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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Beim Tanzen hört der Spaß auf

02.03.2011

GANDERKESEE Saddam Hussein hat die halbe Welt in Aufruhr versetzt – und auch den Fasching in Ganderkesee: Während Ende Januar 1991 der irakische Diktator nach der Okkupation Kuwaits und dem amerikanischen Gegenangriff militärisch schwer unter Druck stand, befand sich die Gemeinschaft Ganderkeseer Vereine zumindest moralisch in der Defensive. Denn immer mehr Bürger und Organisationen verlangten angesichts des Kriegsgeschehens am Golf, auf fröhliche Veranstaltungen wie Faschingsfeiern zu verzichten.

An den Büttenabend 1991 kann sich Helga Kühn, deren Mann Rolf damals GGV-Präsident war, noch ziemlich gut erinnern: „Schon als wir in die Halle gingen, mussten wir an einer Mahnwache vorbei.“ Friedensaktivisten mit Kerzen in der Hand forderten auf Transparenten die Absage der Veranstaltung. Als dann mitten in der Nacht gegen 2 Uhr – „wir waren alle am Tanzen“, weiß Helga Kühn noch – eine Bombendrohung einging, war das närrische Beharrungsvermögen endgültig erschöpft: Die Halle wurde evakuiert, der erste Büttenabend blieb in jenem Jahr der letzte, der Umzug wurde abgesagt.

1991 markiert eine Zäsur in der Geschichte der Ganderkeseer Büttenabende: Walter Pirr und Marianne Wieting, die als Organisatoren und Moderatoren die 80er-Jahre geprägt hatten, hörten enttäuscht auf. Ein neues Regieteam übernahm: Rainer Schwarting, Renate Sommer und Dirk Wieting – der bis heute in der Verantwortung geblieben ist.

Mehr Professionalität

Schon vor seiner Regiezeit stand Wieting als Aktiver auf der Büttenabend-Bühne, er kann daher Vergleiche ziehen: „Heute geht es professioneller zu“, findet er. Womit Wieting weniger die Inhalte meint als die Abläufe: Das Casting der Gruppen und Redner sei ebenso optimiert worden wie Bühnenpläne und Programmstrukturen.

Hochbetrieb in der Sektbar

„Beim Büttenabend muss heute alles perfekt sein, das erwarten die Zuschauer“, meint auch Karla Scheele, die Ende der 60er-Jahre zu den Aktiven stieß – zunächst als Funkenmariechen, dann als Choreographin und Rednerin, besonders gern und gut mit Ehemann Hartmut. Bis 1970 fanden die Büttenabende noch im Gasthof Witte in Immer statt. „Damals ging es familiärer zu“, sagt sie. Die Sektbar unter Wittes Bühne war zugleich Umkleide- und Schminkraum – und zwar für alle Aktiven. „Da steppte der Bär“, beschreibt Karla Scheele. „Und nach dem Programm haben wir alle Klamotten zusammengeschmissen und oben in Wittes Gästezimmer deponiert. Am nächsten Abend mussten wir alles wieder auseinandertüdeln – heute undenkbar!“

Die Büttenabende erforderten in den ersten Jahrzehnten jede Menge Improvisationstalent. „Aber die konnten das damals ja auch“, bewundert Helga Kühn noch heute die Protagonisten der ersten Stunde, allen voran ihren Vater, Friseurmeister Gustav Schütte: „Der stand bis 18 Uhr im Salon, dann hat er sich in die Küche gesetzt, schnell was aufgeschrieben und ist ’rübergelaufen in die ,Alte Eiche’ zur Probe.“

Direktor mit Holzpferd

Schütte führte in der „Alten Eiche“ – bis 1963 die Heimstatt der Büttenabende – als Direktor den „Zirkus Sanella“ auf die Bühne, mit einem hölzernen Zirkuspferd um den Bauch. Tochter Helga trat später in seine Fußstapfen: Sie machte bei den legendären „Ringtauben“ mit. Da waren, nachdem die Büttenabende 1971 von Immer in die Halle am Steinacker gezogen waren, auch Karla und Hartmut Scheele mit von der Partie. „Spaß haben wir damals mehr gehabt als die Aktiven von heute“, glaubt Helga Kühn, „weil wir einander alle gut gekannt haben“. Das sei heute anders, meint die 71-Jährige, „aber nicht schlechter!“

Hergen Schelling
Agentur Schelling (Leitung)
Redaktion Ganderkesee
Tel:
04222 8077 2741

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