Ganderkesee -
Dass auch auf lokaler Ebene mehr als bisher getan werden muss, um den Ausstoß des klimaschädigenden Gases Kohlendioxid (CO
Neun Leitlinien sind im Klimaschutz-Workshop der Gemeinde entwickelt worden – hier in Kurzform :
1.) Die Gemeindeverwaltung entwickelt eine Strategie zur Erreichung der Klimaneutralität innerhalb der Verwaltung bis zum Jahr 2040 und setzt diese um. Klimabewusstes Handeln wird zusammen mit regionalen Akteuren gefördert.
2.) Bei allen Entscheidungen ist Nachhaltigkeit zu beachten.
3.) Klimaschutzmaßnahmen werden unter Berücksichtigung von Kriterien der Nachhaltigkeit durchgeführt, wobei neben ökologischen auch soziale und ökonomische Aspekte eine Rolle spielen.
4.) Künftige Neubaugebiete und neue Gewerbegebiete sollen möglichst klimaneutral konzipiert sein, um fossile Energieträger weitgehend zu vermeiden.
5.) Die Gemeinde steht für ein gleichberechtigtes Mobilitätskonzept, das Fußgänger, Fahrradverkehr, ÖPNV und E-Mobilität in den Mittelpunkt rückt.
6.) Die Gemeindeverwaltung kontrolliert regelmäßig den Erfolg der Maßnahmen zur CO
7.) Die Gemeinde motiviert die Bevölkerung zum energiebewussten Handeln – durch regelmäßige Informationsveranstaltungen und Kampagnen sowie Beratung von Bürgern und Unternehmen.
8.) Der Verbrauch endlicher Ressourcen in der Gemeinde wird kontinuierlich reduziert, die Eigenversorgung mit erneuerbaren Energien ausgebaut.
9.) Die Gemeindeentwicklung orientiert sich an dezentralen Strukturen und kurzen Wegen.
Zunächst einmal stellte Michael Wenzel (Dieter Meyer Consulting GmbH in Oldenburg) das Ergebnis des ersten Klimaschutz-Workshops vor, der vor knapp zwei Wochen unter Beteiligung von Politik und Verwaltung, Klima- und Naturschutz-Gruppen sowie der Landwirtschaft in Ganderkesee stattgefunden hatte und als Basis zur Fortschreibung des bisherigen Klimaschutzkonzepts der Gemeinde Ganderkesee dienen soll. Neun Leitlinien sind dabei formuliert worden, an denen sich künftige Beschlüsse und Maßnahmen orientieren sollen (siehe Infobox).
Zweiter Workshop
Im nächsten Schritt gelte es, zeitnah umsetzbare Maßnahmen zu entwickeln, die mehrere Qualitätskriterien erfülle, so Wenzel. Maßnahmen müssen etwa wirksam, umsetzbar und messbar sein. Erste Ideen habe es schon gegeben, „aber der große Wurf war noch nicht dabei“, räumte er ein. Konkreter soll es hingegen in der nächsten Workshop-Runde werden: Am 4. Juli werde es um Maßnahmen und Leitprojekte gehen, kündigte Wenzel an. „Ich bin optimistisch, dass wir das was hinkriegen.“ Die Ergebnisse sollen dann am 31. August in der nächsten Ausschusssitzung vorgestellt werden.
Die formulierten Leitlinien gehen Grünen-Fraktionschef Dr. Volker Schulz-Berendt, der selbst im Workshop mitgearbeitet hat, noch nicht weit genug. Klimaneutralität bis 2040 dürfe nicht allein das Ziel der Gemeindeverwaltung sein, sondern müsse für die gesamte Gemeinde gelten, so Schulz-Berendt. Bürgermeister Ralf Wessel hielt dagegen: „Wir können nur das gestalten, was wir selbst verantworten.“ Darüber hinaus könnten nur Anreize geschaffen werden.
SPD-Fraktionschef Ulf Moritz merkte an, dass die Einhaltung der Leitlinien seitens der Politik Rückgrat erfordere: Es gelte nun bei jeder einzelnen Entscheidung klimabewusst zu agieren.
„Wir müssen uns darauf gefasst machen, dass wir in Zukunft manchmal zwischen den Stühlen sitzen.“ Zu einer sachlichen Debatte und Kompromissbereitschaft rief Arnold Hansen, Sprecher der Gruppe Freie Wähler /UWG, auf: „Es kann nicht nur schwarz und weiß geben“, sagte Hansen. Beim Klimaschutz gelte es, „in eine Richtung zu laufen“.
Interne Veränderung
Dass die Verwaltung ihren Auftrag, Klimaschutz- und Nachhaltigkeits-Aspekte bei allen Planungen zu berücksichtigen, ernst nimmt, zeigt eine organisatorische Veränderung im Rathaus: So gehört Klimaschutzmanager Lars Gremlowski, dessen Stelle zuvor dem Fachdienst Gebäudeservice zugeordnet war, seit Kurzem zum Team der Gemeindeentwicklung um Tim Kettler, das unter anderem mit der Planung von Baugebieten befasst ist.
