilstätte, Altenheim oder auch als Gästehaus genutzt. Rund um das Offizierskasino ist der Wohnpark am Kasinowald entstanden.
