Harpstedt/Landkreis - „Ich bin erstaunt, wie viele Fragen sie stellen“, ist Florian Eiskamp positiv überrascht. Die Rede ist von den Schülerinnen und Schülern der fünften Klassen der Realschule Wildeshausen, die den landwirtschaftlichen Betrieb in Harpstedt am Montag und Dienstag besucht haben. Organisiert wurde der Besuch vom Kreislandvolkverband Oldenburg und dem Regionalen Umweltbildungszentrum (RUZ) Hollen.
Futter gemischt
An verschiedenen Stationen konnten die fünf Klassen dabei vieles lernen. Familie Eiskamp hat auf ihrem Hof 120 Kühe und betreibt Ackerbau und eine Biogasanlage, die Informationen drehten sich um die ersten beiden Themen. Florian Eiskamp erläuterte an einer Station die Maschinen und erklärte beispielsweise, wie ein Grubber funktioniert. „Sie passen gut auf“, freute sich Florian Eiskamp.
An einem Tisch sollten die Schülerinnen und Schüler verschiedene Getreidearten erkennen. An der Futterstation lernten die Kinder anhand von zehn 15-Liter-Eimern, wie viel Wasser eine Kuh am Tag trinkt, und mischten eine Portion Futter selbst zusammen. Auch die Bedeutung der gelben „Ohrringe“ der Kühe erfuhren sie: Daran kann man erkennen, woher sie kommen und auf welchen Hof sie gehören, erläuterte Wencke Siemers, beim Kreislandvolk zuständig für Öffentlichkeitsarbeit.
„Weg der Milch“
Und nicht zuletzt verfolgten die Fünftklässler den „Weg der Milch“: Am Melkroboter zeigte Korinna Freihof, Mitarbeiterin beim RUZ am Standort Huntlosen, wie dieser funktioniert und wo die Milch gesammelt wird.
Wie wichtig dieses „Erlebnis Bauernhof“ ist, verdeutlichte Wencke Siemers. „Viele sind von der Landwirtschaft entfremdet“, bedauert sie. Der Extremfall sei tatsächlich die Annahme, dass Kühe lila sind. Ganz so schlimm sei es im Landkreis zwar eher nicht, auch von den fünften Klassen der Realschule sei etwa die Hälfte der Kinder schon einmal auf einem Bauernhof gewesen. Dennoch: „Es ist für uns als Kreislandvolk wichtig, sie früh ins Boot zu holen, damit sie die Verknüpfung lernen.“
Das müsse sich nicht auf die unteren Jahrgänge beschränken, auch mit Oberstufenklassen könnten landwirtschaftliche Betriebe besucht werden – nur mit anderem Schwerpunkt, so Siemers. Diese könnten sich zum Beispiel unter dem Aspekt des Klimawandels mit dem Thema befassen. „Je älter sie werden, desto gezielter ist auch das Interesse“, beobachtet Siemers.
Auf Schulen zugehen
Bislang kämen die Schulen auf das RUZ oder das Kreislandvolk zu, wenn sie Interesse an einem Besuch haben. Zukünftig möchte Wencke Siemers aber auch selbst mehr Schulen ansprechen – und am liebsten einen festen Betrieb im Landkreis haben, der regelmäßig besucht werden kann. „Die Landwirte müssen aber auch Lust dazu haben.“
Wie wichtig Öffentlichkeitsarbeit ist, weiß auch Florian Eiskamp. So hat seine Familie nicht zum ersten Mal Schüler auf dem Hof begrüßt: „Vor der Pandemie hatten wir schon öfter Schulklassen hier, jetzt ist es wieder das erste Mal seit Corona.“ Und der Besuch verlief zufriedenstellend: „Sie sind sehr interessiert.“
