Kirchhatten - Einweg-Handschuhe, Nylonbänder, Plastikübertöpfe: Wenn die Friedhofsmitarbeiter Hergen Neumann und Rolf-Dieter Schmidt die Sammelbehälter für den kompostierbaren Grünabfall auf dem Friedhof an der Munderloher Straße kontrollieren, stoßen sie immer wieder auf solche Hinterlassenschaften.
Die Ev.-luth. Kirchengemeinde Hatten hat damit ein wachsendes Problem. Der Grünabfall, der in großen Holzkästen am Rand des Friedhofs gesammelt wird, muss nämlich frei von nicht kompostierbaren Teilen sein.
Die Entsorgungsfirma ACR Rathkamp entleert regelmäßig die Behälter. Damit deren Inhalt wirklich, wie vorgesehen, kompostiert werden kann, müssen Neumann und Schmidt beinahe täglich den Grünabfall durchsuchen. Das kostet viel Zeit und verhindert dennoch nicht, dass etwas durchrutscht.
Kosten verdoppeln sich
„Wenn wir auf dem Plastik sitzen bleiben, würde das unsere Kosten schätzungsweise verdoppeln“, sagt Kirchenbüromitarbeiterin Heide Grotelüschen. „Das wäre unbezahlbar.“ Notgedrungen entsorgt die Kirchengemeinde den entdeckten, nicht kompostierbaren Müll über die eigene Restmülltonne. Doch das kann keine dauerhafte Lösung sein, sind sich die Verantwortlichen einig. Der Gemeindekirchenrat hat einen dringenden Aufruf verfasst und an allen Sammelbehältern anbringen lassen. „Drei neue große Kompostkisten stehen auf unseren Friedhöfen für die Grünabfälle zur Verfügung. Diese sind ausschließlich für pflanzlichen Abfall bestimmt. Vielen Dank für Ihr Verständnis!“ Sollte der Appell nicht die gewünschte Wirkung entfalten, müssten ansonsten die Friedhofsgebühren erhöht werden, um den gestiegenen Aufwand zu kompensieren, fürchtet Heide Grotelüschen.
Für nahezu alle Produkte, die üblicherweise auf dem Friedhof verwendet werden, gibt es umweltfreundliche Alternativen, die sich kompostieren lassen:
Kranzunterlagen aus Holzspänen, Kork oder Stroh statt aus Styropor bzw. Schaumstoff
Einwickelpapier an Stelle von Plastikfolien für Blumensträuße
Kompostierbare Presstöpfe oder Einwickelpapier für Pflanzen statt Töpfe aus Plastik
Mehrweg-Behälter und Stofftragetaschen statt Kunststoff- oder Styroporpaletten und Plastikbeutel
Natürliche Materialien für Kränze wie Blumen, Moos, Zapfen anstatt Kunststoffblumen
Verrottbares Binde- und Schleifenmaterial, z. B. aus Jute, Hanf oder Sisal statt Kunststoffbänder
Nachfüllbare Grablichter oder solche aus biologisch abbaubarem Material anstatt Einweg-Kunststofflichtern.
Nicht auszuschließen, dass einige der Nutzer beim Entsorgen von Grabgestecken einfach arglos sind: Nicht selten verbergen sich Styropor und andere Plastiksorten im Innern des Schmucks. Doch mancher Nutzer scheint sich auch einfach darauf zu verlassen, dass Hergen Neumann und Rolf-Dieter Schmidt – unterstützt von Anita Kibschull, der Frau des ehemaligen Küsters – den Friedhof schon sauber halten. Neumann ratlos: „Wir haben sogar schon Blumentöpfe gefunden, die in die Hecke gestopft worden sind.“
