Ganderkesee/Schönemoor - In aller Stille ist sie vollzogen worden, die Fusion der beiden ev.-lutherischen Kirchengemeinden Ganderkesee und Schönemoor zur neuen „evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Ganderkesee und Schönemoor“. Und dies so reibungslos, dass die zum 1. Januar erfolgte Fusion auch noch ein ganzes Jahr vor ihrer geplanten Zeit gelungen und wohl für das Gros der nun insgesamt mehr als 14 000 Gemeindemitglieder unbemerkt verlaufen ist. Auf die Weihung der St.-Katharinen-Kirche vor 700 Jahren können die evangelisch-lutherischen Kirchenmitglieder in Schönemoor in diesem Jahr zwar zurückblicken, eigenständig ist die Gemeinde dann nicht mehr.
Auf Augenhöhe
Eines ist der geschäftsführenden Pastorin Susanne Bruns ganz besonders wichtig: Dass sich die große Kirchengemeinde Ganderkesee mit ihren drei Bezirken in Ganderkesee, einem in Stenum und einem weiteren in Bookholzberg mit der viel kleineren, zuvor selbstständigen Kirchengemeinde Schönemoor zusammengeschlossen hat, sie jedoch nicht übernommen habe. „In Schönemoor gibt es nämlich noch immer das ,kommunale Trauma’ infolge der Gebietsreform“, erinnert Bruns. 1972 hatte die Gemeinde Schönemoor ihre „irdische“ Eigenständigkeit im Zuge der niedersächsischen Gebietsreform verloren und war verwaltungsmäßig von der Gemeinde Ganderkesee „geschluckt“ worden. Dieses Wissen habe auch dazu beigetragen, die noch immer vakante Pfarrstelle in Schönemoor mit Nachdruck besetzen zu wollen, so Bruns. Doch auch hier zeige sich der allgemeine Fachkräftemangel: Rund ein Jahr nach dem überraschenden Weggang von Pastor Johann-Philipp Nicolaus läuft die Suche nach einer Nachfolge noch immer. Bewerbungen habe es bisher keine gegeben.
Weichen sind gestellt
Die Weichenstellung für das Zusammenkommen der beiden Kirchengemeinden war 2020 in einem Kooperationsvertrag erfolgt. Grund fürs Drücken aufs Tempo mitten auf der Zielgeraden der Fusion war, dass schon am 10. März 2024 Gemeindekirchenratswahlen sind. Ohne die vollendete Fusion hätten jeweils auch noch eigene Kirchenräte gewählt werden müssen. Der nahe Wahlzeitpunkt sei zunächst nicht berücksichtigt worden, räumte Bruns ein.
Die Fusion kommt nicht von ungefähr – Sachzwänge führten dazu. Zum einen gibt es immer weniger Pfarrpersonal, zum anderen aber auch immer weniger Menschen, die sich der ev.-lutherischen Kirche zugehörig fühlen. Die Folge: Kirchenaustritte, die mittelfristig wiederum immer weniger Pfarrstellen erfordern.
2030, so der Ausblick, seien in der neuen Kirchengemeinde Ganderkesee und Schönemoor wohl nur noch vier Pfarrstellen zu halten. Aktuell gibt es hier fünf plus die vakante in Schönemoor. Regulär würden Pastorin Irene Schlawin und Susanne Bruns (beide Ganderkesee) 2028 bzw. 2030 in den Ruhestand gehen.
Vielfältige Arbeit
Kirchliches Arbeiten wird aber nicht nur von den Geistlichen auf der Kanzel erfüllt, auch in Verwaltungen, auf den Friedhofsanlagen oder in den Küstereien der vier Kirchen fallen Aufgaben an. Überflüssige Doppelstrukturen entwickelten sich keine, auch Entlassungen gebe es nicht: „Eine Kollegin aus dem Kirchenbüro geht jetzt passend in Rente“, sagt Pastorin Bruns. So geräuschlos die Fusion auch verlaufen ist, unbeachtet soll sie nicht bleiben. „Wenn die neu gewählten Kirchenältesten der neuen Gemeinde im Mai eingeführt werden, dann ist das der Anlass, auch mal feierlich zu werden“, blickte Bruns voraus.
