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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Altes Dorf und junge Züchter

05.10.2010

Dass er ein souveräner Redner ist, hat Gerold Otte in seiner früheren Funktion als Kreissportbund-Vorsitzender zur Genüge bewiesen – dass der Hoyersweger beim Erzählen aber auch ein begnadeter Unterhalter ist, weiß spätestens seit Sonnabend ganz Schlutter, Holzkamp, Hoyerswege, Neu-Holzkamp und auch noch Siebenhausen, Wiggersloh, Landwehr und Hackhorst – diese acht Bauerschaften umfasst die Dorfgemeinschaft im Südosten der Gemeinde, die am Sonnabend das 1150-jährige Bestehen Schlutters feierte. „Wir haben inzwischen mehr Bauerschaften als Bauern“, stellte Otte süffisant fest.

Für den Spaß zuständig waren beim großen Dorfgeburtstag auf der Diele des Hofes Kunst eigentlich Jürn Cornelius und Tina Dittmann – doch gut eine Stunde vor deren Auftritt als Johann und Sophie aus Kötermoor räumte Gerold Otte schon die Lacher ab – etwa als er auf die historische Landwehr am Ort gleichen Namens zu sprechen kam: Dort habe er vor einiger Zeit eine Landpartie mitgemacht und staunend zugehört, wie die Gästeführerin den Verlauf der einstigen Befestigungsanlage an deutlich erkennbaren Erdveränderungen festmachte. Otte: „Ich hab’ dann lieber für mich behalten, dass da kurz zuvor eine neue Gasleitung verlegt wurde.“

Das Besondere an Schlutter – und das betonten alle Redner – sind aber ja die Buswartehäuschen, die vom Ortsverein nach und nach zu kleinen Schmuckstücken ausgebaut wurden. Besonders schön ist das Häuschen an der Ecke Schlutterbrink/Schützenstraße, das mit der kürzlich aufgestellten Sitzgruppe zum Treffpunkt der Dorfgemeinschaft werden soll – „unsere Festhalle“, rühmte Otte, „wenn da zehn Leute feiern, ist die Hütte voll!“ Aber man könne dort nun ja auch auf dem Tisch tanzen!

Dass in Schlutter und umzu „die schönsten Buswartehäuschen im ganzen Landkreis Oldenburg stehen“, rühmte in ihrer Ansprache auch Ganderkesees Bürgermeisterin Alice Gerken-Klaas. Außerdem lobte sie das Freilicht-Theater der Speelkoppel auf dem Hof Poetzsch. „Es wird Platt geschnackt, das finde ich wichtig“, betonte Gerken-Klaas und verfiel sogleich selbst ins Plattdeutsche. „Nach zwei Bier geht das noch leichter“, meinte sie, woraufhin einer aus der Menge prompt in Richtung Theke rief: „Zwei Bier für die Bürgermeisterin!“

Die konnte Alice Gerken-Klaas aber nicht mehr austrinken, sie musste nämlich schnell weiter nach Hoyerswege, wo der TSV Ganderkesee seine Blau-Weiße Nacht feierte. Das Mikro in Schlutter übernahm Landrat Frank Eger, der sich auf ein Buch von Friedrich Bultmann berief, in dem die erste Erwähnung Schlutters auf 850 datiert ist. „Leute, Ihr habt ein Problem“, rief Eger, „Ihr seid ein bisschen älter als ihr denkt.“ Zur Problembewältigung überreichte Eger dem Ortsvereinsvorsitzenden Enno Vosteen ein „Flachgeschenk“, wie er es nannte: einen Umschlag mit ein paar Geldscheinen drin.

Kein Geld, sondern Pokale gab es für die Sieger des Jungzüchterwettbewerbs, den der Tierschauverein Delmenhorst und Umgegend am Sonntag beim Dorffest in Stenum veranstaltete. Dabei gab es nach unten so gut wie keine Altersgrenze: Das Nesthäkchen in der Runde, Insa Lüschen-Strudthoff aus Tweelbäke, feiert erst im nächsten Januar den zweiten Geburtstag und war damit noch jünger als manche der 38 Kälber und Jungrinder bis zwei Jahre, die in den Ring geführt wurden. Bei den Teilnehmern bis sechs Jahre wurde noch keine Bewertung vorgenommen – sie waren allesamt Sieger. In den anderen Altersgruppen gingen die Pokale an Finn Lüschen-Strudthoff (7) aus Tweelbäke, dessen Schwester Annika Lüschen-Strudthoff (9), Neele Rowold ((13) aus Bissel, Femke Stubbemann (14) aus Schohasbergen, Femke Wilkens (15) aus Kühlingen und Sönke Strudthoff (23) aus Geveshausen, der zugleich der älteste Jungzüchter bei der Schau war.

Noch um einiges älter ist Wilhelm Burkert: Mit 78 Jahren sitzt der Bassumer aber immer noch fast jedes Wochenende auf dem Motorrad. Acht Maschinen hat er zuhause stehen, fünf sind zugelassen, und mit einer davon, einer Adler MB 250 aus dem Jahr 1954, war Burkert am Sonntag einer von rund 30 Teilnehmern bei der Abschlussfahrt der „Oldtimer-Freunde“ aus Delmenhorst und Umgebung. Der 78-Jährige war früher Werksrennfahrer, bis ein Sturz bei einem WM-Lauf die Karriere beendete. Am Sonntag ging es dagegen ganz gemütlich zu: Über 140 Kilometer führte die Strecke durch die Landkreise Oldenburg und Cloppenburg. „Ein wunderschöner Tag“, bilanzierte hinterher Udo Herrmann, der die Tour gemeinsam mit Heiko Hemmelskamp organisiert hatte. „Und die ganze Zeit schien die Sonne!“

Pünktlich zum Start der Landpartie zu „knorrigen Bäumen“ hörte es am Sonntagmorgen auch im Hasbruch auf zu regnen. Mit einem Herbstgedicht von Eduard Mörike begrüßte Gästeführerin Erika Roselius die zehn Teilnehmer auf dem Parkplatz am Schwarzen Heck. Hier hatte sich schon im 19. Jahrhundert der Oldenburger Großherzog mit seinen Forstleuten getroffen – heutzutage treffen sich auf dem einsamen Parkplatz nach Erkenntnissen der Gästeführerin gelegentlich auch finstere Gesellen zu unerlaubten Geschäften.

Während die Gäste der Landpartie die Vögel zwitschern hörten, lauschten ein paar Kilometer südöstlich, im Haus Müller in Ganderkesee, gut 50 Gäste klassischen Klängen. Das Dozentenkonzert der Musikschule des Landkreises war so gut besucht, dass die Organisatoren um Andreas Evers sogar noch Stühle aus dem Musikschulzentrum am Steinacker dazuholen mussten. Den Anfang machte ein Quartett mit Martina Bley, Agnes Scheffler, Christiane Rudolph und Hedwig Stahl, das Barockes von Telemann spielte. Hedwig Stahl begleitete anschließend Gesangslehrerin Barbara Niemann-Wedemann, ehe es mit Ralf Benesch an der Gitarre südamerikanisch wurde. Zum Abschluss des Konzerts, das am Nachmittag im Wildeshauser Musikschulzentrum wiederholt wurde, gaben Andreas Evers, Christiane Rudolph und Angelika Scholl das Trio für Flöte, Violincello und Klavier von Bohuslav Martinu zum Besten.

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