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Kinderschützenfest in Wildeshausen Mädchen sollen mitschießen dürfen – Vier junge Frauen setzen sich dafür ein

Setzen sich dafür ein, dass auch Mädchen beim Kinderschützenfest der Gilde in Wildeshausen mitschießen dürfen: (von links) Mirja Stöver (19), Josephine Kramer (18), Amelie Hartwigsen und Emma Beckmann (18).

Setzen sich dafür ein, dass auch Mädchen beim Kinderschützenfest der Gilde in Wildeshausen mitschießen dürfen: (von links) Mirja Stöver (19), Josephine Kramer (18), Amelie Hartwigsen und Emma Beckmann (18).

Verena Sieling

Wildeshausen - „Man steht mit Freundinnen hinterm Zaun, guckt zu und denkt nicht drüber nach.“ Mittlerweile ist Emma Beckmann 18 Jahre alt und fragt sich: Warum dürfen Mädchen beim Kinderschützenfest in Wildeshausen, das im Rahmen des Gildefests gefeiert wird, nicht mitschießen? Ihren Freundinnen Josephine Kramer (18), Amelie Hartwigsen und Mirja Stöver (beide 19) geht es genauso. Gemeinsam setzen sie sich dafür ein, dass nicht nur Jungen zwischen zehn und 14 Jahren, sondern auch Mädchen im gleichen Alter mit der Armbrust auf den Papagoy schießen dürfen.

„Viel Mühe reingesteckt“

Den Anstoß hat Kramer vor zwei Jahren während ihrer Arbeit als Streitschlichterin am Gymnasium bekommen. „Ich habe mit Mädels gesprochen, die wissen wollten, warum sie nicht mitschießen dürfen. Da fiel mir auf, wie wichtig das Thema ist.“ Die vier jungen Frauen, die im Sommer ihr Abitur machen, nahmen Kontakt zum Oberst und zum Adjutanten des Obersts auf, die sich gesprächsbereit gezeigt hätten. „Danach passierte lange Zeit nichts.“

Kommentar
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Verena Sieling

Im Herbst 2023 nahmen die vier das Vorhaben wieder in Angriff, sammelten mithilfe weiterer Personen Unterschriften von 70 Gilde-Mitgliedern, die für sie den Antrag stellten. Dieser wurde während der Generalversammlung der Wildeshauser Schützengilde verlesen, abgestimmt wurde nicht. Nur das Offizierskorps könne darüber abstimmen, hieß es dort. Die vier Frauen hätten lediglich durch Medienberichte davon erfahren, erzählen sie. „Frustrierend“, kommentiert Mirja Stöver. „Wir haben viel Mühe reingesteckt.“ Dabei hätten sie als erste den Antrag eingereicht, „wir waren pünktlich“, ergänzt Kramer.

Die Gruppe wolle nicht gegen die Gilde, sondern mit ihr zusammenarbeiten. Josephine Kramer hat durch ihre Familie eine starke Verbindung zur Gilde. „Ich hatte immer den Wunsch, mitzuschießen.“ Beckmann war 2016 Königin des damaligen Kinderkönigs Lasse Tonn, „das war richtig schön. Das heißt aber nicht, dass ich es anderen Mädchen nicht gönne, mitzuschießen.“ Die jungen Frauen wollen einen Kompromiss erwirken, Mädchen ein Gemeinschaftsgefühl vermitteln. „Es geht uns nicht darum, dass Frauen in die Gilde eintreten dürfen“, betont Stöver, die im Schützenverein Bühren und Umgegend bereits Kinderkönigin war. Beckmann schoss als Kind beim Schützenverein Beckstedt mit. Mit Lennard Wulf, Kinderkönig 2022, ist sie verwandt. Kurz: „Wir haben alle eine enge Verbindung zur Gilde – und wollen niemanden vor den Kopf stoßen.“

„Keine Priorität“

Derzeit habe der Antrag keine Priorität, sagt der neue Oberst Friedrich Ahlers, der damit seinem Vorgänger Willi Meyer zustimmt. Seit wenigen Tagen ist Ahlers im Amt – ein Amt, das er erst einmal kennenlernen müsse, erklärt der 74-Jährige. „Wir müssen zunächst ganz andere Dinge bewerkstelligen, wir haben so viel Neues in der Gilde. Mit dem Antrag werden wir uns aber ganz sicher noch beschäftigen“, sagte er zu.

Wer die jungen Frauen unterstützen möchte, kann eine E-Mail senden an josephine.johanna.kramer@web.de.

Verena Sieling
Verena Sieling Redaktion Wildeshausen
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