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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Literatur: Ausgegrenzt und angefeindet

09.07.2016

Hude „Wer seine Kindheit nicht glücklich abschließen kann, ist dazu verurteilt, sie immer wieder zu durchleben“, sagt Richard Fraysier. Alle Bürden, die man aus einer solchen „gescheiterten“ Kindheit mitnehme, müsse man auch als alter Mann noch mit sich herumtragen.

Um diese Bürden geht es auch in seinem Buch „Mischlingskind“, das in diesem Jahr erschienen ist. Bei einem Treffen mit der NWZ  berichtet der EDV-Experte, der momentan in Hude wohnt, über sein Erstlingswerk und dessen Entstehungsgeschichte.

Das Buch Mischlingskind:

Genre: Autobiografie

Umfang: 580 Seiten

Verlag: Create Space Independent Publishing Platform

ISBN: 1523862483

Preis: 15,15 Euro

Der 53-Jährige nimmt den Leser mit in seine Jugend, die er in den 60er und 70er Jahren in Bonn verlebt hat. „Meinen ersten Selbstmordgedanken hatte ich mit zehn Jahren“, erzählt der Sohn einer deutschen Mutter und eines Vaters aus Sierra Leone.

„Ich bin jeden Tag aufgestanden, mit der Gewissheit, meinen Peinigern zu begegnen“, erzählt Fraysier weiter. Das seien nicht nur seine Mitschüler gewesen, die täglich eine ,Negerhatz’ auf ihn veranstaltet hätten. Auch Lehrer hätten ihn immer wieder diskriminiert. „Schwarze erkennt man am Geruch, wie die Affen im Zoo“ habe einer der Pädagogen zum Beispiel vor der versammelten Klasse zu Fraysier gesagt. „Wenn man so aufwächst, hat der eigene Tod keinen Schrecken mehr“, berichtet der Autor.

Er habe nie das Gefühl gehabt, irgendwo dazuzugehören oder ein Teil der Gesellschaft zu sein. Dieses Gefühl habe er erst kennen gelernt, als er in den USA gezogen sei. „Als ich dort angekommen bin, fand ich ein tolerantes, weltoffenes Land vor, in dem ich mich wohl fühlte.“ Aber auch das sei nicht von Dauer gewesen.

„Alles war gut, bis zum 11. September 2001. Amerika ist seit diesem Datum immer weiter nach rechts marschiert“, berichtet Fraysier. Er habe miterlebt, wie eine tolerante Gesellschaft sich von Ängsten und Wut verleiten lassen habe, Mitmenschen ohne logische Grundlage auszugrenzen und anzufeinden.

„Ich habe die Parallelen zu meiner Kindheit gesehen, in der ich ausgegrenzt wurde, weil ich nicht weiß war wie alle anderen“, erinnert sich Fraysier. Das gleiche passiere heute in den USA mit Menschen aus dem nahen Osten, egal ob sie nur zu Besuch oder Staatsbürger der Vereinigten Staaten seien. Ein völlig unbegründeter Verdacht reiche aus, um im schlimmsten Fall einem Menschen das Leben komplett zu ruinieren.

Am schlimmsten sei eine solche Situation aber für Kinder. „Die wissen gar nicht, was da mit ihnen passiert. Von heute auf morgen werden auch sie von ihren Mitmenschen ausgegrenzt und angefeindet, ohne etwas getan zu haben, das dieses Verhalten rechtfertigt“, sagt Fraysier. Sie seien einfach nur Sündenböcke, an denen andere ihre Wut auslassen. Das seien traumatisierende Erfahrungen, die im schlimmsten Fall dazu führen könnten, dass die Kinder sich zu dem entwickeln, was ihnen vorgeworfen würde, so Fraysier..

„Ich habe das am eigenen Leib erfahren und weiß, wie schlimm so etwas für Kinder ist. Mit meinem Buch möchte ich sensibilisieren“, erklärt Fraysier.

Besonders in einer Zeit wie heute, in der viele fremde Menschen nach Deutschland kämen, sei es wichtig, seine Wut nicht aufgrund von Gerüchten, unbestätigten Sachverhalten oder Vorurteilen auf fremde Menschen zu projizieren, betont Fraysier.

Wolfgang Alexander Meyer Redakteur / Redaktion Oldenburg/Westerstede
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