Wildeshausen - Den Druck von 20 Milliarden Mark hat der Wildeshauser Stadtrat im August 1923 beschlossen – und die Scheine schafften es tatsächlich in Umlauf. Der Wildeshauser Wolfgang Brandt hat einige der sogenannten Kassenscheine in seiner Sammlung. Die vier Scheine hatten damals den Wert von einer, zwei, fünf und zehn Millionen Mark – heutzutage werden sie unter Sammlern durchaus mit 150 Euro pro Satz gehandelt.
Kassenscheine der Stadt
Die Wildeshauser Kassenscheine wurden 1923 aufgrund der Hyperinflation in Umlauf gebracht.
„Die Scheine weisen jeweils oben rechts eine fortlaufende Nummer auf und tragen unten rechts die Unterschrift des damaligen Bürgermeisters Heinrich Wördemann“, so Brandt. Als auffällig bezeichnet der 77-Jährige die Tatsache, dass die durchlaufende Nummer der Fünf- und Zehn-Millionen-Mark-Scheine im dreistelligen Bereich liegt, bei den kleineren Scheinen liegt sie im Tausender-Bereich. So hat der Wildeshauser beispielsweise einen Zwei-Millionen-Mark-Schein mit der Nummer 3152 in seinem Besitz. „Von den kleineren Scheinen wurden einfach mehr gedruckt“, schlussfolgert Brandt.
Gemeinsam haben alle Scheine den Hintergrund: die Silhouette der Wildeshauser Burg – je nach Schein in anderen Farben. „Linksseitig befindet sich unter der Wertangabe ein Prägesiegel mit der umlaufenden Aufschrift ‚Stadtmagistrat Wildeshausen’ und dem Wildeshauser Wappen“, nennt der Sammler weitere Details. Weitere Besonderheit der Kassenscheine, die im Jahr 1923 für wenige Monate im Umlauf waren, ist der aufgedruckte Satz „Der Tag der Einlösung wird öffentlich bekannt gemacht“. Während die Vorderseite recht aufwendig gestaltet wurde, ist die Rückseite blank.
Notgeld „Stegemanns Hotel“
Das Stegemann-Notgeld: Einzulösen war es ausschließlich in Stegemanns Hotel an der Wildeshauser Westerstraße.
Neben den Kassenscheine gab es 1923 in Wildeshausen auch das sogenannte „Stegemann-Notgeld“ – einzulösen in „Stegemanns Hotel“ an der Westerstraße. „Für sein Geld hat Karl Stegemann auch reichlich Reklame gemacht“, weiß Brandt aus alten Zeitungsausschnitten. Die komplette Serie besteht aus sechs Scheinen: 25, zweimal 50 und 75 Pfennig sowie eine und anderthalb Mark. Gehandelt wird sie aktuell für bis zu 130 Euro. Zwei Scheine zeigen den Visbeker Bräutigam und den Heidenopfertisch, drei Scheine haben Stegemanns Hotel, das Rathaus und die Alexanderkirche als Motiv und ein etwas größerer Schein zeigt das Bild des Tambourmajors der Schützengilde. Auf allen Scheinen befinden sich außerdem plattdeutsche Sprüche.
Auf den Rückseiten der Stegemann-Scheine ist einheitlich Wittekind zu sehen sowie die Stadtansicht vom Huntetal. „Als Hinweis ist auf dem rechten Rand hochkant geschrieben: Nur für Stegemanns Hotelräume gültig – ungültig einen Monat nach öffentlicher Bekanntgabe“, beschreibt Brandt, der sich über weitere Kassenscheine, alte Ansichtskarten oder alte Briefmarken freut. „Ich habe auch Briefmarken aus der Zeit von 1923 – da kostete das Briefporto auch mehrere Millionen Mark“, so der Wildeshauser.
