Stenum - Sich beruflich zu verändern und etwas ganz anderes zu tun als bisher, ist ein großer Einschnitt. Viele scheuen davor zurück, nicht so Katja Vosteen (50). Dabei hatte sie schon ihr 25-jähriges Dienstjubiläum gefeiert und trotzdem stellte sie sich die Frage: „Was willst Du eigentlich?“. Aber alles der Reihe nach.
Katja Tönjes, so ihr Geburtsname, schwärmt noch heute von ihrer unbeschwerten Kinder- und Jugendzeit in ihrem Heimatort Neu-Holzkamp. „Die Natur draußen war unser Spielplatz und das zu jeder Jahreszeit“, betont Katja. Mit den vielen Nachbarskindern baute sie in den Wäldern Hütten und spielten mit Leidenschaft Räuber und Gendarm. „Erst der Hunger hat uns nach Hause getrieben“, erzählt Katja. Ihre Eltern Irma und Magnus Tönjes hatten einen Bauernhof. Katja und ihr älterer Bruder Lutz mussten auch schon mal mithelfen. „Ich habe es geliebt, bei der Ernte auf dem Stroh- oder Heuwagen zu stehen. Wenn ich heute Stroh oder Heu rieche, erinnere ich mich sofort an meine Kindheit zurück“, sagt Katja.
Durch eine Freundin kam sie zum Handball und spielte viele Jahre äußerst erfolgreich beim TSV Ganderkesee. Katja war immer mittendrin und überall gerne dabei. So war sie mit ihren Freunden auch beim Faschingsumzug mit dabei.
Im Oktober 1989 bekam sie unerwarteten Besuch von einigen Herren, die wollten Katja zur Ehrendame ernennen. „Da habe ich nicht lange überlegt“, erinnert sie sich. Die Entscheidung sollte sie nicht bereuen. „Es war ein traumhaftes Jahr. Wir Ehrendamen hatten super viel Spaß mit unserem Prinzenpaar Renate Drieling und Manfred Einemann. Wir treffen uns heute noch“.
Mit Freude ging sie jeden Morgen gerne zur Schule, denn auch dort konnte sie mit ihren Freunden zusammen sein. „Lernen war da eher Nebensache“, sagt Katja schmunzelnd. Nach dem Abschluss an der Realschule hatte sie keinerlei Vorstellungen über ihre berufliche Zukunft. Zunächst besuchte sie für ein Jahr die höhere Handelsschule. Ihre Eltern rieten ihr dann zu einer Ausbildung bei einer Bank: „Das ist etwas Handfestes“. Katja folgte dem Rat und absolvierte von 1989 bis 1992 eine Ausbildung zur Bankkauffrau bei der Raiffeisenbank in Falkenburg. Durch die Fusion mit der Bank in Ganderkesee wurde Katja übernommen. Nach ihrer Ausbildung war sie zunächst in der Filiale in Delmenhorst, später dann in der Zentrale in Ganderkesee tätig. Besonders gefiel ihr der Kontakt zu den Kunden. So verging Jahr um Jahr, schnell feierte sie ihr 25-jähiges Dienstjubiläum. Immer wieder kamen ihr Zweifel, ob dieser Beruf sie auch weiterhin glücklich machen würde. Sie stellte sich die Frage: „Was willst Du? Was kannst Du? Wo schlummern deine Talente?“
Als die Zweifel immer größer wurden, zog sie die Reißleine und nahm sich eine Auszeit von ihrem bisherigen Beruf. Sie betätigte sich ehrenamtlich als Trauerbegleiterin im Hospizkreis Ganderkesee-Hude. Weil sie schon immer gut zuhören konnte, kamen Freunde oft mit Problemen zu ihr. Warum die Eigenschaft nicht zum Beruf machen? Katja machte an den Wochenenden eine Ausbildung zur Paartherapeutin an der Norddeutschen Paarakademie in Hamburg, 2018 schloss sie mit Erfolg ab. Ihr berufliches Engagement bei der Bank beendete sie 2017, und 2018 mietete sie sich im Gasthaus Backenköhler in Stenum ein und machte sich mit ihrer Praxis „ichundich“ selbstständig. „In einer Beziehung gibt es nicht nur ein ,Wir’, sondern ein ,Ich’ und der Partner ist das andere ,Ich’“, erklärt Katja die Namensgebung.
Ihre Fähigkeiten als Paartherapeutin sprach sich immer mehr herum. Seit einem Jahr hat sie ihre Praxis nun in einem Neubau, direkt neben ihrem Wohnhaus in Stenum. „Ich bin beruflich angekommen und sehr glücklich, dass ich es geschafft habe.“ Dieser Weg zur beruflichen Neuorientierung wäre ohne die Rückendeckung von Ehemann Jürgen und auch den beiden Söhnen Jan (22) und Theo (18) nicht möglich gewesen.
Katja und Jürgen trafen sich zum ersten Mal in einer Disko in Langenberg. Beide wurden schnell ein Paar und 1998 wurde geheiratet. Das junge Ehepaar wohnte zunächst bei seinen Schwiegereltern im Gasthaus Backenköhler, bis es 2000 sein Eigenheim beziehen konnte. Schon in jungen Jahren nahm ihr Vater sie mit zu den Heimspielen des SV Werder Bremen, es passte es perfekt, dass auch ihr Jürgen ein leidenschaftlicher Werder-Fan ist. „Wir haben die Mannschaft bei vielen Auswärtsspielen in ganz Europa begleitet. Noch heute haben wir Dauerkarten“, erzählt Katja. Gerne gehen beide mit Familie und Freunden auch in den Skiurlaub. So auch im Februar 2002. Auf der Piste bekam Jürgen plötzlich große Herzprobleme. Nur durch das schnelle Handeln der Freunde und eines zufällig anwesenden Kardiologen wurde der Urlaub nicht zur Katastrophe. „Wir haben viel Glück gehabt und sind unendlich dankbar.“ Das Paar freut sich schon auf die Silberhochzeit im kommenden Jahr.
