• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Auf vielen Feldern aktiv

26.09.2015

Saure Gurken und Apfelmus“, heißt nur eine von vielen Geschichten aus dem brandneuen Buch „Senioren erinnern sich – Tradition und Brauchtum“, das vom Seniorenbeirat der Gemeinde Ganderkesee herausgegeben wurde. Es ist bereits das zweite Buch, und eine der Hauptinitiatoren ist Erika Lisson (69). Ihr Leben ist genauso interessant wie die vielen Geschichten in diesem Buch.

Die ersten vier Lebensjahre verbrachte Erika Hüttl, so ihr Mädchenname, in Uhlhorn. 1950 bezog Familie Hüttl ihr Eigenheim in Ganderkesee. „Da ich ohne Geschwister aufgewachsen bin, war ich für meinen Vater Tochter und Sohn zugleich“, erzählt Erika mir. Nicht nur ihre handwerklichen Fertigkeiten hat sie von ihrem Vater gelernt. Auch französischen Soldatenlieder brachte er seiner Tochter bei, was ihr in der Schule aber zum Verhängnis wurde. Beim Vorsingen brachte sie eben diese Lieder zum Besten. „Es gab die einzige Fünf, die ich je im Zeugnis gehabt habe. Von da an war mir die Lust am Singen vergangen.“

Erikas Vater hatte ganz genaue Vorstellungen, was seine Tochter unbedingt lernen musste: Schwimmen, Tanzen, Autofahren und Kochen. Mit sechs Jahren hatte sie schon ihren Freischwimmer. Jeden Tag war sie dafür mit ihrer Mutter mit dem Fahrrad zum Militärschwimmbad („Milli“) nach Delmenhorst gefahren. Später sattelte sie aufs Rudern um. Auf der Weser erlebte Erika über viele Jahre beim Training fast jedes Heimspiel von Werder Bremen mit, allerdings hat sie das Weserstadion bis heute noch nie von innen gesehen. „Diesen Wunsch werde ich mir noch erfüllen“, verrät Erika mir.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Nach ihrem Schulabschluss ging sie für zwei Jahre auf die Handelsschule nach Delmenhorst. Anschließend arbeitete sie für kurze Zeit im Büro einer Delmenhorster Stoffdruckerei, bevor sie von ihren Eltern auf die „Internationale höhere Töchterschule“ nach Rottach-Egern am Tegernsee geschickt wurde. „Mein Vater meinte immer, Kochen hält Leib und Seele zusammen, und so sollte ich in diesem strengen Mädchenpensionat deutsche Hausfrauen-Tugenden erlernen.“ Nach einem Jahr war sie eine „examinierte“ Hausfrau. „Dieses Jahr war das prägendste Jahr meines Lebens, denn hier habe ich Rückgrat bekommen.“

Erika machte bei der Reederei Norddeutscher Lloyd (später Hapag-Lloyd) ihren Weg. Dafür studierte sie drei Jahre abends und an Wochenenden in Bremen Betriebswirtschaft. Das war 1969, und sie war damit die erste Frau in ihrer Firma, die sich „Betriebswirtin“ nennen durfte. Viele Jahre war sie in dieser Reederei in ihrem Bereich für die Werbung verantwortlich. Einmal waren die Magier „Siegfried und Roy“ bei ihr im Büro, und deren Gepard sprang auch gleich auf den Schreibtisch. „Meine Kollegen habe ich noch nie so schnell weglaufen seh’n wie in diesem Moment!“ Fast jeden Urlaub nutzte Erika, um mit Schiffen ihrer Reederei die Welt zu erkunden. Noch heute schwärmt sie davon, dass sie dabei fast die Antarktis umrundet hat und bei strahlendem Wetter aufs „Kap Hoorn“ geklettert ist.

Wie ihr Vater es gewünscht hatte, machte sie schon im ersten Schuljahr ihren ersten Tanzkursus. Später wurde daraus sogar Turniertanz beim Delmenhorster Tanzclub. Hier lernte sie 1966 auch ihren späteren Ehemann Uwe kennen. 1973 bauten sie sich ihr Eigenheim.

Anfang der 90er-Jahre musste Erika ihre an Alzheimer erkrankte Schwiegermutter bei sich zuhause aufnehmen und, da sie noch berufstätig war, auch mit fremder Hilfe versorgen. „An dieser Situation wäre ich fast zerbrochen, denn ich war unwissend. Zum einen wurde diese Krankheit tabuisiert, und Pflegekasse oder Pflegeberatung gab es noch nicht“, blickt Erika Lisson zurück.

Diese persönliche Erfahrung war praktisch der „Startschuss“ für ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten. Als „Lotse für pflegende Angehörige“ hilft sie Angehörigen zum Beispiel beim Ausfüllen von Anträgen oder nennt helfende Netzwerke. Seit 2009 ist Ehemann Uwe Lisson Vorsitzender des Seniorenbeirats Ganderkesee, und seit dieser Zeit ist Erika ebenfalls im Vorstand aktiv dabei. Dazu ist sie seit einigen Jahren ehrenamtliche „Wohnberaterin“ und auch „Seniorenbegleiterin“. Damit noch nicht genug: Auch die „Offene Kirche“ liegt ihr ebenfalls sehr am Herzen. In der St. Cyprian- und Cornelius-Kirche steht ein Team, zu dem Erika gehört, den Kirchenbesuchern mit Rat und Tat zur Seite.

Ist Erika Lisson einmal nicht für ehrenamtliche Tätigkeiten unterwegs, dann kocht sie gerne oder beschäftigt sich mit Ikebana, der japanischen Kunst des Blumenarrangierens. Zum Abschied verrät mir Erika noch den Titel des nächsten Buchprojekts: „Ganderkeseer Tiergeschichten“.

Erika Lisson,Vorstandsmitglied des Seniorenbeirates der Gemeinde Ganderkesee und ehrenamtlich engagiert

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.