Neuenwege/Oldenburg - Kriminalkommissarin Anna Kramer ist noch dabei, ihre neuen Kollegen auf dem Oldenburger Revier kennenzulernen, da wird sie schon mit ihrem ersten, maximal persönlichen Fall konfrontiert: Ein befreundeter Polizist aus ihrer vorherigen Dienststelle in Hannover wurde von einer maskierten Person per Hammer und Baseballschläger zu Tode gefoltert. Die grausame Tat muss Kramer sich auf einem Videomitschnitt ansehen, der – auf einer Speicherkarte im Unterarm der im Schlossgarten deponierten Leiche eingearbeitet – an sie adressiert ist. Und das ist erst der Anfang einer leichengepflasterten Schnitzeljagd quer durch die Huntestadt.
Ausgedacht hat sich das mörderische Setting Sönke Würdemann aus Neuenwege (Hude), der mit „Neustart“ jetzt seinen Debütroman vorgelegt hat.
Aufhänger Klimadebatte
Die Idee zu dem Regionalkrimi sei ihm vergangenen Sommer „in der Mittagspause“ gekommen, erzählt der 33-Jährige, der im Amt für Verkehr und Straßenbau der Stadt Oldenburg angestellt ist. Schon früher habe er „ein paar Geschichten geschrieben“. Aus dem Job heraus seien ihm viele Orte in Oldenburg bekannt. Leserinnen und Leser werden im Roman daher mit vertrauten Anblicken im Stadtbild konfrontiert, etwa den typischen „Hundehütten“ im Dobbenviertel oder der Herbstidylle im Stadtwald. Schmunzeln wird auch, wer als Neubürger von der Verkehrsführung am Pferdemarkt anfangs überfordert war oder mit dem Zug aus Bremen kommend an der Klappbrücke etwas länger warten musste.
Das Werk sei „reine Fiktion“, dahinter stehe keine tiefergehende Recherche, betont Würdemann, der gerne Krimis guckt und viel vom Thrillerautor Sebastian Fitzek liest.
Wer aktuelle politische Debatten verfolgt, dürfte bei der Lektüre dennoch im Vorteil sein: In der Mordserie werden nämlich radikale Klimaschutzforderungen eingewoben unter der Fragestellung: „Was passiert, wenn jemand zu drastischen Mitteln greift, um darauf hinzuweisen?“ Würdemann zufolge hat das Buch jedoch „keine wirkliche politische Aussage“, er habe lediglich Bezug genommen, um originelle Mordfantasien umzusetzen. Straßenkleb-Manöver wie neulich im Feierabendverkehr an der Amalienbrücke oder die jüngste Pflanz-Aktion der „Letzten Generation“ am Oldenburger Schloss wolle er keineswegs verunglimpfen.
„Neustart“, das in Oldenburg angesiedelte 330-seitige Krimidebüt von Sönke Würdemann aus Neuenwege (Hude), ist im Eigenverlag erschienen bei „Twentysix Crime“, einer Marke der „Books on Demand GmbH“ in Norderstedt in Schleswig-Holstein. Würdemann zufolge ist das Buch nur in minimaler Stückzahl vorrätig und wird aus Gründen der Nachhaltigkeit ansonsten nur auf Bestellung gedruckt. ISBN-13: 9783740707170.
Fortsetzung denkbar
„Neustart“ bedient sich gängiger Muster eines Krimis. Da ist der düstere Prolog, in dem schemenhaft der Täter und ein Opfer eingeführt werden; da ist die Charakterisierung der Protagonistin zum Einstieg; ebenso detailreich umschrieben sind die Morde – da wundert es nicht, dass Würdemann von seinem Umfeld gefragt wird, wie er denn zu diesen Einfällen gekommen sei; langsam baut sich Spannung auf, die schließlich in einer überraschenden Wendung kulminiert und verstörende Hintergründe zu Tage fördert.
Einzelne holprige Stellen verzeiht man dem Nachwuchsautor. Die vielfach sinnvolle Detailverliebtheit könnte stellenweise knapperen Sätzen weichen, wenn das Beschriebene die Handlung eher ausbremst, statt Bilder im Kopf zu erzeugen – etwa als die Protagonistin am ersten Arbeitstag durch die Büroräume geführt wird. Wer Krimis aber ohnehin in schnellerem Tempo liest und dem nächsten Höhepunkt entgegenfiebert, dürfte sich daran nicht allzu sehr stören.
Nachdem der titelgebende Neustart von Kriminalkommissarin Anna Kramer offensichtlich anders verläuft als von ihr erhofft, lässt der Roman im Epilog eine mögliche Fortsetzung erwarten. Tatsächlich, sagt Sönke Würdemann, sammele er „schon wieder Ideen“ und könne sich einen Folgetitel „vorstellen“.
