Ich weiß, ich weiß, wir sind ja schon so weit gekommen, wir dürfen wählen, arbeiten ohne die Erlaubnis unserer Ehemänner – um mal ganz grundlegend anzufangen –, frei über unser Leben entscheiden – da brauchen wir doch gar keinen Weltfrauentag mehr. Mittlerweile sind wir alle gleichberechtigt, Sexismus ist verdrängt. Wenn Männer Lokalredakteurinnen beim Pressetermin einen Platz auf ihrem Schoß anbieten, ihnen einen „motivierenden“ Klaps auf den Hintern geben, am Telefon nach einem der „Herren Redakteure“ fragen oder gar in die Redaktion gestürmt kommen und brüllend jemand Männlichen verlangen, da nur dieser ihnen fachgerecht helfen könne, dann sind das alles Ausnahmen, oder? Denn wir sind ja schon so weit gekommen und brauchen den Feminismus nicht mehr. Ach so. Verzeihen Sie mir dieses Wort, aber: Bullshit.
Das alles sind nur wenige herausgegriffene Beispiele, die sich in vielen Lebensbereichen sehr vieler Frauen ähnlich wiederfinden. Gut also, dass auch in diesem Jahr die Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Oldenburg Veranstaltungen rund um den Internationalen Frauentag organisieren – zu denen ausdrücklich nicht nur Frauen, sondern Menschen aller Geschlechter willkommen sind.
Gut, dass sich vier junge Frauen, die sich ausgeschlossen fühlen, dafür einsetzen, dass auch Mädchen künftig beim Kinderschützenfest der Wildeshauser Gilde schießen dürfen.
Es geht nicht darum, irgendwem etwas wegzunehmen, sondern um eine gleiche Behandlung für alle. Wenn das durch solche Veranstaltungen und Initiativen mehr ins Bewusstsein rückt – wer weiß, vielleicht brauchen wir den Weltfrauentag irgendwann tatsächlich nicht mehr. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg.
