Kirchseelte - Lutz Beckröge aus Kirchseelte ist ein Gesicht der Umwelt-Kampagne „Stadtradeln 2021“ im Landkreis Oldenburg. Die dreiwöchige Aktion geht noch bis kommenden Sonntag, 6. Juni. „Bislang haben sich 1875 aktive Radelnde angemeldet“, hob Beckröge hervor. In Zeiten der Corona-Pandemie sei das eine ordentliche Anzahl und gegenüber dem Vorjahr mit 756 Teilnehmern eine enorme Steigerung. 147 781 Kilometer hätten die 102 Teams im Sattel zurückgelegt und so 22 Tonnen CO2 vermieden.
„Zum Stadtradeln bin ich gekommen, weil mich Irmtraud Keppler angesprochen hatte, dass ich doch einfach mitmachen sollte“, erinnert er sich an die Aktion 2020 zurück. „Als Mitglied der Klima-AG fand ich das Stadtradeln sehr gut, und Zuspruch erhielt ich auch von Projekt-Manager Kevin Haupt, der an der VHS zum Thema auch unterrichtet. Dennoch möchte ich mich nicht als den typischen Stadtradler bezeichnen, auch wenn ich die Funktion des Stadtradeln-Stars übernommen und im Blog Beiträge verfasst habe.“
350 000 Kilometer
Seit 40 Jahren sitzt der 66-Jährige, wann immer es geht, im Fahrradsattel. Schnell erkannte er, dass mit dem Rad umweltbewusst viele Autofahrten eingespart werden können. Auf den Tachos seiner Räder haben sich zusammengefasst 350 000 Kilometer angesammelt. Damit ist Beckröge schon fast neunmal um die Erde geradelt. Das will er auch weiterhin so machen. „Pro Monat fahren ich um die 800 Kilometer. Auch im Winter, dann mit Spikesreifen, um auch sicher unterwegs sein zu können.“ Allerdings schränkt Beckröge ein: „Ein Auto habe ich aber nicht gänzlich aufgegeben, wie es Ziel des Stadtradelns sein soll. Zwischen 7500 und 8500 Kilometer kommen im Jahr noch zusammen. „Wir hier auf dem Lande sind wir da ganz klar im Nachteil gegenüber Städtern. Ganz ohne Autos geht es hier leider nicht.“
Kritik an Infrastruktur
Das hänge an der Infrastruktur, die auf dem Lande oftmals lieblos verwaltet werde. Als Beispiel nannte er an der Langen Straße in Harpstedt den Rad- und Fußweg, ausgeschildert durch das blaue Verkehrszeichen, den dann Radfahrer auch benutzen müssen. „Doch es ist einfach zu schmal, darauf sicher zu radeln und niemanden zu gefährden. Hier bedarf es des Anstoßes durch die Bürger in Richtung Gemeinde, die dann handeln muss.“
In der Stadt sei die Infrastruktur weitaus besser. Angefangen von ausgewiesenen Schnellradwegen. Aber auch hier gebe es Handlungsbedarf, vieles stecke noch in den Kinderschuhen. „Dennoch kann man in einer Stadt, wenn man will, schon jetzt ohne Auto auskommen.“
Dazu gehört aber auch, für den Fahrradverkehr die staatlichen Fördergelder zu erhöhen. „Je Pkw werden 500 Euro im Jahr investiert. Für Radfahrer gerade fünf Euro. Das Verhältnis hinkt einfach“, so der Radfahrexperte. „Wir brauchen intelligente Lösungen und entsprechende Finanzausstattung.“
Dass ein Transport per Fahrrad auch auf dem Lande funktioniert, hat der Kirchseelter unlängst bewiesen. Er transportierte mit einem Lastenfahrrad der Grünen für den Verein „Solawi“ acht Gemüsekisten ins Depot in Beckstedt.
