• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Deals
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • Veranstaltungskalender
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
  • Über uns
 
NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Porträt: Basel Taifour und der Traum von Normalität

07.01.2016

Ganderkesee Über seine Zukunftspläne spricht Basel Taifour ganz offen: seine Verlobte Katharina heiraten und den deutschen Führerschein machen. Denn gerade in ländlichen Gebieten sei man ohne fahrbaren Untersatz oft aufgeschmissen. Vorerst müsse er sich aber in Geduld üben.

Im Sommer 2014 ist der inzwischen 25-Jährige aus seiner Heimatstadt Aleppo in Syrien nach Deutschland geflohen. In Ganderkesee hat er sein Glück gefunden. Er lernte seine Katharina kennen, engagierte sich unter anderem bei der Tafel und dem Weltladen. Ehrenamtlich hilft er bei der Gemeindeverwaltung aus.

Dem Neu-Ganderkeseer ist es wichtig, etwas von der Hilfe zurückzugeben, die er in den vergangenen 15 Monaten erfahren hat. „Ich liebe die Arbeit und helfe gern" , sagt er. Taifour übernimmt Dolmetschertätigkeiten, begleitet Flüchtlinge zu Behörden oder Ärzten. Zugleich gibt er Tipps für den Alltag in Deutschland: „Es ist ganz wichtig, ,Bitte’ und ,Danke’ zu sagen.“ Und: „Wenn es einen Termin um 9 Uhr gibt, muss man zehn Minuten eher da sein.“

Jeden Tag Deutsch

Spätestens ab Februar ist er im Rathaus einer von zwei Mitarbeitern im Bundesfreiwilligendienst (Bufdi), verrät Rainer Heinken, Fachdienstleiter Soziale Hilfen. Basel Taifour spricht von seiner „Traumarbeit“. Vom Gedanken, das in Syrien abgebrochene Jura-Studium fortsetzen zu können, hat er sich verabschiedet. Derzeit paukt er jeden Tag an der Volkshochschule in Oldenburg Deutsch und weitere Fächer.

Nebenbei ist er so etwas wie ein Vorbild in Sachen Integration geworden. Der NDR begleitet den Flüchtling durch seinen Alltag in Deutschland: Basel beim Bummel über den Weihnachtsmarkt, Basel bei der Silvesterfeier, Basel in der Bahn, Basel beim Friseur, Basel im Schnee. Er nimmt den Dreh eher gelassen: „Das ist Spaß. Es ist für mich ein gutes Deutsch-Training“, sagt er gut verständlich in der für ihn neuen Sprache.

Feier für Cousin

Wichtig sei für ihn seine Familie: Seine Eltern und weitere Angehörige sind in die Türkei geflohen. Basel Taifour möchte sie unterstützen. Ein Teil der Familie lebt in dieser Region. Am Silvestertag hat sein Cousin Kamal in der Delmenhorster Moschee geheiratet. Basel Taifur und seine Katharina haben eine kleine Feier für die Verwandtschaft organisiert – mit Saft und selbst gebackenen Keksen. Kein Problem hatte der gläubige Muslim im Kreise von Katharinas Familie das Weihnachtsfest zu verbringen: „Es gibt einen Gott für alle“, plädiert er für religiöse Toleranz.

Trotz der positiven Vorzeichen hadert er manchmal mit seiner Situation. Weil er bereits in Ungarn als Flüchtling registriert worden ist, erhält er gegenwärtig in Deutschland nur einen Duldungsstatus, aber kein dauerhaftes Asyl. Das könnte sich ändern, wenn er seine Verlobte heiratet. Doch dafür verlangt das Standesamt einen Pass. Und über den verfügt Basel Taifour im Augenblick nicht.

Dabei hat er einen „großen Traum im Kopf“, wie er es formuliert: „Ich möchte heiraten und Kinder bekommen.“ Und er will ein „freies Leben“ führen, irgendwann einmal unbedrängt in die alte Heimat fahren und seine Familie besuchen. Dafür arbeite er jeden Tag aufs Neue.

Stefan Idel Redakteur / Landespolitischer Korrespondent
Rufen Sie mich an:
0511 161 23 15
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.