Kirchhatten - Eine Stecknadel konnte man während der vergangenen Wochen in der Holz- und Metallwerkstatt von Lupo fallen hören. Hier, wo bis vor der Corona-Krise Jugendliche und junge Erwachsene aus dem gesamten Landkreis eine klare Tagesstruktur erfahren haben und die Chance, eigene Talente zu entdecken, herrschte ungewohnte Leere.
Zu tun gab es in dieser ungewohnten Situation allerdings für den pädagogischen Leiter der Einrichtung, Jost Friedebold, und sein Team mehr als genug. So wurden z.B. Arbeitspakete entwickelt und an die einzelnen Teilnehmer nach Hause geschickt. Bilder zeichnen, Kuchen backen oder Kresse züchten sind nur drei der Aufgaben, die die Teilnehmer der Jugendwerkstatt Lupo erhalten haben. Selbst Perücken aus dem Friseursalon wurden verschickt. „Die Teilnehmer sollten dann zeigen, wie sie eine festliche Frisur auf den Kunstköpfen gestalten“, erzählt VHS-Außenstellenleiterin Anne Bohlen.
Erfolgskontrolle per WhatsApp
Die Erfolgskontrolle fand vor allem per WhatsApp statt. Fotos dokumentierten den Ablauf der Arbeiten. Anfangs war das für alle Seiten, Ausbilder und Jugendliche, ungewohnt. „Nach einer Weile fragten die Jugendlichen dann sogar nach, ob sie schon neue Arbeitspakete bekommen können“, verrät Anne Bohlen.
Seit Donnerstag voriger Woche belebt sich jetzt wieder die Werkstatt und kehrt etwas Normalität ein. Waren vor der Corona-Krise 24 Plätze hier täglich besetzt, geht es momentan in zwei Kleingruppen á zwölf Teilnehmern in der Regelarbeitszeit von 8 bis 15 Uhr weiter.
Abstand wahren lautet die Devise
Abstand wahren, lautet die Devise. Dazu gehört auch, dass im ganzen Haus an der Hauptstraße ein Leitsystem aus Pfeilen und Linien aufgeklebt worden ist. Durch das Treppenhaus, das den Werkstattbereich mit den tieferliegenden anderen Räumen und Büros verbindet, geht es nur in eine Richtung. Begegnungen auf engem Raum sollen so verhindert werden. Zusätzlich gibt es einen Hygieneplan und klare Ansagen, dass in Pausen und auf den Wegen die Maskenpflicht gilt. Apropos: Von den Werkspädagogen sind in den vergangenen Wochen über 100 Masken genäht worden.
Was bis auf weiteres auch bleiben wird, sind die Pakete mit Wochenaufgaben. Zum Teil mit Lebensmitteln gefüllt, sind sie gleichzeitig auch „Care-Pakete“. In normalen Zeiten bekamen die Teilnehmer nämlich täglich Frühstück und Mittagessen bei Lupo. Das, so traurig sich das auch anhört, scheint längst nicht in allen Haushalten selbstverständlich zu sein.
